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Schweiz im Tal der Tränen - Portugal mit Gala

So 08 Jun, 14:28 Uhr


Basel (dpa) - Die Schweiz geht am Stock, die Türkei in die Knie - und Portugal tanzt: Zum EM-Auftakt in der Gruppe A waren ausgerechnet die Gastgeber die großen «Leidgenossen» - zusammen mit dem Team vom Bosporus, die nach der 0:2-Pleite gegen Portugal verbale Tritte einstecken musste.

«Fußball ist oft nicht gerecht. Für uns ist nur dieses Spiel vorbei, nicht aber die EM», sagte der Schweizer Nationaltrainer Jakob «Köbi» Kuhn nach dem doppelten Alptraum im Eröffnungsspiel. Beim 0:1 gegen Tschechien verabschiedete sich Rekordtorschütze Alexander Frei weinend und auf Krücken von der EM.

Der Profi von Borussia Dortmund erlitt im Eröffnungsspiel vor 39 730 Zuschauern in Basel einen Teilanriss des Innenbandes im linken Knie. «Natürlich ist das ein Schock. Es ist fatal, einen Kapitän so zu verlieren», sagte Kuhn. Das tragische Missgeschick nach dem Zweikampf mit Zdenek Grygera (42.) beendete den Traum Freis vom Happy End eines Seuchenjahres. Nach Hüft- und Wadenoperationen hatte er achteinhalb Monate pausieren müssen und erst in der Bundesliga-Endphase sein Comeback geschafft. Sein tränenüberströmtes Gesicht war das erste große emotionale Bild dieser EURO.

Schämen müssen sich die Schweizer für den Auftritt mit doppelt unglücklichem Ende nicht. «Es ist bitter, aber wir haben ein europäischen Topteam teilweise an die Wand gespielt», resümierte der Leverkusener Tranquillo Barnetta vor dem «Endspiel» am 11. Juni gegen die Türkei. Wie Hohn muss es in seinen Ohren geklungen haben, als Tschechiens Nationaltrainer Karel Brückner auch noch behauptete: «Wir haben eine gute Leistung abgeliefert.» Das Tor des 15 Minuten vorher eingewechselten früheren Bundesliga-Profis Vaclav Sverkos (71. Minute) resultierte aus der einzigen Chance des Ex-Europameisters. «Es war der beste Augenblick meiner Karriere», freute sich der ehemalige Spieler von Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC.

Während die Tschechen mit italienischem «Catenaccio» und einfallslosem Angriffsfußball ihren ersten Sieg feierten, spielten die Portugiesen gegen die hölzern wirkenden Türken Genussfussball. Mit spielerischer Leichtigkeit schlüpfte der EM-Zweite von 2004 in die Rolle des Mitfavoriten. Tausende Anhänger feierten in Genf bis nach Mitternacht. «Wir haben schönen, technisch starken Fußball gespielt und mit dem Sieg 50 Prozent für die Qualifikation zur nächsten Runde geschafft», sagte Trainer Luiz Felipe Scolari. Und die Zeitung «O jogo» dichtete: «Was für ein großartiger Aperitif!»

Nach dem hochverdienten Erfolg durch die Treffer von Verteidiger Pepe (61. Minute) und dem eingewechselten Raul Meireles (90./+3) kann Portugal mit einem weiteren Erfolg gegen Tschechien am Mittwoch den Viertelfinaleinzug so gut wie perfekt machen. Die schwachen Türken hingegen mussten vernichtende Medienschelte einstecken. «Eine Nacht wie ein Alptraum» schrieb die Zeitung «Sabah», und «Vatan» meinte: «Da haben sogar die Torstangen besser gespielt.»

Vor 29 106 Zuschauern im Stade de Geneve avancierte allerdings nicht der unter besonderer Beobachtung stehende Superstar Cristiano Ronaldo zum Matchwinner, sondern Innenverteidiger Pepe. Der 25 Jahre alte Defensivspezialist, der bei Real Madrid Christoph Metzelder verdrängt hat, führte sein Team im erst vierten Länderspiel mit einer überragenden Leistung und dem ersten Tor für die Nationalmannschaft in die Erfolgsspur.

«Ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben. Das war einer der wichtigsten Momente meiner Karriere», sagte der Abwehrspieler nach der Partie, in der die Portugiesen noch dreimal Pfosten und Latte trafen. «Es war ein Geduldsspiel, aber ein verdienter Sieg für uns», meinte Cristiano Ronaldo, der Superstar vom Champions-League-Gewinner Manchester United. Sein Trainer war mit der Leistung zufrieden. «Er hat uns geholfen, wie wir es von ihm erwartet haben», sagte Scolari.

 

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