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DEB lädt zum klärenden Gespräch

Do 08 Mai, 20:50 Uhr


Nach den Ereignissen der letzten Tage und Wochen hatte der Deutsche Eishockey Bund (DEB) heute Mittag in Halifax zu einem klärenden Gespräch mit der Presse geladen. Präsident Hans-Ulrich Esken, die Vizepräsidenten Uwe Harnos und Bodo Lauterjung sowie Sportdirektor Franz Reindl erläuterten den aktuellen Stand in den Fällen um Florian Busch und Jason Holland. 

Nachdem aus Deutschland Rücktrittsforderungen nach Halifax getragen wurden, betonten Trainer und Spieler zuvor noch einmal ihre Loyalität zum DEB-Präsidium. Bundestrainer Uwe Krupp hatte bereits gestern nach der bitteren Niederlage gegen Norwegen seine Rückendeckung für den Deutschen Eishockey Bund ausgesprochen und verdeutlicht, dass man mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein sollte, denn jeder macht schließlich mal einen Fehler. Auch Torwart Robert Müller konnte die Rücktrittsspekulationen um das Präsidium nur mit einem Lachen abtun. Er nahm insbesondere Sportdirektor Franz Reindl, der sich selbst die Hauptschuld an der Misere um Jason Holland gab, in Schutz: Spekulationen um einen Rücktritt sind total lächerlich. Sicher war das gestern eine kuriose Sache, aber Fehler passieren nun mal, auch, wenn sie es eigentlich nicht dürfen. Ich denke nicht, dass wir uns Sorgen um einen Rücktritt machen müssen. Die Mannschaft steht jedenfalls geschlossen hinter Reindl und dem Präsidium.  

Wie sieht es also aus im Fall Busch? 

DEB-Vizepräsident Uwe Harnos: Die NADA war im Fall Busch mit der Entscheidung des unabhängigen Disziplinarorgans, das der DEB für solche Fälle eingerichtet hat, nicht einverstanden. Bis heute hat die NADA allerdings keine Rechtsmittel gegen diese Entscheidung eingelegt. Das ist für den DEB nicht nachvollziehbar. Die Kommission hat nach besten Wissen und Gewissen entschieden. Von einer Sperre wären wir nicht überzeugt gewesen, es wäre die - aus unserer Sicht - falsche Entscheidung gewesen.

DEB-Sportdirektor Franz Reindl: Wir fordern die NADA auf, Rechtsmittel einzulegen. Wir machen alles mit, akzeptieren jede Entscheidung. Der DEB betonte, dass man die Entscheidung, Busch nicht zu sperren, nach den neuen Statuten des 2009 in Kraft tretenden NADA-Codes (Stichwort: Individual Case Management) getroffen habe. 

Das Präsidium nahm außerdem Stellung zum Vorwurf der NADA, dass neun deutsche Spieler nicht bei der Agentur gemeldet seien. Jedes Jahr erhält der Olympische Sportbund vom DEB eine Liste mit maximal 28 Spielern. Diese Spieler genießen dann den Vorteil der ganzjährigen Betreuung, erklärte Reindl. Da aber beispielsweise die NHL-Spieler gar nicht in Deutschland wären, würden sie auch nicht auf dieser Liste geführt. Sonst würden sie anderen ja den Platz wegnehmen. Sturm und Co. stehen ihrerseits auf den Listen der NHL. Reindl betonte noch einmal: Jeder unserer Spieler steht auf irgendeiner Liste - 100% der deutschen Nationalspieler sind bei der WADA erfasst sind. 

Zum Fall Jason Holland, dem gestern die Spielberechtigung entzogen wurde, da er bereits 1996 bei einer IIHF-Weltmeisterschaft für Kanada (U20) aufgelaufen war, betonte Reindl, dass die Summer der Fehler ausschlaggebend für die Entscheidung der IIHF gewesen sei. Ich nehme die Schuld auf mich, es war ein unverzeihlicher Fehler meiner Person. Jason Holland war sich des Verstoßes nicht bewusst, er dachte, die Regelung bezöge sich ausschließlich auf den Senioren-Bereich. Wir haben das nicht 100%ig abgesichert. Die IIHF hat die Berechtigung am Ende ausgestellt. Die Summe dieser Fehler war entscheidend für die IIHF.

Reindl gab zu, sich Gedanken um persönliche Konsequenzen gemacht zu haben. Aber wenn man von Seiten der Mannschaft, vom Trainer und vom Präsidium Unterstützung erhält, ist das überragend und hilft einem weiter. 

Wie will der DEB den entstandenen Schaden nun beheben? 

Uwe Harnos: Den ersten Schritt gehen wir am 16.05. in Frankfurt. Dort wird ein Treffen der NADA und des DEB unter der Aufsicht des Deutschen Olympischen Sport Bundes stattfinden. Dort wollen wir die Trainingskontrollvereinbarungen wieder in Kraft setzen oder neu auflegen. Dem Bundesinnenministerium werden wir alle Sachverhalte detailliert darlegen, um gemeinsam ein Einvernehmen zu erzielen. Danach können wir unsere Konzentration dann wieder voll auf den Sport richten. 

Die deutschen Fans nahmen die Ereignisse in Halifax mit einer gehörigen Portion Galgenhumor auf: Ohne Holland fahrn wir zur WM, skandierten sie vor dem Spiel gegen Norwegen. Bleibt zu hoffen, dass der DEB seine Schlichtungsversuche nutzt und es nicht bald heißt: Ohne Deutschland fahrn wir zu Olympia. 

Leona Malorny

(Hockeyweb.de)