Eurosport - Do 08.Mai. 13:48:00 2008
Real Madrid hat Erzrivalen FC Barcelona nach allen Regeln der Kunst blamiert. Der vorzeitige Meister der Primera Division nutzte eine peinliche Vorstellung der Katalanen zum souveränen 4:1 (2:0)-Erfolg. Reals Trainer Bernd Schuster krönte mit dem Sieg im "Clasico" eine mustergültige Saison.
Im 204. "Clasico" hatte Barcelona damit nicht den Hauch einer Chance, um eine total verkorkste Saison noch halbwegs zu retten und sich mit den Leid geprüften Fans zu versöhnen. Stattdessen rutschten die Katalanen drei weitere Punkte hinter den FC Villarreal zurück und müssen als Dritter der Primera Division in die Qualifikation für die Champions League.
Dabei hatte Klub-Präsident Joan Laporta vor dem traditionsreichen Spiel große Töne in Richtung Bernabeu-Stadion gespuckt. "Ich glaube an ein 5:0 für Barcelona", hatte Laporta angekündigt und damit vor allem einen deftigen Appell in Richtung des ohnehin angezählten Trainers Frank Rijkaard geschickt.
Die katalanen-nahe "El Mundo Deportivo", titelte nach der Partie: "Ohne Stolz lassen sich die 'Azulgranas' von meisterlichen Madrilenen in Torlaune vorführen." Die "Sport" bließ in dasselbe Rohr: "Nicht einmal mehr Stolz bleibt ihnen", so das Blatt. Nach dieser desaströsen Vorstellung dürfte Rijkaard seine Entlassungspapiere so gut wie auf dem Tisch haben.
Dennoch spielte der Niederländer das Debakel herunter: "Die Anderen haben eben besser gespielt und verdient gewonnen. Aber man muss weder von einer Demütigung noch davon reden, sich lächerlich gemacht zu haben."
Sein Trainerkollege Schuster hingegen durfte feiern: "Das war eine tollte kämpferische Leistung und die Krönung einer perfekten Saison", so der Deutsche.
1. Halbzeit
Die perfekte Inszenierung des meisterlichen Schaulaufens: Nach einer Viertelstunde lockeren Aufgalopps der "Königlichen" machten sie ernst. Wesley Sneijder ortete Guti, der an der Strafraumgrenze für Raul auflegte. Der Kapitän zog aus 16 Metern ab und das Leder zirkelte links an Keeper Victor Valdes vorbei.
Sechs Minuten später brachte abermals Guti einen butterweichen Freistoß aus 20 Metern in die Gefahrenzone. Beinahe magnetisiert wurde das Leder von Arjen Robbens Stirn angezogen und der Niederländer nickte zum 2:0 ein.
Real degradierte den Erzrivalen über die komplette Halbzeit zum Statisten. Kurz vor dem Pausenpfiff setzte sich Sergio Ramos über rechts gegen Eric Abidal durch und steckte zu Raul durch, doch der Kapitän kam am langen Pfosten einen Schritt zu spät.
So wie die Gäste vor dem Anpfiff Spalier für den Meister gestanden hatten, so traten sie auch auf dem Platz auf. Sobald ein "Weißer" im Strafraum der "Azulgranas" auftauchte, zerfiel die Defensive der Gäste - blass vor Angst - in ihre Einzelteile. Die Offensive hielt sich vornehm zurück - nur Jungspung Bojan Krkic wagte überhaupt einen Torschuss, der aber meilenweit über das Gehäuse flog.
2. Halbzeit
Rijkaards Ansprache in der Kabine war anscheinend auf 22 taube Ohren gestoßen. Die "Königlichen" spielten weiter Katz und Maus mit dem Erzrivalen, und was Barcelona anbot war nicht zum Fürchten, sondern schlichtweg gruselig.
In der 63. Minute vertändelte Giovani dos Santos das Leder gegen Mahamadou Diarra. Der Malier setzte den 53 Sekunden vorher eingewechselten Gonzalo Higuain in Szene. Der 20-Jährige verlud Valdes mit der Abgezocktheit eines Raul und erhöhte zur Vorentscheidung.
Doch Real hatte noch nicht genug: In der 76. Minute wechselte Schuster Ruud van Nistelrooy für Raul ein. Der Niederländer durfte sein Comeback drei Minuten später mit einem Tor zelebrieren. Robinho hatte im Strafraum zuvor eine Flanke in Richtung Higuain geschickt, Innenverteidiger Carles Puyol bekam den Ball an die Hand und der Unparteiische zeigte auf den Elfmeter-Punkt.
Drei Minuten vor dem Abpfiff erzielte Thierry Henry nach einem traumhaften Pass von Lionel Messi immerhin den Ehrentreffer für die Gäste. Doch sowohl er als auch Rijkaard nahmen das Tor mit versteinerter Miene zur Kenntnis. Xavis auffälligste Aktion war dann noch die Gelb-Rote Karte in der Nachspielzeit.
Spieler des Spiels
Arjen Robben wirbelte über den linken Flügel, als würde es kein Morgen geben. Der Niederländer erzielte einen Treffer und initiierte unzählige Angriffe der Gastgeber.
Richard Rother / Eurosport