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DEB im Chaos: WADA prüft Spielgenehmigung für Busch

Do 08 Mai, 18:30 Uhr


Halifax (dpa) - WM-Viertelfinale und Olympia in weiter Ferne, Kritik aus der Heimat und die WADA im Fall Florian Busch wieder im Nacken. Der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hilft nach dem Chaos-Mittwoch von Halifax sportlich nur noch ein Wunder.

Nur wenige Stunden nach der bitteren 2:3 (1:0, 1:1, 0:2)-Pleite gegen Norwegen schloss die Welt-Anti-Doping-Agentur auch noch weitere Maßnahmen gegen Busch nicht aus. Der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne ist denkbar, nachdem der Profi der Eisbären Berlin nach seinem verweigerten Doping-Test vom Internationalen Eishockey-Verband die Spielgenehmigung bekommen hatte. «Die WADA wird die Entscheidung des Weltverbandes IIHF bewerten und entscheiden, ob sie nachfolgende Maßnahmen einleitet oder nicht», teilte die WADA mit.

Aus Sicht des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) können sowohl die WADA als auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) zuerst in Deutschland Rechtsmittel einlegen, was der Verband zur Klärung sogar befürwortet. Artikel 13 des NADA-Codes sehe den Gang vor das neue nationale Sportschiedsgericht oder das ad-hoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor. «Wir wissen nicht, warum NADA und WADA das nicht gemacht haben», sagte DEB-Vizepräsident Uwe Harnos. Die WADA sei inzwischen schriftlich informiert worden.

Die Fälle Busch und auch Jason Holland - der Verteidiger kam bei der WM gegen Finnland und die Slowakei unerlaubterweise zum Einsatz - haben Misstöne in Deutschland laut werden lassen. «Holland war das i-Tüpfelchen. Das passt in das desaströse Bild, was der DEB gerade abgibt», sagte Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

DEB-Sportdirektor Franz Reindl hatte die Verantwortung für den Fall Holland übernommen und räumte am Donnerstag Rücktrittsgedanken ein. «Doch wenn man von Präsidium, Mannschaft und Trainer solche Unterstützung erhält, hilft einem das, die Emotionen zu überwinden», sagte er. Eichin wollte ihn nicht als Alleinschuldigen ausmachen. «Ich halte ihn für einen fähigen Mann. Ich glaube, dass er in vielen Dingen alleingelassen wird. Es wäre fatal, Reindl alles zuzuschreiben», sagte Eichin, der auch den DEB-Präsidenten Hans- Ulrich Esken und Vize Harnos in der Verantwortung sieht.

Mit Konsequenzen rechnet aber so gut wie keiner. «Die wird es beim DEB nie geben. Die sind zu verwurzelt», sagte der ehemalige Top-Torjäger Dieter Hegen. Ex-Nationaltrainer Erich Kühnhackl fürchtet aber vor der WM 2010 im eigenen Land um das Renommee. «Wenn solche Sachen passieren, ist das sicherlich nicht positiv. Gerade vor der WM in zwei Jahren ist das eine schwierige Situation», sagte Kühnhackl. «Wir wollen natürlich, dass wieder Friede einkehrt», betonte Harnos.

Rückendeckung vor Ort bekam Reindl, der von einem seiner härtesten Tage im Amt sprach, vom Bundestrainer. «Man sollte vorsichtig sein, bevor man ein Urteil fällt. Immer wenn ich dachte, ich habe den größten Fehler gemacht, habe ich einen noch größeren gemacht», sagte Uwe Krupp. Torhüter Robert Müller ergänzte selbstkritisch: «Wenn der Franz genauso viele Fehler machen würde wie wir auf dem Eis, dann würde die Organisation überhaupt nicht mehr funktionieren.»

Während Busch trotz seiner verweigerten Dopingprobe bei der WM bleiben durfte, saß Holland auf gepackten Koffern. Holland war 1996 für Kanada bei der Junioren-WM aktiv, statt vier erforderlichen spielte er bislang aber nur drei Jahre in Deutschland. Er hätte gar nicht nominiert werden dürfen. Der 4:2-Sieg gegen die Slowakei wurde aber nicht wie erwartet aberkannt. In die nächste Runde nimmt die deutsche Mannschaft jedoch die Niederlagen gegen Norwegen und zuvor gegen Finnland mit. Perfekt war der Einzug in die Zwischenrunde bereits vor der Partie gegen Norwegen durch das 2:3 der Slowakei gegen Finnland.

Schon in der Nacht zum Freitag musste die DEB-Auswahl zum Auftakt der Zwischenrunde gegen die USA wieder aufs Eis. Neu ins Team rückten der nachnominierte NHL-Profi Marcel Goc von den San Jose Sharks und WM-Debütant André Reiß aus Hannover. Am Samstag geht es gegen Titelverteidiger Kanada, in der Nacht zum Dienstag warten die als einziger Gegner gleichwertigen Letten.

Sportlich wollen Krupp und seine Kufen-Cracks die Runde der besten acht Mannschaften der Welt und damit die Chance auf die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver noch nicht abhaken. «Sonst könnte ich nach Hause fahren und bräuchte nicht mehr mitspielen», sagte Routinier Stefan Ustorf.

Nach der Pleite gegen Norwegen redeten Krupp und seine Akteure Tacheles. «Wir könnten jede Menge Ausreden finden. Das ist, was man vermeiden sollte. Wir haben unseren Job nicht gemacht und versucht, das Spiel ein bisschen auf Sparflamme zu gewinnen», so Krupp. «Wenn man keine Eier hat, kann man solche Spiele nicht gewinnen», meinte Keeper Müller nach der vergebenen 2:0-Führung. Als die NHL-Profis Marco Sturm und Christoph Schubert auf der Strafbank saßen, krönte der in Duisburg spielende Morten Ask krönte vier Minuten vor Schluss die Aufholjagd der Norweger, die Ex-Weltmeister Slowakei in die Abstiegs-Playoffs gegen Slowenien schickten und selbst den vorzeitigen Klassenverbleib bejubeln durften.