Eurosport - Di 08.Apr. 17:14:00 2008
An allen Pokertischen dieser Erde hört man immer wieder das Gejammer: Die Runde war unmöglich, die Spieler hatten keine Ahnung und ständig Glück. Ein Bad Beat nach dem anderen beutelte die ernsthaften Spieler.
Wer kann das noch hören?
Der Profi weiß: solche Bad Beat Runden sind für den erfahrenen Spieler hochprofitable Tische.
Was macht so einen Bad Beat denn eigentlich aus? Es braucht zwei Spieler. Der Glückliche bezahlt mit einem schlechteren Blatt zu hohe Wetten und trifft gegen jede Wahrscheinlichkeit auf einer späten Strasse ein Monsterblatt. Der Pechvogel hingegen setzt auf eine gute Ausgangsposition und verliert trotzdem.
Das so etwa geschieht ist in zweierlei Hinsicht gut. Erstens zeigt sich wer was vom Spiel versteht und zweitens wird der schlechte Spieler in seinen unprofessionellen Entscheidungen bestärkt.
Und genau das wird sich bezahlt machen. Spieler die so schlecht sind, dass sie immer wieder die unwahrscheinlichsten Situationen spielen verlieren nicht nur langfristig, sondern sicher recht bald.
Sein kurzfristiges Glück kann dem schlechten Spieler zwar noch weiteren Auftrieb geben. Er spielt selbstsicherer und aggressiver. In dieser Phase werden unerfahrene und frustrierte Gegner vielleicht sogar eingeschüchtert und zu passivem Spiel verleitet. Trotzdem muss man sich klar machen, dass ihn sein schlechtes Spiel bald wieder in Situationen bringen wird, in denen die Chancen zu seinen Ungunsten stehen werden. Diese Situationen sucht der gute Spieler und es muss ihm egal sein, wie oft sein Gegner bereits Glück gehabt hat.
Gerade als Pokerspieler, der in jeder Hand die Wahrscheinlichkeiten, Odds und Outs im Auge hat, darf man sich von den Bad Beat Unfällen nicht beeindrucken lassen.
Man spielt in den Runden, die man aufgrund der eigenen Fähigkeiten dominiert und meidet Partien, die von besseren Spielern beherrscht werden. Die Bad Beat Partien, die immer wieder Anlass zum Jammern geben, gehören aber sicher zu den Runden mit den schlechten Spielern, die einen irgendwann auszahlen.
Wenn man den Bad Beat-Spieler eine Weile beobachtet hat, sollte man in günstiger Position mit ordentlichen Starthänden die Konfrontation suchen. Auf erstklassige Holecards zu warten ist sicher die risikoloseste Methode, aber nicht immer notwendig. Der schlechte Spieler agiert mit einer breiten Auswahl an Starthänden und ist oft schon mit marginalen Händen zu schlagen. Wichtiger als die Holecards ist hier immer die Position und das Wissen über den Spielstil des Gegners.
Wenn man komfortabel innerhalb der eigenen Bankroll spielt, stellt der Bad Beat-Spieler also kein wirkliches Problem da. Sucht euch die Tische, die am lautesten über Bad Beats klagen, und setzt euch dazu.
In diesem Sinne: Mehr Bad Beats bitte!
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