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Betrugsverfahren gegen Jan Ullrich wird laut «Focus» eingestellt

So 13 Apr, 13:32 Uhr


München (AP) Das Betrugsverfahren gegen Ex-Rad-Profi Jan Ullrich wird einem Bericht zufolge gegen die Zahlung einer hohen Geldsumme zu den Akten gelegt. Das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtete am Wochenende, das Landgericht Bonn habe das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt. «Im Gesamtergebnis» müsse Ullrich über eine Million Euro aufwenden, zitierte «Focus» Justizkreise. Ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft äußerte sich auf AP-Anfrage nicht zu dem Bericht, kündigte aber für Montag eine Presseerklärung an.

Die Einstellung des Verfahrens ist für Ullrich laut «Focus» mit einer Reihe von Auflagen verbunden. So werde der 34-Jährige Unterlagen freigeben, die 2006 bei der Durchsuchung seines Hauses in der Schweiz beschlagnahmt worden seien. Die Papiere und E-Mails belegten dem Bericht zufolge, dass die Team-Leitung des inzwischen aufgelösten T-Mobile-Rennstalls in die Doping-Praktiken verwickelt gewesen sei.

Im Fall Ullrich können die Ermittler dem «Focus»-Bericht zufolge beweisen, dass der Radsportler offenbar seit 2003 mit dem spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet habe. Sie hätten bei Fuentes nicht nur Ullrichs Blutbeutel entdeckt, sondern auch Hinweise auf Geldtransfers, hieß es: 2004 seien 25.000 Euro auf ein Konto geflossen, das Fuentes zugeordnet werde. Konfiszierte Bankauszüge belegten zudem für 2006 Zahlungen von 55.000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft habe Ullrichs Anwälten deutlich gemacht, dass alles auf eine Anklage hinauslaufe, es sei denn, Ullrich bestreite die Doping-Vorwürfe nicht und erfülle eine Reihe weiterer Forderungen, berichtete der «Focus». Ullrichs Verteidigung habe das Angebot angenommen.

«Der Spiegel» berichtete unterdessen, im Fall Ullrich werde es noch mindestens zwei Zivilverfahren geben. Zum einen habe Ullrich seinen ehemaligen Arbeitgeber beim deutschen Rennstall Coast, Günther Dahms, auf Zahlung noch ausstehender Gehälter aus dem Jahr 2003 verklagt Dahms wolle aber nicht zahlen, vor allem weil er nach den Enthüllungen der vergangenen Monate davon ausgehen müsse, dass Ullrich auch in jenem Jahr gedopt und damit gegen seinen Arbeitsvertrag verstoßen habe.

Außerdem habe Ullrich ein Verfahren gegen den Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke angestrengt, weil dieser öffentlich behauptet habe, Ullrich habe 35.000 Euro an den Dopingarzt Fuentes gezahlt. Franke habe ein Angebot von Ullrichs Anwälten, das Verfahren außergerichtlich zu beenden, abgelehnt. Sowohl Franke als auch Dahms könnten nun womöglich Einsicht in die Akten des Bonner Strafverfahrens gegen Ullrich nehmen, schrieb «Der Spiegel».