Eurosport - Sa 08.Mrz. 16:48:00 2008
Am liebsten wollte Lionel Messi seine Verletzung ganz in Ruhe zuhause in Argentinien auskurieren. Barcelonas Bosse ließen den Jungstar jedoch nicht weg. Die bestmögliche medizinische Versorgung habe Vorrang, hieß es aus dem Präsidium. Der 20-Jährige bestand jedoch auf die Heimreise.
Am Dienstagabend hatte sich der 20-jährige Argentinier in der Champions League gegen Celtic Glasgow einen Muskelriss im linken Oberschenkel zugezogen und war unter Tränen vom Platz gehumpelt. Voraussage der Mediziner: mindestens vier Wochen Pause. Seit dieser Diagnose und der zweiten schweren Verletzung innerhalb von gerade mal drei Monaten ist Messi sichtlich deprimiert und mutlos. Während Fans und Freunde dem Publikumsliebling Trost spenden und von allen Seiten Zuspruch kommt, bremste der Vorstand seinen persoenlichen Wunsch, nach Argentinien zu fliegen. Dies berichtete Spaniens Zeitung "Sport" .
"Batterien aufladen"
Wenigstens für ein paar Tage zur Familie in die Heimatstadt Rosario, sich dort erholen und vor allem dem Druck in Barcelona aus dem Wege gehen - so hatte es sich Lionel Messi vorgestellt. Bei früheren Verletzungen des jungen Pechvogels hatten die Verantwortlichen in Barcelona stehts nichts dagegen - da durfte er zu Hause "die Batterien wieder aufladen und mental ein bisschen Abstand bekommen."
Diesmal jedoch baut die Medizinische Abteilung auf Spezialbehandlungen, die seine Genesung beschleunigen sollen. Die schnelle physische Genesung ginge vor, erklärte Barcas Vizepräsident Marc Ingla. Erst nach weiteren Gesprächen gab man ein wenig nach: "Der Spieler wird seinen Erholungsprozess in drei Etappen einteilen: Den ersten hier in Barcelona hat er bereits begonnen; anschliessend fliegt er für einige Zeit nach Argentinien; die letzte Phase der etwa dreimonatigen Verletzungspause verbringt er dann wieder hier im Club."
Kritik an Rijkaard
Hinter der strengen Haltung des Clubs könnte die derzeit intensive Diskussion um die Verletzungsanfälligkeit Messis stecken. Tatsache ist, dass sich Argentiniens Jung-Nationalspieler in drei Jahren fünf schwere Blessuren einfing. Daran sollen angeblich hormonelle Behandlungen Messis als Jugendlicher, sehr frühes intensives Training, sein genetischer Muskelaufbau sowie seine sehr explosive Spielweise schuld sein. Allerdings wird auch spekuliert, Messi habe schon vor dem Celtic-Spiel über Beschwerden geklagt - und sei von Coach Frank Rijkaard dennoch aufgestellt worden. Kein Wunder, dass Leo Messi selbst angesichts der hitzigen Diskussionen am liebsten ans andere Ende der Welt flüchten würde.
Derzeit ist er für niemanden erreichbar - das Handy ist aus. Die einzige kritische Stimme ob all des Wirbels um den 20-Jährigen kommt derweil ausgerechnet vom Ex-Barca-Spieler Ronald Koeman: "Sicher, Messi ist ein guter Spieler und wichtig fürs Team. Andererseits ist es aber Unsinn, seinen Ausfall derartig zu bejammern. Barcelona hat auch noch andere gute Leute, die auf seiner Position spielen können."
Dies ist es wahrscheinlich, was gerade der Verletzte selbst am meisten befürchtet.
Bettina Schneider / Eurosport