DFB-Pokal - Borussia: Helden eiskalt abserviert

Mi 08.Feb. 10:05:00 2012

Underdog Kiel wollte sich nichts nachsagen lassen, von wegen schlechte Bedingungen und miserabler Rasen. Keine Chance für Ausreden, die eine Sensation schmälern würden. Dem Gegner aus Dortmund wurde deshalb der grüne Teppich ausgerollt, ein Novum in der 100-jährigen Geschichte des Holstein-Stadions.

FOOTBALL Borussia Dortmund Kiel 2012 - 0

Von Michael Wollny

Doch auf die arktischen Temperaturen hatten die Kieler dann keinen Einfluss mehr. Das frische Gras des nagelneuen Rollrasens wurde schockgefrostet wie Tiefkühlgemüse.

"Wäre das kein Live-Spiel gewesen, wäre es sicher nicht angepfiffen worden", meinte Jürgen Klopp nach dem souveränen 4:0-Sieg vielsagend und ärgerte sich über das erhöhte Verletzungsrisiko. "Das war gefährlich, man spielt ja auch kein Eishockey auf dem Rasen."

Die Bedingungen, so Dortmunds Trainer weiter, seien für ein Profi-Fußballspiel nicht akzeptabel gewesen. "Es war eine sehr schwierige Herausforderung für uns. Für den Platz gab es keine Schuhe."

Schlittschuhe und Steigeisen bestenfalls. Gleich in der Anfangsphase hatte Marcel Schmelzer auf dem linken Flügel einige Probleme, den Ball auf dem steinharten Boden zu kontrollieren. Sicherlich ein großer Nachteil für die Hochgeschwindigkeitskombinierer aus dem Revier. Doch noch bevor man diesen Gedanken einwirken lassen konnte, hatte sich der BVB auf die extremen Bedingungen eingestellt und war im Spiel.

Frech aber letztlich harmlos

Kiel trat selbstbewusst auf, mutig, frech und ohne zu mauern, war letztlich von einer Sensation aber dennoch so weit entfernt wie der Rasen vom Taupunkt. Marc Heiders Torschuss in der neunten Minute wurde von Mitchell Langerak mühelos entschärft und blieb dann auch der einsame Aufreger im Hoheitsgebiet des Weidenfeller-Stellvertreters. "Das Ergebnis geht vollends in Ordnung", bestätigte Kiels Coach Thorsten Gutzeit fair. "Wir haben gegen eine Klassemannschaft verloren und brauchen uns nicht schämen."

Und tatsächlich steckt in dieser Feststellung wohl die größte Erkenntnis aus der 90-minütigen Eiszeit von Kiel: Dortmunds bedingungslose Klasse. Spielstarke Mannschaften meckern gerne mal über gegnerisches Grün in Bolzplatz-Qualität. Dortmund aber kombinierte selbst über holsteinharte Unebenheiten in meisterlicher Selbstverständlichkeit und Konzentration. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal ein Pflichtspiel mit Kunstrasenschuhen machen muss", meinte Mats Hummels augenzwinkernd. "Aber wir haben den Platz so angenommen, wie er war. Das war das Wichtigste."

Unter extremen Platzbedingungen und hoher Verletzungsgefahr ins Halbfinale. Meister Dortmund setzt in Kiel das nächste Ausrufezeichen. - 2 Neben der wichtigen Einstellung auf die Platzverhältnisse stimmte beim BVB auch wieder die ernsthafte Einstellung auf den Gegner. "Wir wollten ins Halbfinale und wären blöd, wenn wir uns Gedanken machen würden, in welcher Klasse der Gegner spielt", meinte Klopp. "Wir haben drei Spiele gesehen, in denen sie bärenstark waren. Heute waren sie in einzelnen Situationen einfach überragend, das machen sie richtig gut. Die können richtig Fußball spielen, und deswegen war das sehr unangenehm."

Dortmund bestätigt sich selbst

Die Anspannung des BVB-Coaches konnte sich allerdings schon früh ein wenig lösen. Einen Seitfall-Querschläger von Ivan Perisic setzte Robert Lewandowski kontrolliert ins kurze Eck zur Führung in der elften Minute. Eine Szene, in der ein Stürmer unter diesen Bedingungen schon mal am Ziel vorbeistolpern kann. Ebenso wie Shinji Kagawa, der nur sieben Minuten später eine passable Ausrede gehabt hätte, wenn er den Ball aus elf Metern über statt unter die Latte genagelt hätte. Die exzellente Technik des Japaners verhinderte den Fehlschuss.

Mit dem 2:0 war die Sache eigentlich gegessen, auch wenn Klopp anmerkte: "Ich hatte auch beim 2:0 das Gefühl, wenn jetzt noch einer reingeht, steht das ganze Stadion wieder Kopf. In diese Situation wollte ich ungern." Deshalb spielte der BVB sein Spiel konzentriert zu Ende und bessert mit Lucas Barrios (80.) und Ivan Perisic (87.) am Ende noch mal nach.

Borussia Dortmund steht hochverdient im Halbfinale und hat nun auch unter widrigsten Bedingungen bestätigt, dass mit dem Meister in dieser Saison gerechnet werden muss - als ein Top-Favorit auf Pott und Schale.

VIDEO - Beckham, Fußballer zwischen Genialität und Glamour

Eurosport Confidential : B

TV-Tipp:

Der African Cup of Nations - vom 21. Januar bis 12. Februar. Eurosport und Eurosport 2 zeigen alle 32 Spiele live und berichten ausführlich aus Äquatorialguinea und Gabun. Mehr als 200 Stunden Berichterstattung lassen für Fußballfans keine Wünsche offen.

Eurosport

Bemerkung

Kommentarfunktion ist für diesen Artikel nicht verfügbar.