Neue deutsche Alpin-Hoffnungen
Wer kann zu Maria Höfl-Riesch, Viktoria Rebensburg, Felix Neureuther oder Fritz Dopfer aufschließen oder gar in deren Fußstapfen treten? Eurosport.yahoo.de blickt auf die zweite Reihe der deutschen Alpinen und stellt die möglichen Stars von morgen vor.
Von Sebastian Würz
Lena Dürr
Am dichtesten bereits an die absolute Weltspitze herangefahren ist die Germeringerin Lena Dürr. Die Tochter des ehemaligen Weltcup-Läufers Peter Dürr machte bereits in der Saison 2009/2010 erstmals auf sich aufmerksam, als die damals 18-jährige Gymnasiastin die Europacup-Gesamtwertung gewann. Nach Bestehen des Abiturs im Frühjahr 2011 konnte sich die jüngere Schwester von Katharina Dürr verstärkt auf ihr Training konzentrieren, was, so Dürr im Interview mit eurosport.yahoo.de, ihren großen Leistungssprung in diesem Winter erkläre. Bereits neunmal ist die Junioren-Vizeweltmeisterin im Riesenslalom von 2010 inzwischen im Weltcup unter die Top 15 gefahren, hat sich im Slalom von Startnummer 54 zu Saisonbeginn in die erste Startgruppe der besten 15 gefahren. Und auch die Speed-Disziplinen liegen der 1,73 Meter großen Dürr. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2010 wurde sie Vierte im Super-G, und ohne Speedtraining fuhr sie im Kombinations-Super-G in St. Moritz auf den starken zehnten Rang und damit vor etablierte Läuferinnen wie Tina Maze, Tina Weirather und Lara Gut. Dürr hat, auch wenn ihr Hauptaugenmerk zumindest diese Saison noch auf den technischen Disziplinen liegen wird, das Potential zur Allrounderin.
Veronique Hronek
Der Super-G in Bad Kleinkirchheim auf einer der anspruchsvollsten Strecken im Damen-Weltcup drohte aus deutscher Sicht zu einer Enttäuschung zu werden. Maria Höfl-Riesch konnte aufgrund eines grippalen Infekts nicht starten; Viktoria Rebensburg schied aus. Es war Veronique Hronek vom SV Unterwössen, die in dem Rennen aus Sicht des Deutschen Skiverbands (DSV) die Kohlen aus dem Feuer holte. Mit Nummer 38 fuhr sich die Dritte der Europacup-Gesamtwertung 2011 völlig überraschend auf Rang sechs nach vorne. Schon einen Tag vorher in der Abfahrt überzeugte sie als 17. Hroneks eigentliche Paradedisziplin ist dennoch eine andere. Im Riesenslalom, wo sie sich auf dem steilen und schweren Hang in Kranjska Gora zuletzt ebenfalls unter die besten 15 fuhr, wurde sie vergangene Saison Zweite im Europacup. Für die Speed-Disziplinen fehlt der 20-Jährigen zumindest derzeit noch das Feingefühl beim Gleiten, auch deshalb fuhr sie gerade in Bad Kleinkirchheim ihre stärksten Ergebnisse heraus.
Simona Hösl
Dritte im Bunde der aufstrebenden deutschen Damen ist Simona Hösl. Die Berchtesgadenerin machte bislang vor allem im Europacup auf sich aufmerksam, belegte hinter Hronek vergangene Saison Platz vier in der Gesamtwertung und liegt in der laufenden Saison auf Rang zwei in der Riesenslalom-Wertung. Die Technik-Spezialistin Hösl, noch ein Jahr jünger als Dürr und Hronek, konnte im Gegensatz zu den beiden im Weltcup aber bislang noch nicht Fuß fassen. Bei ihren bisherigen fünf Weltcup-Einsätzen schied sie dreimal aus und verpasste zweimal den Einzug ins Finale der besten 30.
Andreas Sander
Denkt man an Skihochburgen in Deutschland ist Ennepetal im Ruhrpott sicher alles andere als der erste Ort, der einem in den Sinn kommt. Dennoch ist es der Geburtsort des bislang letzten deutschen Junioren-Weltmeisters der Herren: Andreas Sander holte 2008 im spanischen Formigal Gold im Super-G, damals war er der einzige deutsche Mann, der für die Titelkämpfe überhaupt nominiert war. Der 22-jährige Speed-Spezialist fährt aktuell seine zweite vollständige Saison im Weltcup und hat, gemessen daran, dass in den schnellen Disziplinen die erfahrenen Läufer, die die Pisten besser kennen, bevorteilt sind, einen ordentlichen Einstieg gefunden. Sechsmal fuhr Sander bisher in die Top 30 und überzeugte dabei mit starken Leistungen auf den anspruchsvollen Pisten in Garmisch-Partenkirchen und, wenn auch nur in den Trainingsläufen, in Kitzbühel. Alleine in der Abfahrt hat Sander in der aktuellen Saison 25 Weltcuppunkte geholt. Zum Vergleich: Auch Shootingstar Beat Feuz aus der Schweiz kam als 22-Jähriger auf genau diese Punktzahl. Aus deutscher Sicht war zuletzt der WM-Dritte von St. Anton, Florian Eckert, in Sanders Alter besser.
Josef Ferstl
Von den Erfolgen des Vaters ist Josef Ferstl noch ein ganzes Stück entfernt. Sepp Ferstl siegte 1978 und 1979 auf der legendären Streif in Kitzbühel und wurde 1978 Vize-Weltmeister in der Kombination. Sein 23-jähriger Sohn, ein Speed-Spezialist, versucht nun, in seine Fußstapfen zu treten. Ferstl Junior bestritt diese Saison seine ersten Weltcuprennen, war aber bisher noch weit von den Punkterängen entfernt. Im Europacup machte der Traunsteiner dafür zuletzt auf sich aufmerksam, gewann die Abfahrt in Altenmarkt und holte zwei weitere Podiumsränge. Sowohl in der Abfahrts- als auch der Super-G-Europacupwertung hat er realistische Chancen auf einen Platz unter den Top 3, was Deutschland in diesen Disziplinen einen zusätzlichen Weltcup-Startplatz für die kommende Saison bescheren würde.
Stefan Luitz
Die wohl größte deutsche Technik-Hoffnung im deutschen Herrenteam ist Stefan Luitz vom SC Bolsterlang. Der 19-Jährige feierte seinen ersten großen Erfolg, als er bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2010 mit hoher Startnummer 41 sensationell Silber im Riesenslalom holte. Als Belohnung nahm ihn der DSV ein Jahr später mit zur Heim-WM nach Garmisch-Partenkirchen, wo er in seiner Paradedisziplin im ersten Durchgang auf sich aufmerksam machte und völlig überraschend in der Zwischenwertung unter die besten 15 fuhr, was er im Finale allerdings nicht halten konnte. Aktuell dominiert Luitz den Europacup mit, führt die Riesenslalom-Wertung an, ist Zweiter im Slalom und hat damit sogar die Spitze in der Gesamtwertung inne, da im Europacup die technischen Wettbewerbe deutlich in der Mehrzahl sind. Luitz' großes Manko ist die Stabilität. Noch zu oft sieht er das Ziel nicht, so auch bei seinen ersten Weltcupauftritten mit hoher Startnummer. Pech hatte er beim Slalom in Alta Badia, als er mit der 73 nur um drei Hundertstelsekunden am Finale der besten 30 vorbei fuhr.
TV-Tipp:
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