Bauers Dakar-Blog: Der dritte Co-Pilot

Eurosport - Do 08.Jan. 18:25:00 2009

Gernot Bauer ist bei der Dakar 2009 in Argentinien und Chile als Reporter unterwegs und wirft für eurosport.yahoo.de regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen.

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Ich weiß, ich weiß - ich wiederhole mich. Öfters schon habe ich an dieser Stelle über die Begeisterung und das herzliche "Bienvenido" der Argentinier geschrieben. Aber es ist auch einfach unglaublich. So unglaublich, dass ich gestern Nacht kaum ein Auge zugemacht habe. Wie denn auch?

Die ganze Nacht hindurch standen mehrere hundert Menschen an den Zäunen des Biwaks, bejubelten jeden Wagen, LKW, ja sogar jedes Taxi, das ins Biwak gefahren kam. In den Abendstunden in Neuquen waren es Tausende, die die Straße säumten. Wäre Ricky Martin hier mit Shakira in einer von Diego Maradonna chauffierten Kutsche mit vier weißen Schimmeln Geld verteilend und mit den Trikots von River Plate bekleidet durch die Straßen gefahren, es hätte wahrlich nur noch eine handvoll Leute mehr aus den Häusern gelockt.

Kommentar vom pensionierten Fachmann

Es begann damit, dass der Besitzer des ans Biwak angrenzenden Hauses seine Gartenstühle auf den Gehsteig stellte, seine Frau selbstgemachte Limonade kostenlos ausgab und er, Radio-Mann in Pension, einfach mal acht Stunden nonstop das Geschehen über seine Lautsprecher-Anlage kommentierte. Hätte er eine Liste mit all unseren Namen gehabt, er hätte jeden einzelnen begrüßt, mit den Infos, die er gegoogelt hätte. Internet hatte er nämlich auch - und den Liveticker von dakar.com.

Jeden Abend verschenke ich das T-Shirt des Tages. 20 haben wir von der Organisation bekommen, sie sind die begehrtesten Trophäen der Fans. Damit können sie sich dem Tross zugehörig fühlen. Aber das tun sie sowieso. Meist - da bin ich ganz ehrlich - erhält es eine lokale Schönheit. Ich kann da einfach nicht widerstehen. Aber man muss sich das schon gut überlegen. Denn einmal am Zaun, lassen einen die Fans nicht mehr los.

Falsche Nummern, richtige Nummern...

200 Autogramme habe ich locker geschrieben. Habe Flaggen signiert, Babies auf die Stirn gemalt, älteren Damen eine falsche Telefonnummer und den jüngeren die richtige auf den Arm gepinselt. Auch vielmals entschuldigen musste ich mich für die Viertelfinal-Niederlage der Gauchos gegen Deutschland bei der vergangenen Fußball-WM. Von 1990 gar nicht zu sprechen.

Und das alles nicht, weil man mich fälschlicherweise für einen jungen Star-Moderator aus Europa hält. Mein Sound-Techniker und Kameramann konnten sich ebenfalls kaum vor Anfragen retten, wurden abgebusselt und zu diversen Fiestas und Abendessen eingeladen. Alles leidenschaftlich, lustig, friedlich und freundlich.

Der zwölfte Mann

Einem Quadfahrer, der ins Biwak kam, wurden gleich vier Babies in die Hand gedrückt für Fotos. Die Barrieren wurden übersprungen, die Polizei drückte ein Auge zu und wenn sie einschritt, folgten auch alle gleich.

Als Christian Lavielle vom Nissan Dessoude Team vom Tanken in der Stadt zurück ins Biwak fährt und im Stau vor dem Tor neben mir zu stehen kommt, beschreibt er es so: "Die sind hier wie ein dritter Co-Pilot". Motorsporttechnisch also der sogenannte zwölfte Mann.

Argentina - te quiero

Aus Argentinien berichtet Gernot Bauer / Eurosport

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