Eurosport - Di 08.Jan. 17:01:00 2008
Während ich diese Zeilen schreibe wird in Prestatyn um die Tickets zur Weltmeisterschaft gekämpft - eine wichtige und packende Qualifikation. Trotzdem steigt in der ganzen Snookerwelt die Vorfreude auf das Masters ab dem kommenden Sonntag.
Das ist kein Wunder: Bei Spielern Fans und auch bei uns Medienleuten gilt das Masters als eines der absoluten Highlights der Saison.
Dabei spielt natürlich die besondere Atmosphäre in Wembley eine Rolle, das hohe Preisgeld ebenso. Aber noch wichtiger ist, dass durch die Bank nur Top-Sport zu erwarten ist. Abgesehen von Qualifikant Barry Hawkins und Wildcard-Spieler Marco Fu sind schließlich die Top 16 der Weltrangliste unter sich. Jede Begegnung dort hat das Zeug zum Kracher. So wird es am Sonntag schon in der ersten Runde zu einer Wiederauflage des Finales der UK Championship zwischen Ronnie O'Sullivan und Stephen Maguire kommen.
Ein Name fehlt: Jimmy White
Ein Name fehlt allerdings auf der Teilnehmerliste: Nach 25 Jahren ist Jimmy White in diesem Jahr erstmals nicht dabei. Von 1982 bis 2007 gehörte der Wirbelwind praktisch zum Inventar in Wembley. Die Legionen seiner Fans haben maßgeblich dazu beigetragen, die einzigartige Wembley-Atmosphäre zu kreieren.
Automatisch qualifiziert war Jimmy White schon nicht mehr, seit er aus den Top 16 der Weltrangliste herausgefallen war. Aber in den Jahren seitdem war er trotzdem jedes Mal mit einer Wildcard dabei. An den Kassenhäuschen in Wembley hat sich diese Entscheidung bezahlt gemacht. Aber Jimmy hat es auch mit Leistung zurückgezahlt. Beim Masters schien er immer besonders motiviert zu sein und spielte in der Regel stärker, als von ihm zu erwarten war.
White scheiterte denkbar knapp
Bei der Qualifikation zum Masters 2008 hat sich das ja auch wieder angedeutet: Während Jimmy bis jetzt (sein erstes WM-Qualifikationsmatch hat er noch nicht gespielt zum Zeitpunkt des Schreibens) in dieser Saison noch kein K.o.-Match bei den Qualifikationen zu den Weltranglistenturnieren gewonnen hat, erreichte er bei der Masters-Qualifikation vollkommen überraschend das Halbfinale und scheiterte da auch nur denkbar knapp mit 4:5 an Kurt Maflin.
Wie sich die Abwesenheit von Jimmy White beim Ticketverkauf auswirkt bleibt abzuwarten. Marco Fu, der die Wildcard erhalten hat, wir da sicherlich nicht so ziehen wie Londons Publikumsliebling. Dafür aber dürfte die Teilnahme von Fu das Interesse im wichtigen asiatischen Markt steigern. Vor allem aber: Sportlich hat Fu die Einladung nach Wembley vollkommen verdient. Er hat schließlich den Grand Prix gewonnen und ist mit Macht zurück auf dem Weg in die Top 16. Die World Snooker Association hat bei ihrer Entscheidung offensichtlich in erster Linie sportliche Kriterien angewandt. Das ist gut so.
Trotzdem bleibt ein seltsames Gefühl. Für mich wird es das erste Masters ohne Jimmy sein. Und wenn ich jemanden finden will, für den das nicht so ist, dann muss ich mich schon an die ganz alten Hasen wenden. Die Vorfreude auf diesen Top-Event mindert das aber in keiner Art und Weise. Man darf sich ja auch einmal eine kleine Sentimentalität erlauben.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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