Luzern (AP) Der Europäische Fußballverband UEFA ist offenbar Wettmanipulationen in ganz großem Stil auf der Spur. 15 Spiele seien unter Verdacht, teilte der Verband am Samstag im schweizerischen Luzern mit. Unterlagen mit entsprechenden Hinweisen seien der internationalen Polizeibehörde Interpol übergeben worden. Mindestens ein Spiel wurde demnach auch vom Disziplinarausschuss der UEFA untersucht. Bei welchen Wettkämpfen der Verdacht besteht, wollte die Organisation nicht sagen. Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft 2008 seien aber nicht darunter, hieß es auf der Webseite des Verbands.
Der «Spiegel» berichtete dagegen von insgesamt 26 Begegnungen unter Manipulationsverdacht. Darunter seien zwölf Qualifikationsspiele für den UEFA-Cup, acht UI-Cup-Spiele, drei Qualifikationsspiele für die Champions League, zwei UEFA-Cup-Spiele sowie ein Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft im kommenden Sommer, schrieb das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf eine vertrauliche UEFA-Liste. Von den 26 Spielen fanden demnach 15 in der laufenden Saison statt, elf weitere seien der UEFA zwischen Juli 2005 und November 2006 von Wettüberwachern gemeldet worden.
Die Mannschaften, denen Manipulation unterstellt wird, kommen dem Bericht zufolge zum größten Teil aus Ost- und Südosteuropa. Die UEFA habe sich an die Polizei gewandt, weil sie einerseits die «Integrität unserer Wettbewerbe in Gefahr» sehe, andererseits mit den eigenen Sanktionsmöglichkeiten bei der Bekämpfung der Korruption an ihre Grenzen stoße.
UEFA-Präsident Michel Platini sprach sich für die Gründung einer europäischen Fußballpolizei aus und sicherte finanzielle Unterstützung zu. «Ich bin bereit, für den Schutz des europäischen Fußballs zu zahlen», sagte Platini der «Welt am Sonntag». Im kommenden Jahr werde die UEFA zusammen mit der Europäischen Union eine Konferenz über Korruption und Geldwäsche im Sport organisieren. «Ich liebe den Fußball, und wir müssen ihn mit aller Kraft schützen», sagte Platini dem Blatt.
Dem «Spiegel» zufolge sieht die UEFA das Zentrum der Wettmafia in Asien. In einem Dossier habe der Verband am Beispiel von vier Europapokalspielen aus diesem Sommer detailliert beschrieben, mit welchen Methoden Wettbetrüger die Ergebnisse manipuliert haben sollen. Auf der UEFA-Webseite hieß es, die Manipulationen seien mit Hilfe eines vor mehr als einem Jahr installierten Frühwarnsystems entdeckt worden, das Sportwetten nach Auffälligkeiten durchsuche.
«Leute, die ein Spiel verschoben haben, können leicht ein bis zwei Millionen Euro pro Spiel setzen und einen Gewinn in etwa gleicher Höhe damit erzielen», zitierte der «Spiegel» aus dem Dossier. «Bei bedeutenderen Turnieren kann die Summe ungleich höher sein.» Bei der UEFA hofft man dem Magazin zufolge nun, dass die Polizeibehörde den Komplex Wettmanipulation im Profisport in die sogenannte OCTA aufnimmt - eine Bedrohungs- und Gefährdungsanalyse zur Organisierten Kriminalität, die jährlich erstellt werde und langfristig Prioritäten bei der internationalen Verbrechensbekämpfung festlege.



