Skispringen - FIS rechnet mit dem Wind

Eurosport - Fr 07.Aug. 21:53:00 2009

Der Sommer-Grand-Prix wird zum Testlauf für eine revolutionäre Regeländerung im Skispringen und sorgt sechs Monate vor den Olympischen Spielen für Diskussionen unter Athleten und Funktionären. Erstmals wird der Sieger mit Hilfe einer neuen Wind-Formel ermittelt, die die FIS erarbeitet hat.

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Um Verzögerungen oder Abbrüche wegen wechselnder Windbedingungen künftig auszuschließen, wird zudem das Dogma abgeschafft, nach dem alle Teilnehmer in einem Durchgang mit der gleichen Anlauflänge vom Bakken gehen müssen. "Ich stehe dem Experiment sehr positiv gegenüber", sagte Bundestrainer Werner Schuster beim Auftakt zur Sommer-Serie in Hinterzarten.

Keine Gnade findet die neue Regel dagegen bei Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer. "Das gefällt mir nicht. Äußere Einflüsse soll man nicht dem Computer und dessen Berechnungen überlassen. Gewinnen soll der Athlet, der am weitesten springt und die beste Show bietet", erklärte der zum Auftakt fehlende Österreicher. Auch Martin Schmitt sieht dem Experiment mit gemischten Gefühlen entgegen. "Ich bin eher skeptisch und gespannt, wie sich das auswirkt", sagte der Vize-Weltmeister. Im Interesse seines Top-Springers fordert Schuster daher vor Beginn der Weltcup-Saison eine "knallharte Evaluation" durch den Weltverband.

"Faktor Glück wird kontrollierbarer"

In der komplizierten Formel entspricht ein Meter Anlauflänge etwa fünf Metern Sprungweite. In die Berechnung des Sprungs fließen zudem die jeweiligen Windbedingungen ein. Je stärker der Rückenwind, desto höher der Faktor, der mit dem ermittelten Weitenwert multipliziert wird.

FIS-Renndirektor Walter Hofer setzt große Hoffnungen in den Test. "Die Jury gewinnt durch das neue Reglement in Extremsituationen größeren Handlungsspielraum und kann mit dem Balken hinauf- oder hinunterwandern. Der Faktor Glück wird kontrollierbarer", sagte Hofer. Ob die Regel im kommenden Winter eingeführt wird, sei aber ungewiss. "Vielleicht ergibt sich eine partielle Veränderung des Weltcup-Reglements, vielleicht wird das neue Reglement auch verworfen", erklärte Hofer.

Transparenz ein großes Problem

Größtes Hindernis bei der Umsetzung könnte eine mangelnde Transparenz für die Fans sein. "Der Zuschauer wird noch weniger Einsichten bekommen und sich wundern, wenn der Athlet mit einem kürzeren Sprungversuch gewinnt", unkte Schlierenzauer. Selbst Jouko Törmänen, Chef der FIS-Kommission Sprunglauf, meinte: "Das neue System ist im nächsten Winter nur dann zu sehen, wenn klare Vorzüge augenscheinlich sind. Vor allem müssen die Zuschauer verstehen, was geschieht."

Angesichts der Regel-Diskussion rückte das sportliche Comeback von Georg Späth und Alexander Herr fast in den Hintergrund. Vorjahressieger Späth kehrt ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss auf die Schanze zurück und qualifizierte sich am Freitag mit 96 Metern als einer von sieben DSV-Springern für den Einzel-Wettbewerb am Sonntag (14.00 Uhr). Herr, der drei Jahre nach seinem Rücktritt aus dem deutschen Team einen Neustart wagt, scheiterte dagegen in der Ausscheidung als 54.

dpa / Eurosport

Kommentare 1 - 7 of 7

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  1. @thomas.steuding: den anlauf verkürzen --!? ich lese­ da: balken hinauf oder hinunter. vielleicht wurde es in­ der übertragung ja anders erklärt. konnte ich nicht­ sehen, und leider auch nicht im audiostream hören. ach­ ja, eurosport: wieso geht der stream eigentlich nicht?

    Von die_trullala, am Mo 10.Aug. 11:00
  2. Ach ja: Wie lautet die Formel? Ich glaube, ich google­ danach... :-)

    Von Babaco, am So 9.Aug. 19:41
  3. Ich finde diese Regel geil! Ich bin davon überzeugt,­ dass es sich durchsetzt. Noch ein paar Einblendungen im­ TV und schon reichts mir entgültig. Dann ist man nicht­ immer auf Gert Sigmund und Dirk Thiele angewiesen. Doch­ Schlierenzauer wird wohl nicht mehr mein­ Lieblingssportler, sowie alle anderen Regelgegner...

    Von Babaco, am So 9.Aug. 19:40
  4. Finde ich nicht gut. Die Idee an sich ist ok, aber das­ macht Skispringen doch gerade so spannend: wer hast den­ besten Wind, wer kann besonders gut die Situation­ ausnutzen, nie ist ein Sieg völlig gewiss, es ist­ schliesslich eine Natursportart. Soll man beim Golf­ auch den Gegenwind berechnen und den Ball dann dahin­ legen wo er mit Aufwind hingegangen wäre?
    Außerdem­ benachteiligt man so auch die "Flieger"-Typen­ wie Kranjec, die sehr von Aufwind profitieren. Wenn es­ jetzt bei Rückenwind irgendeine komische Formel gibt,­ dann hilft denen das gar nichts. Verkürzt und­ Rückenwind und ein Kranjec landet auf dem Backen. Das­ macht dann auch keinen Sinn. Es soll der gewinnen, der­ am Besten mit den Verhältnissen zurecht kommt und ein­ wenig Glück hat, wenn nötig. So gewinnt dann doch immer­ ein Schlierenzauer, oder nicht? Wenn er schlechtere­ Verhältnisse hat, dann aber Bonuspunkte bekommt,­ gewinnt er trotzdem. Das ist für mich nicht Sinn der­ Sache....vielleicht verstehe ich das auch falsch, aber­ wenn der Sieger dann immer am Rechner ermittelt wird,­ ist das für mich kein Sport mehr, denn keiner kann sich­ mehr sicher sein, was seine Leistung wert ist.
    Daher:­ ausprobieren, aber wenn es nicht gravierende Vorteile­ mit sich bringt, nicht einführen.

    Von tgerschermann, am So 9.Aug. 17:33
  5. Was machen Sie mit Schlierenzauer wenn er Aufwind­ hat??? Einen Roten Korridor gibt es ja nicht mehr. Man­ hat in der letzten Saison schon gesehen was passiert­ wenn man die Springer herunterläst und die Bedingungen­ zu gut sind. Soll er sich den Hals brechen? Das ganze­ hat noch sehr viel mehr kannten als die zuständigen­ zugeben wollen die Idee ist nicht schlecht aber das war­ es dann auch schon.

    Von thomas.steuding, am So 9.Aug. 14:40
  6. Kann man die Punkte die man dazu oder abgezogen bekommt­ nicht am Bildschirm zeigen wenn die Springer ihre­ Punkte bekommen, wäre viel besser.

    Von jaschwein, am Sa 8.Aug. 10:06
  7. Ich finde es miss auf den Wind einfluss zu nehmen. Ich­ stimme Schlierenzauer zu der beste sollte gewinnen.

    Von hsvmeineperle, am Fr 7.Aug. 22:46
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