Tour de France - Angermanns Tour: Hinault wie früher

Eurosport - Mo 07.Jul. 19:54:00 2008

Klaus Angermann, jahrelang am Eurosport-Mikrofon und insgesamt 41-facher Berichterstatter von der Tour de France, hat sich am Rande der zweiten Etappe mit Bernard Hinault beschäftigt, dem großen Radsport-Idol aus der Bretagne.

CYCLING 1980 Bernard Hinault - 0

Die Bretagne von Süd nach Nord auf dem Tour-de-France-Parcours der 2. Etappe zurückzulegen; dort Radsport-Begeisterung zu atmen, wo sie vielleicht nirgendwo ehrlicher aus dem Herzen kommt wie in Bernard Hinaults engster Heimat - das war mein Plan gewesen. Doch der Meister selbst riet mir davon ab:

"Wenn du risikolos und schnell in den Pressesaal kommen willst, dann fahre die Umgehungsstrecke. Für die braucht man zwei Stunden; sonst, auf der Rennstrecke, werden es vielleicht vier". Es war ein guter Rat.

Hinault und ich kennen uns seit gut 30 Jahren. Solange wie der "Dachs aus Yffiniac" - das war sein Spitzname als Rennfahrer - in der Tour de France zuhause ist. Und ein "Blaireau" ist er, jetzt 53, geblieben: aufrecht, offen, ehrlich, kampfesfreudig und dennoch friedlich. Wenn das denn die Eigenschaften eines Dachses sein sollten Zoologen bitte melden!

Auf dem Podium wie in alten Zeiten

Der Rennfahrer von einst, dessen sportliche Höhepunkte zwischen 1977 und 1985 lagen, ist heute der "Zeremonienmeister" der Tour. Auf jeder Etappe chauffiert er die ganz besonderen Ehrengäste, lässt sie hautnah das Renngeschehen erleben. Und darf das Feld mit seiner blauen Limousine sogar überholen. Die gleichen Herrschaften genießen dann auch die Gunst, von Hinault bei der Siegerehrung den Gewinnern und Trikotträgern vorgestellt zu werden.

Am Ziel der ersten Etappe in Plumelec aber wurde Hinault - wie in alten Zeiten - selbst auf's Podium gerufen. Tourdirektor Prudhomme ehrte das bretonische Rad-Idol mit dem "Plateau de Reconnaissance du Tour de France". Dieses silberne Tablett wird mit Namensgravur allen überreicht, die mindestens 30 Mal oder mehr Begleiter der Frankreichrundfahrt waren. Familie Hinault verfolgten die Zeremonie mit Stolz - Ehefrau und Jugendliebe Martine, die inzwischen erwachsenen Söhne Mikael und Alexandre. Beide sind sportlich völlig aus der Art geschlagen: "Nie wollte einer Radfahrer werden; aber ich habe sie auch nicht gedrängt".

"Habe die Farm vermietet"

Dafür haben die beiden Filiusse ihren "alten Herrn" gedrängt: nämlich aufzuhören, Rinderzüchter zu sein - mit rund 200 Tieren - und außerdem 100-120 Tage im Jahr für die ASO unterwegs zu sein, den Konzern, der neben der Tour noch viele andere große Radrennen organisiert, darunter Paris-Nizza, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich,Paris-Tours und demnächst wohl auch Feder führend die Vuelta. "Diesen Spagat habe ich beendet und die Farm vermietet".

Hinault ist seinen Maximen stets treu geblieben: "Alles, was ich mache, tue ich aus Leidenschaft. Ich wollte Radfahrer sein; ich war es. Ich wollte Bauer sein, ich war es." Frage: Kommt da nun noch etwas? "Non, mon ami," verneint er schmunzelnd. "Ich fahre aber wieder Rad - nur zum Spaß und genieße dabei meine bretonische Heimat."

"Seine" Bretagne stand für Hinault immer im Mittelpunkt. Er machte auch öffentlich kein Hehl daraus: "Zuerst bin ich Bretone, dann Franzose". Seine offenen Worte brachten dem "Dachs" oft Kritik ein. Auch, dass er den französischen Radsport-Nachwuchs einmal als "Weicheier" betitelte: "Wir haben viele Talente, aber nur wenige haben Charakter". So wie er ihn beispielhaft vorgelebt hat, mit seinem Motto "Um etwas Großes zu erreichen, muß man auch etwas opfern."

A bientôt!

Klaus Angermann

Eurosport

Kommentare 1 - 2 of 2

Kommentare sortieren: Aktualität | Meist bewertet
  1. Jo Aschtreta grüßt Calahan den Vollpfosten

    Von Charly Mottet, am Mo 7.Jul. 14:00
  2. na ich habe bestimmt die letzten 20 jahre die tour verfolgt aber heutzutage muss ich sagen das mir diese triumpfe damals auch spanisch vorkommen (mit 35 jahren den letzten titel holen hi nault)bin zwiegespalten ob das heute besser georden ist oder ob nur die möglichkeiten zu dopen besser sind , macht jedenfalls keinen spass mehr lg alf

    Von alfred b, am Mo 7.Jul. 3:43
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