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Ruderer mit bescheidenen Olympia-Zielen

Mo 07 Jul, 11:44 Uhr


Düsseldorf (dpa) - Der Deutsche Ruderverband (DRV) fährt mit bescheidenen Aussichten nach Peking. Anders als in früheren Jahren, in denen der DRV stets zur Sammlung deutscher Goldmedaillen beitrug, ist kein Siegboot in Sicht.

Nach einer durchwachsenen Saison mit der schlechtesten Weltcup-Bilanz seit Bestehen des Wettbewerbs droht eine Olympia-Pleite von historischem Ausmaß. Diese Skepsis mag DRV-Sportdirektor Michael Müller jedoch nicht teilen: «Wir haben uns in einigen Klassen gut weiterentwickelt. Ziel bleiben vier bis sechs Medaillen in Peking.»

Die Turbulenzen um den Deutschland-Achter werfen ein Licht auf die bedenkliche Entwicklung der vergangenen Jahre, in denen die deutschen Ruderer ihre jahrzehntelange Vorherrschaft verloren haben. Nur wenige Wochen vor dem Start in die olympische Regatta entmachtete die Verbandsführung den bisherigen Trainer Dieter Grahn und sortierte sechs Weltmeister von 2006 aus. Damit reagierte der DRV auf den dürftigen Saisonstart des Paradebootes, der nur ein Jahr nach dem zweiten WM-Platz von München der Weltspitze weit hinterherfuhr.

Die Proteste der Ausgebooteten, die auch in den Jahren zuvor erst spät zu ihrer Form gefunden hatten, verpufften wirkungslos. Eine neue, deutlich jüngere Crew soll unter Leistung von Trainer Christian Viedt mindestens den Endlauf erreichen. «In dieser Mannschaft steckt genug Grundsubstanz. Eine Medaille in Peking ist nicht ausgeschlossen», befand Müller nach dem zweiten Rang beim Weltcup- Finale von Posen Ende Juni mit allerdings nur drei Booten.

Neben dem Achter bereitet auch der Einer Kopfzerbrechen. Der rätselhafte Ausstieg von Marcel Hacker im Weltcup-Hoffnungslauf Mitte Juni in Luzern nach nur 300 Metern wegen einer angeblichen Magen- und Darminfektion sorgte für Spekulationen über ein mögliches Olympia-Aus des Skullers. Erst Tage später nahm Hacker nach einer Aussprache mit der DRV-Spitze wieder das Training auf.

Eine eigens verbreitete Presseerklärung trug nur wenig zur Aufhellung bei. «Ich freue mich, dass die Verantwortlichen eine gute Basis erarbeitet haben, um jetzt mit voller Kraft die Teilnahme an den Olympischen Spielen im Männer-Einer vorzubereiten. Der Verband steht voll zu Marcel Hacker», wird der neue DRV-Vorsitzende Siegfried Kaidel darin zitiert.

Heißeste DRV-Anwärter auf olympisches Edelmetall sind die Europameisterinnen Lenka Wech (Saarbrücken) und Maren Derlien (Hamburg) im Zweier ohne Steuerfrau sowie der Frauen-Doppelvierer um Kathrin Boron (Potsdam), die in Peking zum fünften Mal in Serie Olympia-Gold gewinnen und damit mit Ruder-Legende Steven Redgrave (Großbritannien) gleichziehen könnte. Zu den Medaillenkandidaten zählt darüber hinaus auch der Leichtgewichts-Zweier mit Marie-Louise Dräger (Rostock) und Berit Carow (Hamburg), die mit einem zweiten Platz beim Finale in Posen den Gesamt-Weltcup in ihrer Bootsklasse gewannen.

 

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