Hamburg (dpa) - Nach der Medaillenpleite von Athen wollen die deutschen Segler in China die olympische Trendwende einläuten.
Der Kader der deutschen Equipe ist klein, aber fein: Sechs Frauen und sechs Männer starten vom 9. August an vor der chinesischen Hafenstadt Qingdao in sechs von insgesamt elf olympischen Segel-Disziplinen.
«Wir wollen an die drei Medaillen von Sydney anknüpfen und Athen vergessen machen», sagte Tornado-Ass Johannes Polgar (Dänisch-Nienhof) bei der Präsentation des zwölfköpfigen Teams am Rande der Kieler Woche. «Ich liebe die Herausforderung, mein Ziel ist die Goldmedaille», sagte Starboot-Athlet Marc Pickel.
Besonders erfolgreich waren zuletzt die Frauen: Als Doppel- Europameisterinnen zählen die 470er-Seglerinnen Stefanie Rothweiler/Vivien Kussatz (München/Berlin) im Kampf um Edelmetall ebenso zum erweiterten Favoritenkreis wie die WM-Dritten Ulrike Schümann, Julia Bleck und Ute Höpfner (alle Berlin) im Drei-Personen- Kielboot Yngling. Laser Radial-Steuerfrau Petra Niemann (Berlin) verstärkt bei ihrem dritten Olympia-Start als erfahrenstes Team- Mitglied die von Hans Sendes, Sportdirektor des Deutschen Segler- Verbandes (DSV), oftmals zitierte «Frauen-Power» in der Mannschaft.
Wollen die Männer-Teams gleichziehen, müssen sie sich zum Saisonhöhepunkt in China deutlich steigern. Die 49er-Brüder Jan-Peter und Hannes Peckolt (Hamburg/Kiel) bringen immerhin EM-Silber aus dem Jahr 2007 mit. Weder die Tornado-Asse Johannes Polgar/Florian Spalteholz (Dänisch-Nienhof/Kiel) noch die Starboot-Crew Marc Pickel/Ingo Borkowski (Kiel/Potsdam) konnten zuletzt bei Europa- oder Weltmeisterschaften in die Medaillenränge vorfahren.
Als Teamchef der deutschen Equipe ist Sendes nach neun Olympischen Spielen zum letzten Mal im Einsatz, bevor er sich im Herbst langsam aus dem Amt zurückzieht. Der 60-Jährige vertraut auf das Können seiner Mannschaft: «Sie haben es alle drauf, segeln alle auf Weltklasse-Niveau. Ich wünsche mir von Herzen, dass sie ihre Künste zur rechten Zeit abrufen können.» Mit einer Mischung aus Respekt, Realismus und selbst auferlegter Ruhe blicken die deutschen Segler der als Flautenrevier bekannten strömungsreichen Fushan-Bucht entgegen.
Dank Gönner und Ocean Race-Sieger Michael Illbruck (München) verfügt die Segelmannschaft in der im Sommer bis zu 40 Grad heißen Hafenstadt Qingdao über einen 40 Quadratmeter großen «Chill-Out- Container» mit Klimaanlage, Ruhezonen und Liegeflächen.


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