Hamburg (dpa) - Drei Pferdesport-Disziplinen gibt es bei den Olympischen Spielen - und dreimal gehören die deutschen Mannschaften zu den absoluten Topfavoriten.
Allen voran gilt das für das Dressurteam, das achtmal in Folge Gold gewonnen und zuletzt 1972 in München nicht den ersten Platz belegt hat. Medaillenkandidaten sind aber auch die Spring- und Vielseitigkeitsreiter, die «Revanche für Athen» wollen.
«Wir wollen dreimal gewinnen und können auch in den Einzelwertungen einige Medaillen holen», sagt Hanfried Haring, der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). «Wir wollen unsere Reiter nicht unter Druck setzen, aber die Frage nach Gold wird früher oder später von den Medien aufgegriffen.» Der FN ist es aber auch ganz recht, dass ihre Sportler aufgrund «der olympischen Erfolge in den letzten Jahrzehnten in der Öffentlichkeit als goldene Reiter wahrgenommen» werden, wie Haring es ausdrückt.
Sportlich waren die deutschen Teams vor vier Jahren am Rande der griechischen Hauptstadt in Markopulo nicht zu schlagen. Von den drei Goldmedaillen blieb allerdings nur die des Dressur-Teams. Das Vielseitigkeits-Gold verloren die deutschen Reiter noch in Athen, weil der Internationale Sportgerichtshof (CAS) eine Entscheidung des Weltverbandes FEI korrigierte. Ausgangspunkt der teilweise dramatischen Szenen nach dem ersten Jubel war ein Flüchtigkeitsfehler von Bettina Hoy gewesen, die mit dem zweimaligen Reiten über die Startlinie eine Kette von Fehlern bei den Funktionären auslöste. «Da wollen wir noch einmal eine sportliche Antwort geben», sagt Bettina Hoy, der mit dem Team schon vor zwei Jahren eine «kleine Rache» gelang, als sie in Aachen die Weltmeisterschaft gewann.
Das Gold der Springreiter kassierte ebenfalls in letzter Instanz der CAS ein, allerdings erst viele Monate später: Bei Ludger Beerbaums Pferd Goldfever war in der Dopingprobe ein Medikament nachgewiesen worden, das nach Angaben des Weltverbandes FEI zwar nicht leistungsbeeinflussend, aber im Wettkampf verboten ist. Durch Beerbaums nachträgliche Disqualifikation wurde aus Gold für die anderen drei Team-Mitglieder Bronze.
Das sicherste Gold liefern seit Jahrzehnten die Dressurreiter, und das soll auch in Hongkong so sein. Allerdings gab es für die erfolgsverwöhnten Reitkünstler zuletzt bei der EM 2007 in Italien eine Niederlage gegen die Niederländer. «Das soll natürlich nicht noch einmal passieren», sagt Bundestrainer Holger Schmezer.
Der deutsche Verband hat das Unternehmen Hongkong generalstabsmäßig vorbereitet. Seitdem der umstrittene Beschluss des IOC feststeht, die Pferdesport-Wettbewerbe trotz des hohen Temperaturen und der enormen Luftfeuchtigkeit in der ehemaligen britischen Kronkolonie durchzuführen, arbeitet die FN an speziellen Programmen und schickte Reiter und Trainer zu Testwettkämpfen. «Ich mache mir ganz viele Sorgen», sagt Springreit-Europameisterin Meredith Michaels-Beerbaum: «Das sind keine normalen Bedingungen.»


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