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Deutsche Kanuten starten Olympia-Countdown

Mo 07 Jul, 20:55 Uhr


Kienbaum (dpa) - Der dreimalige Olympiasieger Andreas Dittmer ließ sich in der Abendsonne sein Bratwurst-Brötchen schmecken, Katrin Wagner-Augustin radelte entspannt in Schlappen zur Grillparty - doch trotz aller Idylle am Liebenberger See wird bei den deutschen Kanuten der Schweiß fließen.

«Wir haben jetzt noch sechs Wochen sehr guten Trainings vor uns, die Zeit müssen wir nutzen. In einigen Disziplinen haben wir Nachholbedarf», gab Bundestrainer Reiner Kießler die Devise für die letzten Wochen der «Operation Gold» aus. «Unsere Einsatzkonzeption ist auf Gold ausgerichtet, es geht nicht um die Vielzahl der Medaillen», betonte Sportdirektor Jens Kahl, der sechs bis acht Medaillen anstrebt. Mindestens drei sollen golden glänzen.

Bis zum 15. Juli spulen die erfolgreichsten deutschen Sommer- Olympioniken noch in Kienbaum bei Berlin ihr Trainingspensum ab, ehe es nach anderthalb Wochen Heimtraining zum Feinschliff vom 25. Juli an in Duisburg ans Eingemachte geht. «In Kienbaum stehen hohe Umfänge und hohe Belastungen an und in den letzten zwei Wochen vor den Spielen der Feinschliff», verriet der dreimalige Goldmedaillengewinner Dittmer, der bei seinen Abschieds-Spielen über 500 und 1000 Meter im Canadier-Einer startet.

Bis zum 12. August haben die 17 nominierten Athleten plus 3 Ersatzleute Zeit, dann hebt der Flieger der «Reisegruppe Paddel» nach Peking ab. «Wenn man dann in Peking ankommt, sind die Messen gelesen. Entweder man ist dann fit oder nicht», sagte der Potsdamer Ronald Rauhe, der mit seinem Kajak-Zweier-Partner Tim Wieskötter über 500 Meter die nach Sydney 2000 gestartete Siegesserie verlängern will. Zu retten sei an der Form nach der Ankunft am Wettkampfort nichts mehr. Genau dieser Wettkampfort mit seiner «supergroßzügigen Anlage», wie Katrin Wagner-Augustin schwärmte, weckt bei allen Sportlern große Vorfreude.

Wieder einmal verpassen die Kanuten die Eröffnungsfeier, doch daran sind die Routiniers gewöhnt. «Mittlerweile habe ich dreimal Olympische Spiele erlebt und war nicht einmal bei der Eröffnungsveranstaltung», sagte Dittmer. Da die Trainingsmöglichkeiten auf einem Nebenkanal sehr bescheiden sind und die klimatischen Bedingungen anstrengend, bleibt das Team so lange wie möglich in der Heimat.

Jetlag-Probleme erwartet der Bundestrainer nicht. Auch die späten Wettkampfzeiten - im Gegensatz zu Weltcups oder Titelkämpfen in Europa wird nicht vom Morgen, sondern vom Nachmittag an gepaddelt - stellen die Kanuten nicht vor Schwierigkeiten. «Das entspricht unserer Wettkampfzeit um 9.30 Uhr und das passt gut in den Rhythmus», sagte Kießler, der sich akribisch auf die ersten Spiele als Chef vorbereitet. Sogar Wochenprofile über den Wind wurden angefertigt, um zu sehen, welche Bahnen Vorteile bieten könnten - und gemessen an dem Ergebnis ist Taktieren verboten. Denn: «Der Wind ist jeden Tag anders.»

 

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