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Sat.1 steigt in Tour-de-France-Berichterstattung ein

Do 19 Jul, 19:48 Uhr

Berlin (AP) Nur einen Tag nach Beginn des Tour-Boykotts von ARD und ZDF hat Sat.1 die Live-Berichterstattung übernommen. Nachdem die Öffentlich-Rechtlichen ihre Rechte wegen des jüngsten Dopingskandals zurückgegeben hatten, stieg Sat.1 am Donnerstagmittag als Lizenznehmer ein und begann bereits um 15.00 Uhr mit der Übertragung der 11. Etappe der Tour de France von Marseille nach Montpellier. «Ich bin sehr froh, dass wir so kurzfristig eines der weltgrößten Sportereignisse zeigen können», sagte Sat.1-Chef Matthias Alberti.

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF hatten sich am Mittwoch wegen des Dopingverdachts gegen den T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz von der Tour-Liveberichterstattung zurückgezogen. ZDF-Sprecher Alexander Stock schloss am Donnerstag einen Wiedereinstieg in das laufende Rennen aus.

Während Sat.1 längere Übertragungen der Tour-Etappen ins Programm nimmt, strahlt N24 täglich ab 19.30 Uhr halbstündige Zusammenfassungen aus. «Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 wird definitiv bis zum Ende der Tour übertragen. Damit gibt es kein Zurück mehr für ARD und ZDF», sagte N24-Sprecher Thorsten Pütsch der AP. Über den gezahlten Preis wollte ProSiebenSat.1 keine Angaben machen.

Als skandalös bezeichnete der Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, das Verhalten von Sat.1 bei der Tour-Berichterstattung. Um einen sauberen Radsport zu erreichen, sei bei der Tour de France ein Schulterschluss von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern notwendig, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Mainz: «Die journalistischen und ethischen Maßstäbe, die ARD und ZDF ansetzen, dürfen auch für private Fernsehsender nicht außer Kraft gesetzt sein.»

ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte der AP, man habe dem Tour-Veranstalter gestattet, die Rechte für die Live-Übertragungen anderweitig zu vergeben. «Dass es so schnell ging, hat uns allerdings überrascht.» Es sei aber kein Geld zurück an die Öffentlich-Rechtlichen geflossen, betonte Stock. Entgegen anders lautender Berichte erwäge das ZDF aber keine Regressansprüche gegenüber der ASO. Der Pressesprecher des Bayerischen Rundfunks, Rudi Küffner, betonte, ARD und ZDF seien weiterhin Inhaber der Übertragungsrechte an der Tour 2008, hätten die Option auf die Tour 2009 aber nicht gezogen.

Die jüngsten Doping-Skandale haben dem Ansehen des Spitzensports einer Umfrage zufolge schwer geschadet: Mit 90 Prozent ist die große Mehrheit davon überzeugt, dass Doping im Radsport weit verbreitet ist, wie das Institut für Demoskopie Allensbach am Donnerstag mitteilte. Das nur in Einzelfällen gedopt wird, glauben lediglich fünf Prozent. Unterdessen erwägt der Sportartikel-Hersteller Adidas einen Ausstieg beim Team T-Mobile, wie die Zeitung «Die Welt» berichtete.

Als Folge der Doping-Skandale steht nun die für September geplante Rad-WM in Stuttgart in der Diskussion. Zwar lehnte der Stuttgarter Gemeinderat am Abend einen Antrag der Grünen-Fraktion auf Absage des Wettbewerbs ab. Der baden-württembergische Sportminister Helmut Rau betonte jedoch, die WM sei noch nicht in trockenen Tüchern. Falls der Weltradsportverband die scharfen Anti-Doping-Vorgaben von Bund, Land und Stadt nicht umsetzen wolle oder könne, stehe die Veranstaltung «zur Disposition», sagte der CDU-Politiker im Südwestrundfunk.

 

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