Primera Division - Letzte Mission: "Barca schlagen"

Eurosport - Mi 07.Mai. 21:57:00 2008

Ganz Spanien schaut nach Madrid. Bernd Schuster hat sein Traumziel Meisterschaft mit Real vorzeitig erreicht. Einen letzten Job haben die "Königlichen" jedoch noch zu erledigen: "Barcelona zu Hause schlagen und unseren Fans noch eine Freude machen - das ist alles", versprach der Augsburger.

FOOTBALL 2007-2008 La Liga Real Madrid Schuster - 0

Vor dem Duell gegen seinen Ex-Klub FC Barcelona im restlos ausverkauften Bernabeu-Stadion präsentierte sich der frisch gebackene Meistercoach selbstbewusst und guter Dinge: "Das ist immer ein besonderes Spiel, egal ob man schon Meister ist oder nicht. Leicht wird es nicht - aber wir haben die Möglichkeit, die Saison mit einem Sieg richtig gut abzurunden".

Es ist eine ziemlich skurrile Konstellation: Am Sonntag Abend ist Real Madrid vorzeitig Meister geworden, drei Spieltage vor Saisonschluss. Sie feierten die Nacht durch, erst im Flieger, dann am Cibeles-Brunnen, später in der "Buddha Bar", einem sehr angesagten Nachtklub. Es gab viel Cerveza, kistenweise Champagner, einige Liter Wodka Lemon und ein paar Cocktails.

An diesem 36. Spieltag treten die "Königlichen" im heimischen Estadio Santiago Bernabeu schon als neuer "Campeon" an und dann muss der Gegner offiziell gratulieren. Die Gäste-Spieler müssen Ehrenspalier stehen für Raúl, Robinho, Cannavaro und Higuain. Sie müssen Applaus klatschen. Der Brauch in der Primera Division will es so - seit Jahrzehnten. Es ist nur eine Geste, aber dieses Mal ist die Zeremonie ziemlich pikant. Schließlich heißt der Gegner Reals heute Abend FC Barcelona.

Guardiola folgt Rijkaard

Barça ist nur noch ein Trümmerhaufen. Das Team hat sich schon jetzt von Real um 14 Punkte (!) distanzieren lassen. Und jetzt muss sich der Tabellendritte auch noch verbeugen vor dem 31-maligen Titelträger. "Barça hat schon die Liste derjenigen beisammen, die den Diener machen müssen", höhnte "Marca". Diese ominöse Liste umfasst 18 Spieler, darunter Puyol, Zambrotta, Thuram, Messi, Bojan und Henry. Ronaldinho bleibt zuhause, der vom AC Mailand umworbene Ex-Regisseur ist sowieso nur noch in Diskotheken anzutreffen. Deco und Eto'o bleibt das Applaudieren ebenfalls erspart, sie sahen beim 6:0 über Valencia ihre fünfte Gelbe. Jetzt verdächtigen die Fans die beiden, die Verwarnung absichtlich provoziert zu haben.

Wie auch immer, Schadenfreude steht im Vordergrund, den Erzrivalen leiden zu sehen, ist für die Weißen immer schön. Seit Wochen schaukeln sich die Madrider Gazetten an dem Thema hoch, sodass es selbst die treuesten Leser schon anfängt zu nerven. Die katalanische Presse geht schon gar nicht mehr darauf ein. Man beschäftigt sich vielmehr mit der Zukunft. Die soll besser werden als die Gegenwart, viel besser. Dass Trainer Frank Rijkaard gehen muss, war seit zwei Monaten klar, nun steht offenbar der Nachfolger fest. "Josep Guardiola ist der Auserwählte", posaunt "Sport", die Hauspostille. Die Klubführung um Präsident habe sich nach fünfeinhalbstündiger Sitzung auf die 37-jährige Barca-Ikone geeinigt, der augenblicklich die zweite Mannschaft coacht, so das Fachblatt.

Nur ein Zehner fehlt noch

Dem Trainer auf der anderen Seite kann das ziemlich egal sein. Bernd Schuster ist einfach nur glücklich und stolz. Dass Real seinen Erzfeind in der Tabelle so klar distanziert, das gelang zuletzt 1979/80. Schuster hatte Anpassungsprobleme, aber inzwischen genießt der 48-Jährige Respekt. "Schuster kommt gut an bei den Spielern. Mit ihm sind wir auf einem guten Weg", lobte Klubchef Rámon Calderon den Augsburger im Interview mit "As". Das Einzige, was Real noch fehlt, ist ein guter Zehner.

Angeblich sollen drei bis vier Neue kommen. Auf der Wunschliste stehen Cesc Fabregas (FC Arsenal), David Villa (FC Valencia), Klaas-Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam) Luis Fabiano (FC Sevilla) und Diego (Werder Bremen). Gegen Barcelona müssen sich die 82.000 aber noch mit Guti und Sneijder begnügen. "Die Hütte ist ausverkauft, wir müssen das genießen", freut sich Calderon. Auch zum vieldiskutierten Spalierstehen der Barca-Stars hat der Präsident eine Meinung: "Das ist nur ein Höflichkeitsritual, eine Art Anerkennung unserer Leistung, aber sicher keine Demütigung."

Tipp: Verfolgen Sie den Klassiker Real gegen Barca heute Abend ab 22:00 Uhr im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de.

Erik Wegener / Eurosport