Eurosport - Mi 07.Mai. 17:19:00 2008
Kobe Bryant hat sich einen Traum erfüllt und ist als Nachfolger von Dirk Nowitzki in den erlauchten Kreis der "Wertvollsten Spieler" (MVP) der NBA aufgestiegen. Der derzeit vielleicht spektakulärste Spieler der nordamerikanischen Basketball-Profiliga wurde von 120 Journalisten gewählt.
Für den All-Star-Guard der Los Angeles Lakers mit der "24" auf dem Trikot ist es ein Höhepunkt seiner zwölfjährigen Karriere, in der er im Dunstkreis von Michael "Air" Jordan zu den ganz Großen seines Sport aufgestiegen ist.
"Das ist wie ein Stück aus Hollywood, geschrieben wie ein Manuskript zu einem Filmepos. Jetzt fehlt zum perfekten Ende nur noch die Meistertrophäe", sagte der in Philadelphia geborene Überflieger. Seine Frau Vanessa sowie die beiden Töchter Natalia und Gianna saßen daneben und freuten sich still mit ihm über die Auszeichnung. In der Nacht zum Donnerstag stand Bryant wieder auf dem Feld beim Viertelfinal-Heimspiel gegen die Utah Jazz, gegen die die LA Lakers das erste Spiel gewonnen hatten.
"Diesen Award hätte ich nie allein gewinnen können. Ich kann den Jungs im Team gar nicht genug danken. Sie sind meine Kumpels, meine Brüder." Seit 1996 spielt Bryant für die Lakers. Vater Joe Bryant, der Headcoach der Los Angeles Sparkers war, hatte seinen Filius schon früh auf eine besondere Karriere vorbereitet, die zu einer der schillerndsten der NBA-Geschichte geworden ist. Sprunggewaltig ist der 1,98 m große Bryant. Kreativ, ausgebufft und immer bereit, ein Risiko einzugehen, ist er sowieso. Die zirkusreifen Einlagen des 29-Jährigen unter den Körben, die aus dem Mannschaftssport Basketball schon mal eine One-Man-Show machen, sind legendär.
Bryant absolvierte alle Spiele
Doch das Genie unter den Körben hat auch für manche Negativ-Schlagzeile gesorgt. Im Jahr 2003 war es, als Bryant wegen angeblicher Vergewaltigung angeklagt wurde. Nach steilem Aufstieg drohten dem Korbjäger der brutale Absturz und sogar viele Jahre Gefängnis. Die Hotelangestellte Katelyn Faber hatte ihn des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Das Gerichtsverfahren begann am 9. Oktober 2003 und wurde am 1. September 2004 eingestellt, nachdem das vermeintliche Opfer seine belastende Aussage zurückgezogen hatte.
Zwischen 2005 und 2007 war Kobe Bryant schon als bester Korbjäger der lukrativsten Basketball-Serie weltweit ausgezeichnet worden. Als MVP ist er nun Nachfolger des deutschen Superstars Dirk Nowitzki. Der 2,13 Meter große Dallas-Kapitän aus Würzburg bekam von seinen Kritikern die Quittung für das Erstrunden-Aus der "Mavs" und wurde diesmal mit fünf Stimmen nur Elfter. Bryant erhielt 1105 und setzte sich vor Chris Paul von den New Orleans Hornets (889) durch.
Trotz einer Verletzung im Februar spielte Bryant die komplette Saison durch und führte die Lakers nach 82 Vorrundenspielen auf Platz eins der Western Conference. Im Schnitt erzielte er 28,3 Punkte pro Partie. Sein NBA-Korbrekord von 81 Punkten, die er 2006 in einem Match gegen die Toronto Raptors erzielte, blieb bis dato unangetastet. NBA-Commissioner David Stern wollte die Maurice-Podoloff-Trophäe vor dem Heimspiel gegen Utah überreichen.
dpa / Eurosport