Eurosport - Mi 07.Mai. 19:58:00 2008
Rechtzeitig zum Duell mit seinem Ex-Club hat Tobias Rau sein Comeback bei Arminia Bielefeld gegeben. Im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de spricht der frühere Nationalspieler über das Duell mit dem Meister Bayern München, die Gefahren im Abstiegskampf und die Rückkehr zu alter Klasse.
Glückwunsch zum Comeback - wie beurteilen Sie Ihre Leistung nach der langen Verletzungspause?
Tobias Rau: Nachdem ich sieben Wochen verletzt war und nur dreimal mit der Mannschaft trainieren konnte, war ich sehr glücklich, dass ich wieder in der Startelf stand und auch 90 Minuten durchgehalten habe. Am Ende hat noch etwas die Kraft gefehlt, aber da habe ich dann alles aus mir rausgeholt.
Dieser Auftritt hat doch sicher Auftrieb gegeben...
Rau: Natürlich - es ist immer schön, wenn man wieder auf dem Platz steht und spielen kann. Dann sogar von Anfang an dabei zu sein, war überraschend, aber umso schöner. Allerdings muss man auch sagen, dass ich auch davon profitiert habe, dass Markus Schuler gesperrt war.
Wie fit sind Sie denn bereits wieder?
Rau: Nach dem Spiel war ich schon ziemlich geschlaucht und versuche jetzt, bestmöglich zu regenerieren. Noch bin ich nicht wieder ganz erholt, aber bis zum Spiel in München kriege ich das wieder hin. Ob ich dort dann spiele oder nicht, entscheidet der Trainer.
Wie wichtig war der Sieg gegen Bochum im Abstiegskampf?
Rau: Für uns ist jeder Punkt Gold wert. Man muss sich schließlich nur vorstellen, wie die Tabelle aussehen würde, wenn wir verloren hätten! Selbst mit diesen drei Punkten wird es verdammt schwer für uns und wir müssen in jedem Spiel versuchen, so viele Zähler wie möglich zu holen.
Sind Erfolge wie gegen Bochum, wo der Knoten erst spät platzt, der Schlüssel zum Erfolg im Abstiegskampf?
Rau: Ja, ich denke schon. Das war ein typisches Spiel für den Abstiegskampf: Man muss unbedingt gewinnen, macht dann nicht das beste Spiel, kämpft aber ohne Ende und wird dann mit dem Sieg belohnt.
Jetzt geht's gegen die Bayern - zum ideale Zeitpunkt, oder? Die Feiern nach der Meisterschaft dürften den Münchnern noch in den Knochen stecken...
Rau: Mit solchen Gedanken dürfen wir nicht in diese Partie gehen. Die Bayern haben so viele Topspieler, dass sie sicher eine extrem starke Elf auf den Platz bringen werden. Es wird schwer werden in München, keine Frage.
Rechnen Sie sich Chancen auf einen Einsatz aus - ein Auftrit in der Allianz Arena wäre doch sicher ein besonderes Vergnügen für Sie als Ex-Bayern...
Rau: Es wäre natürlich für mich eine tolle Sache, dort zu einem Einsatz gegen die alten Kollegen zu kommen.
Ein Punkt ist auf jeden Fall Pflicht, damit sich die Reise lohnt?
Rau: Ja - wir fahren auf jeden Fall nach München, um dort zu punkten, ganz klar. Ein Punkt wäre ein schönes Ergebnis, aber wir wollen auf jeden Fall das bestmögliche rausholen.
Was ist generell der Schlüssel zum Erfolg im Abstiegskampf?
Rau: Wichtig ist, dass man sich nicht nach einem Erfolg wie zuletzt einlullen lässt. Es gilt unbedingt, absolut konzentriert zu bleiben und nicht beruhigt darauf zu vertrauen, es werde am Ende schon gut ausgehen. Man muss zu 100 Prozent auf den Abstiegskampf konzentriert sein, damit jeder alles gibt, um die Punkte zu holen. Sich auf Teilerfolgen auszuruhen, ist ganz gefährlich.
Wie sieht Ihre persönliche Zielsetzung über die Saison hinaus aus: Wer schon einmal absolutes Top-Niveau hatte, will doch dort auch wieder hin...
Rau: Selbstverständlich! In dieser Saison haben mich so viele Verletzungen immer wieder zurückgeworfen - ich würde mal gerne wissen, wie es gelaufen wäre, wenn ich die ganze Zeit fit gewesen wäre. Ich denke, dass ich mit dieser Saison dann sehr zufrieden gewesen wäre. Natürlich nehme ich mir deshalb vor, im nächsten Jahr wieder richtig anzugreifen - aber das geht einfach nur, wenn man verletzungsfrei bleibt.
Sie sind erst 26 Jahre alt, waren schon einmal fast Stammspieler in der Nationalelf: Motiviert man sich gerade nach Rückschlägen mit diesen Erinnerungen und denkt hin und wieder auch mal daran, dass es ja noch etliche große Turniere in den nächsten Jahren gibt?
Rau: Das ist eine schöne Sache, aber im Augenblick kein realistisches Ziel für mich. Im Moment stecke ich mir kleine Ziele, die gehen eher von Woche zu Woche. Es gilt zuerst einmal wieder, bei Arminia in der Startelf zu stehen und dann dort möglichst gute Ergebnisse zu erreichen.
Das Interview führte Andreas Schulz / Eurosport