Madrid (dpa) - Weniger als einen Monat nach Spaniens 4:1-Sieg über Deutschland im Viertelfinale des Davis Cups erschüttert ein heftiger Streit das spanische Tennis. Das spanische Davis-Cup-Team warf dem Chef ihres Verbandes RFET, Pedro Muñoz, vor, die Tennisspieler «betrogen» zu haben.
Kapitän Emilio Sánchez Vicario und die Profis um Rafael Nadal kündigten einen Boykott des Verbandes an. «Wir werden an keiner repräsentativen Veranstaltung und keinem Werbeakt des RFET mehr teilnehmen, solange Muñoz an der Spitze des Verbandes steht», heißt es in einer Erklärung.
In dem Streit geht es um den Austragungsort für das Davis-Cup-Halbfinale vom 19. bis 21. September gegen die USA. Der Verbandschef hatte den Spielern nach dem Sieg in Bremen zugesagt, dass sie den Austragungsort selbst auswählen dürfen. Davon rückte er nun aber wieder ab. Das Halbfinale werde möglicherweise - gegen den Willen der Spieler - in Madrid stattfinden, kündigte Muñoz an. Bei der Entscheidung seien auch politische und finanzielle Aspekte zu berücksichtigen. Die Stierkampfarena «Las Ventas» verspricht mit 24 000 Plätzen die höchsten Einnahmen.
Die Spieler wollen dagegen in einer Stadt am Meer antreten. Die niedrige Höhenlage verlangsamt das Spiel ein wenig, was die Spanier als einen Vorteil betrachten. Madrid dagegen liegt 650 Meter über dem Meeresspiegel. Das Team warf dem Verbandschef «diktatorische, willkürliche und manipulatorische Methoden» vor. Die gemeinsame Erklärung ist vom Teamkapitän und acht Spielern unterzeichnet, darunter Nadal, David Ferrer und Carlos Moyá.
Muñoz wollte auf die Vorwürfe des Davis-Cup-Teams nicht reagieren. Er betonte jedoch: «Weder der Kapitän noch einer der Spieler hat mit einer Absage gedroht für den Fall, dass das Halbfinale in Madrid stattfindet.» Neben der Hauptstadt bewerben sich Santa Cruz de Tenerife, Gijón und Benidorm um die Austragung. Alle drei Städte liegen am Meer.


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