UEFA Cup - Wieses schwarzer Tag: From hero to zero

Eurosport - Fr 07.Mrz. 14:11:00 2008

War's das schon für Werder? Der katastrophale Auftritt von Tim Wiese in Glasgow könnte die Bremer bereits um alle Chancen gebracht haben. Nach dem 0:2 bei den Rangers braucht Bremen im Rückspiel einen "großen Abend", so Manager Klaus Allofs, um weiter vom UEFA Cup träumen zu können.

FOOTBALL 2007-2008 Werder Bremen Wiese - 0

Thomas Schaaf war der Schock auch eine gute Viertelstunde nach Abpfiff noch deutlich anzumerken. Mit versteinerter Miene analysierte der Trainer des SV Werder Bremen die Geschehnisse im Ibrox Park, bei denen Tim Wiese im Mittelpunkt stand.

Dieses Mal aber nicht als Held wie noch in der letzten Runde des UEFA-Pokals, als er gegen Sporting Braga zwei Elfmeter in einer Halbzeit abwehrte und Werder den Weg ins Achtelfinale ebnete. In Glasgow bot Wiese eine traurige Vorstellung, patzte zweimal fatal und schenkte den kampfstarken, aber insgesamt weit von der europäischen Spitze entfernten Rangers zwei Tore.

"Gibt Tage, da passt nichts zusammen

"Es gibt Tage, da passt nichts zusammen. Es fing gut an, aber auf einmal kriegst du solch ein Flatterding rein", sagte Wiese. "Du darfst keine Fehler machen, aber es passiert immer wieder mal", so der Verlierer des Abends. "Wenn Sie Fußball lieben und Ihnen ein solcher Fehler unterläuft, weiß man, wie man sich fühlt", versuchte Schaaf den emotionalen Zustand seiner Nummer eins zu erklären.

"Er gehört zur Mannschaft und wir haben als Mannschaft verloren", wollte der Coach zumindest öffentlich keine zu deutliche Kritik am Keeper üben. Allofs blies ins gleiche Horn: "Tim hat das Spiel nicht alleine verloren. Er hat sich schon mal Patzer erlaubt und ist gestärkt daraus hervorgegangen." Schmerzhafte Erinnerungen haben die Bremer an Wieses Fauxpas vor zwei Jahren im Champions-League-Spiel bei Juventus Turin, als der Torwart Emerson den Ball kurz vor dem Schlusspfiff vorlegte und Werder nach einem 1:2 ausschied.

Keeper vom Publikum verhöhnt

In Schottland faustete der Bremer Schlussmann unmittelbar vor der Pause einen 25-Meter-Schuss der einzigen Rangers-Spitze Daniel Cousin über sich hinweg ins Tor. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff wehrte Wiese einen weiteren Ball von Cousin in die Mitte ab. Der von Fulham ausgeliehene Steven Davis musste nur noch einschieben.

Tröstlich für die Norddeutschen war einzig die famose Rettungsaktion von Verteidiger Naldo. In der 86. Minute spitzelte der Brasilianer dem für Cousin eingewechselten Lee McCulloch den Ball vor der Torlinie weg; Wiese, der nach seinen Fehlern vom Heimpublikum bei jeder Ballberührung verhöhnt wurde, war schon geschlagen. McCulloch überlegte offenbar schon, wie sein Torjubel ausfallen sollte, und verpasste das 3:0 für die Schotten. "In der Szene konnten wir das ausbügeln, was wir vorher falsch gemacht hatten", meinte Schaaf.

Eine "absolute Topleistung", übersetzt ein weiteres "Wunder von der Weser", fordert der Trainer für das Rückspiel am kommenden Donnerstag (13. März) im Weserstadion. "Die Rangers haben aber gezeigt, dass sie auch auswärts stark sind", warnte Schaaf noch in Glasgow. So siegte der 51-fache (!) schottische Champion in der Vorrunde der Champions League 3:0 bei Olympique Lyon. Dass Bremen verpatzte Hinspiele in internationalen Wettbewerben umzudrehen vermag, haben die Hanseaten in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Das weiß auch der Manager. "Wir werden wieder einen großen Abend fabrizieren müssen", sagte Allofs.

Aus Glasgow berichtet Alexander Marner / Eurosport