Bundesliga - Stanislawski & 1899: ein Missverständnis?
Di 07.Feb. 08:35:00 2012
Sind die Tage von Holger Stanislawski in Hoffenheim gezählt? Der Coach stellt sich in Frage: "Ich sage ganz ehrlich: Ich trage die Verantwortung, und wenn ich nicht in der Lage bin, die Spieler dahin zu bringen, so zu aktivieren, dass die Mannschaft funktioniert, dann liegt das am Trainer."
Von Anja Häberle
Als Stanislawski am 17. Mai 2011 in Hoffenheim offiziell vorgestellt wurde, formulierte 1899-Mäzen Dietmar Hopp klar, was er von seinem neuen Trainer erwartet. "Man merkt ihm an, er ist ein Typ, der Menschen begeistern kann."
Im jüngsten Interview mit der "Rhein-Neckar-Zeitung" wiederholte der Milliardär seine Aussage, schränkte sie jedoch im nächsten Atemzug massiv ein. "Aber es scheint, als ob die Begeisterungsfähigkeit noch nicht ausreichend bei der Mannschaft ankommt."
Mehr Frust, weniger Fans
Und Stanislawski scheint Hopps Einschätzung zu teilen. Nach dem 2:2 (1:1) gegen den FC Augsburg saß der Ex-Pauli-Coach minutenlang ohne Regung auf der Bank. Bei der anschließenden Pressekonferenz konnte man seinen Frust spüren.
"Es lag mit Sicherheit nicht am Wetter, es lag nicht am Platz, nicht an den Zuschauern: Es lag rein an unserer Leistung und für die Leistung bin ich verantwortlich", so Stanislawski.
Fakt ist: Die Hoffenheimer dümpeln im Mittelfeld der Tabelle umher und hinken den Ansprüchen weit hinterher. Bei seiner Vorstellung hatte der Coach noch scherzhaft formuliert: "Deutscher Meister wäre nicht verkehrt." Nun nimmt Stanislawski das Wort "Abstiegskampf" in den Mund.
Doch nicht nur die Erwartungen sinken, sondern auch die Zuschauerzahlen. Das Spiel gegen Augsburg fand vor einer Minuskulisse von 22.500 Zuschauern in der heimischen Rhein-Neckar-Arena statt. Am Hamburger Millerntor-Stadion spielte Stanislawski dagegen mit St. Pauli immer vor vollen Rängen.
"Dann wäre ich nicht Holger Stanislawski"
Fühlt sich Stanislawski im kleinstädtischen Sinsheim im Kraichgau am falschen Platz? Hat der Kämpfer, der mit St. Pauli zwei Aufstiege und einen Abstieg durchlebte, resigniert?
Zumindest gegen Ende der Pressekonferenz zeigte sich der Hoffenheim-Coach gewohnt kampfeslustig. "Es wird keiner von mir hören - oder möchte irgendjemand von mir hören? - dass ich sage, ich stelle jetzt mein Amt zur Verfügung. Definitiv nicht, dann wäre ich nicht Holger Stanislawski."
Immerhin, schon am Mittwoch haben die 1899er die Chance, ein echtes Erfolgserlebnis zu schaffen. Im Pokal geht es im Viertelfinale zuhause gegen Zweitligist Greuther Fürth (ab 19:00 Uhr im Liveticker bei eurosport,.yahoo.de) - vielleicht ja sogar vor ausverkauften Rängen.
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