Bundesliga - FC Bayern Ratlos: Nichts geht mehr
Di 07.Feb. 11:55:00 2012
Was vor kurzem noch gut war, soll jetzt nur noch ausreichend sein? Mit dieser Frage kontert man die Suche nach der Antwort zur aktuellen Formkrise des FC Bayern. Eine Mischung aus Trotz und Ratlosigkeit, schließlich macht man im Vergleich zur Hinrunde doch nicht viel anders. Genau das ist der Punkt.
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Von Michael Wollny
Noch vor zwei Wochen hatte man sich an die vage Hoffnung geklammert, dass sich die Hinrunde ganz von alleine in die Rückrunde kopiert. Eine Niederlage gegen Gladbach, ein mühevoller Sieg gegen Wolfsburg - und dann die eruptive Befreiung gegen den HSV und den Start einer beeindruckenden Siegesserie.
Bis Hamburg währte diese Hoffnung, dann verblasste die Kopie. Ein Schützenfest wie beim 5:0 in der Hinrunde hatte man zwar nicht erwartet. Aber man hatte mehr erwartet als dieses glückliche 1:1 als Konsequenz von spielerischer Ideenlosigkeit und mangelnder Durchschlagskraft.
Die Rückrunde des FC Bayern wird also endgültig zum eigenen Original. Aber warum funktioniert nicht mehr, was noch vor wenigen Wochen zu 19 Punkten aus sieben Spielen geführt hatte? Es hat sich doch kaum was verändert, weder personell, noch taktisch. Und doch liegt genau hier das Problem.
Im starren System erstarrt
Jupp Heynckes hatte die Bayern in der Vorbereitung auf die Saison mit variablem Zonen-Pressing und kollektivem Defensivverhalten in seinem bevorzugten 4-2-3-1 taktisch neu diszipliniert. Doch in München geht diese Disziplin nun auf Kosten von Variabilität und Flexibilität. Zwar argumentiert man, dass in der Vorwärtsbewegung durch die offensiven Außen ein Sturm-Trio entsteht.
Doch wenn Arjen Robben und Franck Ribéry wie zuletzt blass bleiben, sich in Dribblings festlaufen und Mario Gomez nicht mit Flanken und Zuspielen füttern, dann wird auch die einsame Spitze schnell stumpf. Die besten Chancen entstehen bezeichnenderweise aus ruhenden Bällen. Im Spiel doppeln Bayerns Gegner auf den Flügeln, pressen effektiv mit hoher Laufbereitschaft im Zentrum gegen Kreativspieler wie Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger - und Thomas Müller nimmt sich mit seiner anhaltenden Formkrise nicht selten selbst aus dem Spiel.
Bayerns luxuriöse Offensive ist für die Gegner sehr berechenbar geworden. Es fehlt das Überraschungsmoment. Von einer dünnen Bank ist das nicht zwingend zu erwarten. Die Bayern müssten sich also aus ihrem starren Korsett lösen, so wie es beispielsweise Thomas Tuchel bei Mainz 05 praktiziert.
Wieso keine Doppelspitze?
Wenn Tuchel ein 4-3-1-2 als Basis für seine raffinierten Rochaden auf die Flipchart zeichnet, verschafft er seinem Team damit im Spiel höchste taktische Flexibilität. In München könnte Heynckes mit Ivica Olic und Mario Gomez eine Doppelspitze stellen und gewänne allein schon durch diese unterschiedlichen Stürmer-Typen positionsbezogene Variabilität.
Ribéry und Robben auf den Außen sowie Kroos im Zentrum und Schweinsteiger aus dem Rückraum hätten weitaus mehr Handlungsoptionen aus Anspielmöglichkeiten und eigenem Abschluss. Und da Olic wie auch Gomez defensiv gut arbeiten und früh pressen, könnte Bayern noch höher verteidigen und im Mittelfeld schnell Überzahlsituationen schaffen, wodurch die Auflösung der Doppelsechs kompensiert werden könnte.
Mit Thomas Müller, David Alaba, Anatoli Timoschtschuk und Nils Petersen hätte Heynckes weiterhin die Option zur Rotation, die entgegen der Aussage des Trainers in der Sommervorbereitung bei den Bayern seit Wochen ohnehin stillgelegt zu sein scheint. Eine Verpflichtung von Xherdan Shaqiri würde den kreativen Handlungsspielraum in der Offensive mit unbestreitbarer Qualität zusätzlich erweitern.
Allerdings bleibt weiterhin die alte Frage, wann die Bayern sich auch defensiv nach hochwertigen Optionen umsehen. Ausfälle in der Viererkette sind für die Münchner kaum über den Status einer Notlösung hinaus aufzufangen.
Und zweifellos wäre die Umstellung auf ein 4-3-1-2 sehr offensiv. Aber schließlich ist Angriff ja auch weiterhin ein bewährtes Mittel der Verteidigung.
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