Eurosport - Mi 07.Jan. 15:41:00 2009
Gernot Bauer ist bei der Dakar 2009 in Argentinien und Chile als Reporter unterwegs und wirft für eurosport.yahoo.de regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen.
Ich hätte jetzt auch nachschauen können in den Statistiken. Aber ich hab es nicht getan. Fest steht jedenfalls, dass noch kein US-Amerikaner die Dakar im Auto gewonnen hat. Und der Mann, der gleichzeitig einer der meist besuchtesten, bewundersten und auch gehasstesten ist, steht jetzt neben mir. Robby Gordon. Er will der erste US-Bürger sein, der die härteste Rallye der Welt gewinnt.
Dafür tut der NASCAR-Star einiges. Nach einem Jahr bei VW, in dem er einen fürchterlichen Unfall hatte, war ihm diese Rallye ans Herz gewachsen. Die Körpersprache, die funkelnden Augen, der stets wandernde Blick - Robby ist immer in Bewegung. Immer fokussiert auf das eine Ziel - den Sieg bei der Dakar.
Dompteur im Löwen-Käfig
Sein Team ist vom Äußerlichen her die Punkrock-Truppe des Biwaks. Alles ist eine Nummer größer, lauter, schriller als bei anderen. Auf seine eigene Art hierarchisch und streng organisiert, ist Robby der Dompteur im Löwen-Käfig seines Teams. Jedes Teil hat er sich selbst angeschaut, jede angezogene Schraube prüft er nach. Wenn ich abends durch das Biwak streife, dann treffe ich ihn oft - bei VW, Mitsubishi aber auch bei Motorrädern und den LKWs.
Robby Gordon ist überall. Ein Tausendsassa. Selten langweilig, manchmal genervt, oft auf Trab. Der Mann weiß, was er will. Er kann Dir mitten im Interview noch einen Korb geben, vor laufender Kamera. Anderseits setzt er sich zu Dir abends an den Tisch und will wissen, wie es sich denn so in Frankreich lebt (wo ich zuhause bin).
Er schwankt zwischen PR und echtem Interesse, wechselt die Rennserien und Autos wie das Thema beim Schlangestehen im Kantinenzelt. Zwischen den Star-Allüren, die manchmal durchscheinen, und der Bodenständigkeit auf der andere Seite tritt vor allen Dingen sein technisches Interesse zu Tage.
Überschlag ohne Folgen
Robby kriecht eher durch das Biwak, da er mehr unter den Autos als in ihnen gesehen wird. Der Mann will alles. Jetzt. Gleich. Dabei übertreibt er es manchmal ein wenig. Auf Etappe 4 wollte er endlich angreifen und schlug dabei mit über 100km/h in einen Graben ein, in dem zwei VW-Busse locker nebeneinander reingepasst hätten. Nach einem glatten Überschlag kam er wieder auf die Rädern und fuhr einfach weiter.
Einige reiben sich auch an ihm. So machte er sich keine Freunde, als er nach einer Etappe, bei der seiner Ansicht nach von Guerlain Chicherit etwas geblockt wurde, im Ziel mal kurz gegen das Heck des BMWs krachte, aus dem Fenster schaute und sagte "sorry, mate, got no more breaks" - er habe nur noch wenig Bremskraft. Chicherits Wagen wurde durch den heftigen Stoß auf den vor ihm stehenden Mitsubishi Alphand's aufgeschoben.
Halbe Sachen gibt es bei ihm nicht. Auch das hätte ich nicht nachschauen müssen: Auf seinem Lenkrad ist ein Aufkleber mit "Most important in racing is speeeeed!!!"
Rolling Robby eben!
Kommentare 1 - 1 of 1
Hallo Gernot,
wieso ist Ludivine Puy denn garnicht dabei ? Ist sie nicht die schnellste Offroad-Bikerin ?
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