"Larifari-Gekicke" gefällt nur Fortuna

Eurosport - Fr 06.Nov. 08:28:00 2009

Es dauerte ganze 80 Minuten, bis Werder Bremen gegen Austria Wien in die Erfolgsspur fand. Der glückliche 2:0-Sieg zum vorzeitigen Einzug in die K.o.-Runde der Europa League gab jedoch keinen Anlass zur Euphorie. Zu deutlich hatte Werder schließlich seine Schwächen offenbart.

FOOTBALL bremen austria wien borowski 2009 2010 - 0

Auch eine Viertelstunde nach Mitternacht lief bei Werder Bremen nicht viel. Namentlich bei Tim Borowski und Marko Marin, die bei der obligatorischen Dopingkontrolle unfreiwillig in eine mühselige Verlängerung mussten. Literweise Wasser und Kaffee sorgten nicht für den gewünschten Erfolg, während im Weserstadion bereits die Lichter abgeschaltet wurden.

Um Gegentore gebettelt

Nicht viel hätte gefehlt, und die Lichter wären auch während des Spiels bereits ausgegangen. Allerdings im übertragenen Sinne, denn bei Werder Bremen lief eben nicht viel. Was die Mannschaft von Thomas Schaaf da auf dem Rasen vollführte, erinnerte nicht im Geringsten an jenen beeindruckend kontrollierten Defensivstil, aufgrund dessen die Werderaner vor nunmehr drei Monaten ihr letztes Spiel verloren.

Die bemerkenswerte Serie sollte aber auch in der Partie gegen Austria Wien nicht reißen, obwohl die Bremer doch phasenweise geradezu um Gegentore bettelten. "Brenzlig", sei es leider immer mal wieder geworden und "geschludert" hätten sie, merkte auch Interimskapitän Per Mertesacker an.

Schluss mit "Larifari-Gekicke"

Kein Wunder, dass Werders Torhüter Tim Wiese später meckerte: "Dieses Larifari-Gekicke muss jetzt endlich ein Ende haben." Mehrmals hatte Wiese den Rückstand nur knapp vereiteln können, die Gäste aus Österreich hätten in der ersten Halbzeit einen Treffer verdient gehabt und mussten sich auch noch über einen nicht gegebenen Strafstoß grämen. Clemens Fritz hatte Marin Leovac deutlich am Fuß getroffen, wie die TV-Bilder belegten.

Ein wenig pomadig spielten die Bremer, ohne den zwingenden Biss, ohne überraschende Aktionen. "Es war kein Abend für Künstler und Ästheten", befand Sportdirektor Klaus Allofs kritisch: "Wir haben wenig Gutes heute gesehen." Dabei hatte vor allem Schaaf gehofft und vehement gefordert, dass aus dem schlafmützigen Start zuletzt gegen Nürnberg und der verschlafenen zweiten Halbzeit im Hinspiel gegen Wien die richtigen Lehren gezogen wurden.

Doch dass die Bremer einmal mehr erst in der Schlussphase erwachten und innerhalb von drei Minuten die Partie zum 2:0 drehten, sah Schaaf zumindest insofern positiv: "Wenigstens haben sie den Willen gezeigt, das Spiel umzubiegen." Willig hatte auch Mertesacker seine Kollegen eingeschätzt, allein die Belastung durch die drei Wettbewerbe zeige nun Wirkung:

"Man merkt, dass die Mannschaft will, aber schon am Limit fährt. Wir waren am Ende doch ziemlich kaputt, stellte der Abwehrchef fest und forderte: "Wir müssen trotzdem über unsere Leistungsgrenze hinausgehen." Das fiel aber besonders jenen Spielern schwer, die die Verantwortung auf dem Platz tragen sollten. Aaron Hunt, zuletzt als herausragender Akteur gefeiert, blieb zunächst im Sturm blass und auch später unter seinen Möglichkeiten. Mesut Özil agierte ebenfalls glücklos, wie auch Routinier Tim Borowski, der zwar das 1:0 erzielte, jedoch einen insgesamt dürftigen Auftritt lieferte.

Pizarro ist unersetzlich

Die eingewechselten Hugo Almeida und Daniel Jensen spielten passabel, weit mehr konnte nach deren mehrmonatiger Verletzungspause auch nicht erwartet werden. Dennoch standen an diesem Abend besonders jene im Fokus, die gar nicht da waren: Kapitän Torsten Frings konnte von Peter Niemeyer als Antreiber und Sicherung vor der Abwehr in keiner Weise ersetzt werden.

Und wie Werder in dieser Saison ohne den quirligen Peruaner Claudio Pizarro dastünde, davon bekam man gegen Austria Wien eine wenig schmackhafte Kostprobe. "Claudio hat bisher die entscheidenden Tore gemacht", sagte Mertesacker. Allein in der Europa League waren es sechs Stück in fünf Spielen. "Er ist ein einzigartiger Spieler, wir können Claudio nicht ersetzen. Das soll aber keine Entschuldigung sein. Jeder Spieler ist jetzt gefordert."

Fortuna trägt die Werder-Raute

Ein zähes Spiel, eines, das die Bremer mit etwas Pech durchaus hätten verlieren können. "Normalerweise verlierst du so ein Ding", wusste auch Wiese, "aber bei unserem Glück momentan passiert das einfach nicht." Und so zogen die Hanseaten eben vorzeitig in die K.o.-Runde der Europa League ein und wollen sich in den verbleibenden zwei Gruppenspielen noch Rang eins sichern.

Dabei, wie auch bei den nächsten Aufgaben in der Liga, will Klaus Allofs zumindest nicht mehr nur auf das Wohlwollen Fortunas vertrauen: "Wir sollten uns künftig lieber wieder auf unser Können verlassen." Doch auf etwas Glück müssen die Bremer trotzdem hoffen, damit Pizarro bis zum Spiel am Sonntag gegen Dortmund wieder fit ist. Denn ohne ihn läuft nicht viel bei Werder, so viel steht fest. Auch abseits von Dopingkontrollen.

TV-Tipp:

Die letzten Tickets für Südafrika werden vergeben und Eurosport ist live dabei! Das Relegations-Hinspiel Irland gegen Frankreich live und exklusiv am Samstag, 14. November 2009, um 21:00 Uhr auf Eurosport und im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de!!

Aus Bremen berichtet Petra Philippsen / Eurosport

Kommentare 1 - 13 of 13

Kommentare sortieren: Aktualität | Meist bewertet
  1. auuuuaaaaa klaus (10)

    aussies ? vielleicht noch­ känguruhs ? das tut weh ... bleib bei Ösis , wenn schon­ !

    *zwinkert*

    Von Brigitte-Maria, am Fr 6.Nov. 12:11
  2. 2 Tore, 3 Punkte, die Qualifikation für die nächste­ Runde (fast) geschafft - die nächste Runde der­ Prämienzahlung auch. Damit ist finanzieller Spielraum­ für die nächste Saison da.
    Ich verstehe das Problem­ nicht. Die meisten werden froh sein, dass die den Kick­ in der Allianzarena nicht sehen durften.
    Apropos­ Bayern: Warum soll Werder sich aus der LostFound -­ Abteilung nicht den Bayerndusel holen - wenn der den­ Bayern den im Moment auch nicht weiterhilft. Darüber­ hat sich die letzten gefühlten 100 Jahre doch auch­ keiner aufgeregt, im Gegenteil, der FCB hat ihn als­ Teil seiner Spiel(sub)kultur gepflegt.
    Dann soll es­ jetzt Werder Bremen recht sein.
    Viel Glück im Finale­ 2010!!

    Von sailing505, am Fr 6.Nov. 11:57
  3. War zwar nicht schön gespielt aber doch erfolgreich.­ Also abwischen und weiter im Programm !!!!

    Von Mo, am Fr 6.Nov. 11:32
  4. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    Den Schiedsrichter und seine Gehilfen sollten sich­ Köln,Bochum uns die anderen Kellerkinder mal­ "ausleihen". Wenn`s ginge ständen sie in der­ Liga im guten Mittelfeld.
    Bremen klares Abseitstor­ geschenkt. Den Aussies klaren Elfmeter gestohlen.­ Bremen grottenschlecht und das noch zuhause.Fritz kräht­ schon wieder nach der Nationalmannsch.
    Es ist nicht zu­ fassen. Ich bin ein neutraler Privatbeobachter und­ nicht gegen Bremen.
    Aber so etwas,da kann einen der­ Trainer leid tun.Hertha hat sich weigsten den A..­ aufgerissen und durch Kampf gewonnen.

    Von klaus, am Fr 6.Nov. 10:45
  5. Was soll's. Bremen ist doch weiter, also kein Grund­ für Kritik

    Von Michael, am Fr 6.Nov. 10:18
  6. Liebe Bremer ...

    ich verstehe nicht warum ihr euch so­ aufregt wenn man sagt (was stimmt) das bremen von­ spielern abhängig ist. Das ist doch in jeder Mannschaft­ so. Ihr habt doch auch bayerns gegurke ohne robbery­ gesehen. oder wie gut spielt gerade real ohne CR9???­ Rom ohne Totti?? Jede Mannschaft ist von ihren­ spitzenspielern abhängig auch wenn fussball ein­ teamsport ist.

    Liebe grüße von einem Juve Fan der Del­ Piero, Iaquinta und Sissoko schmerzlich vermisst :-)

    Von Giovanni T, am Fr 6.Nov. 10:15
  7. Jede gute Mannschaft hat eben mal schlechte Seiten.­ Außerdem verstehe ich nicht warum Tim Wiese immer so­ gelobt wird. Ok, er ist superklasse im Moment, aber es­ ist sein Job auch solche Bälle zu halten!! Und­ außerdem, gewonnen ist gewonnen. In diesem Sinne:­ Lebenslang Grünweiß!!!!!!!!

    Von Sylvia, am Fr 6.Nov. 9:47
  8. ups .... sorry , dachte net das nr.3 durchgekommen is

    Von Brigitte-Maria, am Fr 6.Nov. 9:38
  9. als bekennender Rapid_wien fan .. die auch dem­ "erbfeind austria" zumindest
    international­ die Daumen drückt .. war ich irgebndwie begeistert ,­ von dem
    Einsatz - und Kampfgeist der Austria .
    ­ Elfmeter ... ok 1:0 für die Austria .. allerdings denke­ ich dann wäre Bremen viel
    früher aufgewacht und wir­ hätten ein besseres Match gesehen .

    Sie spielen ja­ doch eine bis zwei Klassen besser , (wenn sie wollen )­ die lieben
    Freunde aus old Germany ;-)

    mlg

    Von Brigitte-Maria, am Fr 6.Nov. 9:37
  10. Wenn Werder verliert ist es den Journalisten nicht­ recht...! Gewinnt die Mannschaft ein Spiel eher­ glücklich (bzw. durch einen starken Tim Wiese), dann­ ist es immer noch nicht recht. Erst wird der HUNT so­ hoch gelobt und dann ist PIZARRO auf einmal völlig­ unersätzlich, sprich: Er ist der einzig wahre Stürmer­ bei Werder???

    Die Meinung von Eurosport ist so­ unbeständig wie das Wetter... ;)

    Von Gewinnwurst, am Fr 6.Nov. 9:28
  11. als bekennende Rapid-wien fan , (die international auch­ den "erbfeinden" die Daumen
    drückt) .. muß­ ich zugeben , das mir einsatz und kampfgeist der­ Austria gefallen hat.

    Allerdings im Vergleich hat­ man doch gesehen , das die Germanen eine Klasse besser
    ­ waren .. Denke wenn !! wenn der schiedsrichter den­ elfer gegeben hätte und Autstria
    1:0 in führung­ gegangen wären .. so wäre Bremen viel früher aufgewacht­ und hätten
    diese Partie überzeugender gewonnen ...

    ­ mlg

    Von Brigitte-Maria, am Fr 6.Nov. 9:27
  12. Ich durfte live dabei sein ! Werder leistete sich­ gestern Abend wirklich eine peinliche Vorstellung.­ Immer wieder zieht bei den Bremern, von Spiel zu Spiel­ unterschiedlich, der Schlendrian ein. Das beherrschen­ die GrünWeißen bis zur Perfektion. Lässigkeit gepaart­ mit Arroganz und natürlich auch fachlichem Unvermögen.­ Stockfehler vermischen sich mit strategischen Schwächen­ und der Faulheit einzelner Spieler. So machte Werder­ gestern auch wieder einmal seinen Gegner die Wiener­ Austria stark, obwohl dieses Team selber auch nicht­ viel kann. In der Bundesliga wäre diese Truppe­ womöglich nur im unteren Drittel der Tabelle wieder zu­ finden.
    Werder braucht starke Gegner, wie in der CL in­ den jahren zuvor gegen Barcelona, Madrid, Valencia,­ Mailand oder auch wie gegen Juve aus Turin. Dann machen­ die Bremer ihre besten Spiele. Aber sonst? Wer bitte­ schön ist denn Austria Wien oder Athletico Bilbao und­ wo liegt Funchal?
    Mit dieser­ "Larifari-Einstellung" muß Thomas Schaaf und­ Klaus Allofs schnellstens aufräumen in der Mannschaft­ von Werder. In den Köpfen der Spieler hat sich­ allerdings dieser Schlendrian schon längst­ eingenistet...! Es wird also schwer für die­ Verantwortlichen bei Werder Bremen den gesteckten­ Zielen gerecht zu werden. National und International­ kann Werder viel mehr als das gestern gezeigte­ peinliche Fußballgekicke...!

    Von PEGO, am Fr 6.Nov. 9:25
  13. ok, der motor stottert und läuft nicht rund. aber er­ läuft und drei punkte sind drei punkte. vielleicht ist­ es ja das glück des tüchtigen? jetzt drei points gegen­ dortmund und oben dran bleiben. nur da muss ein bischen­ mehr kommen als gestern. ausser einigen wenigen war es­ einfach zu wenig was da kam. schlimm wenn man auch hier­ den erfolg nur an einen, zwei oder drei spielern (özil,­ wiese, pizza) festmachen kann. und danach siehts fast­ aus.die abwehr steht zwar aber der sturm gibt dann doch­ manchmal zu denken.

    Von Wolfgang, am Fr 6.Nov. 9:24
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