Kind: «Ein Red Bull 96 soll es nicht geben»

Fr 06.Nov. 11:59:58 2009

Hannover (dpa) - Martin Kind, Vorstandsvorsitzender von Hannover 96, fordert vehement die Abschaffung der 50+1-Regel im deutschen Profi-Fußball. Die Vorschrift verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Club-Anteile erwerben können.

Ausnahmen gibt es bei Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim. Diese Möglichkeiten sollte jeder Verein haben, sagt Kind. Mit einer Satzungsänderung will der Unternehmer die 50+1-Regel der DFL auf der Ligaversammlung am 10. November kippen. Notwendig ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Die Chancen, dass der Antrag durchkommt, sind gering, wie der 65 Jahre alte Clubchef im Interview mit der Deutschen Presse Agentur dpa einräumte.

Warum stellen Sie einen Antrag, von dem Sie glauben, dass er abgelehnt wird ?

Kind: «Wir hatten ein anderes Modell vorgeschlagen, das aber bei der DFL nicht auf Gegenliebe stieß. Deshalb muss ich jetzt den Antrag stellen. Es ist aber nicht möglich, die notwendige Mehrheit zu erreichen. Unter den 36 Profi-Clubs gibt es viele, die ihre Fußball- Abteilung nicht wie Hannover 96 ausgegliedert haben. Diese Vereine können nicht gegen ihre Interessen abstimmen. Denen kann ich auch nicht böse sein.»

Was müsste ein Konsensmodell auf jeden Fall beinhalten, damit Sie bei einem Scheitern des Antrags nicht wie angekündigt vor den Europäischen Gerichtshof ziehen ?

Kind: «Da gibt es verschiedene Optionen, ich könnte 30 oder 40 Punkte anführen. Es geht um Haltefristen für die Anteile, die Investoren erwerben, aber auch um Traditionsmarken im Fußball. Die müssen weiterhin bestehen bleiben, auch wenn ein Investor die Mehrheit übernimmt. Ein Red Bull 96 soll es nicht geben.»

Geht es für Sie um die Chancengleichheit innerhalb der Bundesliga oder soll mit dem Wegfall der 50+1-Regel die Chancengleichheit der Bundesliga mit anderen europäischen Ligen verbessert werden?

Kind: «Für uns steht die Wettbewerbsfähigkeit von Hannover 96 in der Bundesliga im Mittelpunkt. Wir möchten zumindest die Chance haben, unsere Kapitalkraft zu vergrößeren. Das bleibt ja jedem Club freigestellt, ob er da mitmacht. In einem zweiten Schritt würde die Bundesliga auch gegenüber anderen Ligen aufholen. Das dürfte der Grund sein, weshalb große Vereine wie Bayern München oder Bayer Leverkusen unserem Antrag wohlwollen gegenüberstehen.»

Interview: Peter Hübner, dpa

 

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