EM-Premiere ohne Riesch und Co. - Politik-Gezerre

Fr 06.Nov. 10:54:37 2009

Amnéville (dpa) - Eigentlich wäre Maria Riesch Top- Favoritin auf den ersten EM-Titel der alpinen Ski-Geschichte, aber wie zahlreiche Stars tritt die Slalom-Weltmeisterin gar nicht erst an.

Auch Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl, Slalom-Ass Felix Neureuther oder der norwegische Gesamtweltcup-Sieger Aksel Lund Svindal bleiben der ersten Ski-Europameisterschaft fern. Grund für den Start-Verzicht sind nicht Verletzungen oder verpasste Qualifikationsnormen, sondern die sportpolitische Brisanz der Hallen-Veranstaltung im französischen Amnéville.

Denn während der neue Europäische Skiverband ESF die EM gegen den Willen des Weltverbandes FIS als skihistorisches Ereignis zu vermarkten versucht, sehen Kritiker in dem K.o.-Slalom vorerst ein Muster ohne Wert. «Ich halte einen 30-Sekunden-Slalom in der Halle nicht für den großen Sport. 10 000 Euro Siegprämie sind nett, aber eine richtige EM müsste draußen sein, als Gegenstück zur WM», lästerte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der in Riesch die derzeit beste Slalom-Fahrerin der Welt in seinem Team weiß.

Dennoch hat der Deutsche Skiverband (DSV) wie auch Schweden, Finnen, Norweger und andere keine Athleten zu der Medaillen-Show auf der 436 Meter langen, relativ flachen Kunstschnee-Piste entsandt. Erwartet werden rund 80 Teilnehmer aus nur 13 Nationen, allein 18 aus Österreich. Olympiasieger Benjamin Raich fehlt, mit Weltmeister Manfred Pranger und Ex-Weltmeister Mario Matt ist Österreich dennoch prominent vertreten. Gemeldet haben aber auch zahlreiche «Exoten». «Eine EM ohne acht der zwölf führenden Länder, hat keinen Stellenwert», sagte Maier. Auch gebe es keine Weltcup-Punkte.

Der Hintergrund: Im Mai gründete sich die ESF, der bisher allerdings nur Österreich, die Schweiz, Frankreich und Italien angehören, Chef ist der österreichische Verbandschef Peter Schröcksnagel. Dennoch inszeniert sich die EFS auf ihrer Homepage als «Wächterin des europäischen Skisports» und nennt sich «einheitliche Stimme Europas, die im Interesse des europäischen Skisports handelt». Die EM ist ihr erstes großes Projekt. Skeptiker betrachten den Vorstoß vielmehr als wenig solidarischen Versuch der «großen Vier», ureigene wirtschaftliche Ziele mit mehr Nachdruck zu verfolgen.

Der Internationale Skiverband FIS reagierte verschnupft. «Gemäß unserer Statuten sind kontinentale Verbände nicht akzeptiert, nur die einzelnen Nationen sind Mitglied der FIS», sagte FIS-Präsident Gian Franco Kasper in Sölden. Mit Blick auf die EM setzte der Schweizer sogar auf sportpolitisches Säbelrasseln und drohte mit möglichen Sanktionen für EM-Teilnehmer. Konsequenzen für Sportler scheinen aber mittlerweile vom Tisch. Ob teilnehmende Verbände in irgendeiner Form sanktioniert werden sollen, will die FIS Mitte November entscheiden.

Der DSV wartet angesichts der Machtprobe ab. «Wenn die EFS ein vernünftiges Konzept schafft, wie die UEFA im Fußball, sind wir die Letzten, die sich dagegen sperren», sagte Maier. «Aber wir lassen uns nicht zwischen unterschiedlichen sportpolitischen Interessen aufreiben.»

 

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