50+1-Regel: Kind-Antrag mit wenig Chancen

Fr 06.Nov. 13:02:00 2009

Hannover (dpa) - Im Kampf um die Abschaffung der «50+1-Regel» im deutschen Fußball macht Martin Kind Nägel mit Köpfen. Schon seit Jahren kämpft der Vorstandsvorsitzende von Hannover 96 gegen die Vorschrift, die verhindern soll, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Club-Anteile erwerben können.

Nun will Kind mit einer Satzungsänderung die 50+1-Regel kippen. Die DFL-Ligaversammlung muss am 10. November in Frankfurt am Main über den Antrag des 96-Clubchefs entscheiden. Notwendig ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Die Chancen, dass sein Antrag durchkommt, beurteilte Kind eher skeptisch. «Es ist aber nicht möglich, die notwendige Mehrheit zu erreichen. Unter den 36 Profi-Clubs gibt es viele, die ihre Fußball- Abteilung nicht wie Hannover 96 ausgegliedert haben. Diese Vereine können nicht gegen ihre Interessen abstimmen. Denen kann ich auch nicht böse sein», sagte der 65 Jahre alte Unternehmer im Interview mit der Deutschen Presse Agentur dpa.

Kind rechnet mit einem langwierigen Verfahren. Er hofft auf ein Konsensmodell, schließt aber den Gang vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) nicht aus. Dies hätte nach seiner Ansicht sowohl für die Deutsche Fußball Liga (DFL), den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und für die Vereine negative Folgen. «Nach meiner Einschätzung würden wir den Prozess vor einem öffentlichen Gericht gewinnen. Aber am Ende gäbe es nur Verlierer», sagte der Geschäftsmann.

Eine völlige Öffnung der Bundesliga für finanzstarke Investoren ohne jegliche Einschränkung lehnt auch Kind ab. «Die Traditionsmarken im Fußball müssen weiterhin bestehen bleiben, auch wenn ein Investor die Mehrheit übernimmt. Ein Red Bull 96 soll es nicht geben», sagte der 96-Chef. Ihm geht es darum, die Wettbewerbsfähigkeit von Hannover 96 in der Bundesliga zu verbessern: «Wir möchten zumindest die Chance haben, unsere Kapitalkraft zu vergrößeren.»

In anderen Ligen, zum Beispiel in England, gibt es keine 50+1-Regel. Auch in der Bundesliga wird sie nicht konsequent umgesetzt. Ausnahmen sind die Werksclubs VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen sowie 1899 Hoffenheim mit dem Mäzen Dietmar Hopp.

 

Kommentare 1 - 2 of 2

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  1. Wenn Herr Kind meint, es gäbe bei einem Prozeß nur­ Verlierer, dann soll er doch mit dem Unsinn aufhören.­ Wer würde denn schon bei Hannover einsteigen? Da gäbe­ es wohl andere Klubs, die für "Investoren"­ interessanter wären.

    Von harry_on_the_net, am Fr 6.Nov. 14:24
  2. Leider besteht hier die Gefahr das irgendwelche reichen­ Russen oder Scheichs sich in der Bundesliga ein­ Spielzeug gönnen Könnten. Das könnte zwar kurzfristi­ Erfolg bringen, macht die Clubs aber Handlungsunfähig­ wenn das Kapital von Heute auf Morgen abgezogen würde­ !!! Mit unserem Lizensierungsverfahren könnte das­ bedeuten dass einige Traditionsvereine in die­ Regionalliga strafversetzt werden müßten. Will einer­ Schalke, Köln, Gladbach, Hertha oder Nürnberg gegen­ Babelsberg oder Erkenschwick in der Regionalliga­ spielen sehen ???

    Von dreyerdetlef, am Fr 6.Nov. 13:17
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