Olympische Spiele - Korea hat die Spiele, München den Frust
Mi 06.Jul. 18:38:00 2011
Die Entscheidung ist gefallen: Die Olympischen Winterspiele 2018 finden im südkoreanischen Pyeongchang statt. Der asiatische Bewerber setzte sich mit 63 von 95 möglichen Stimmen schon im ersten Wahl-Durchgang in Südafrika gegen die europäischen Konkurrenten München (25) und Annecy (7) durch.
"Liebe Kollegen, Sie haben den Gastgeber gewählt", verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge in Durban nach dem ersten Wahlgang. Für einen Sieg im ersten Durchgang musste ein Kandidat die absolute Mehrheit von mindestens 48 Stimmen erreichen. Das war im Vorfeld des Votums selbst von den Vertretern der Münchner Bewerbungsgesellschaft eigentlich nur Pyeongchang zugetraut worden.
Traum vom "Wintermärchen" geplatzt
Die Niederlage Münchens hat derweil auch eine historische Komponente. 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 wollte die bayerische Metropole als erste Stadt der Welt das "Olympia-Double" schaffen. Doch um 17:18 Uhr verkündete Rogge den Sieger: Pyeongchang. In der erleichterten südkoreanischen Delegation brandete Jubel auf - nicht nur Münchens Vorzeigefigur Katarina Witt verlor dagegen ihr Dauerlächeln im Moment der großen Enttäuschung. 44 Monate Kampf um ein "bayerisches Wintermärchen" blieben ohne Happy-End.
"Eine sehr enttäuschende Niederlage. Entscheidend war offenbar, dass Pyeongchang bereits zum dritten Mal angetreten ist. Ob wir uns noch einmal bewerben, werden wir in aller Ruhe entscheiden", erklärte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. "Ich kann mich nicht mit den Südkoreanern freuen. Vielleicht ist es ein Zeichen der Zeit, dass man die Tradition ablegt und lieber Neuland betritt", ärgerte sich die ehemalige Weitsprung-Olympiasiegerin Heide Rosendahl. "Ich bin enttäuscht, aber ich bin stolz auf das, was wir geleistet haben. Wir hatten eine brillante Bewerbung. Unsere starke Präsentation hat vermutlich null Ausschlag gegeben", so der Münchner Bewerbungs-Chef Bernhard Schwank.
Trotz einer überzeugenden Kampagne und eines kräftigen Endspurts in Durban mit Bundespräsident Christian Wulff und Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer kam München nicht auf genug Stimmen. Damit reichte es im millionenschweren Dreikampf ebenso wenig zum Sieg wie für das französische Annecy. Münchens Niederlage war Deutschlands vierte nacheinander im Kampf um Olympische Spiele. Zuvor waren Berchtesgaden (1992/Winter), Berlin (Sommer/2000) und Leipzig für die Sommerspiele 2012 sogar in der Vorausscheidung gescheitert.
Neue Kandidatur? München wartet ab
Nach der deutlichen Niederlage will München eine erneute Kandidatur für 2022 nicht überstürzen. "Das werden wir jetzt nicht entscheiden", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach. "Wir werden in Ruhe drüber nachdenken, wie dieses Ergebnis zu deuten ist. Wir werden das sorgfältig analysieren und dann zu einer Entscheidung kommen. Es bleibt genügend Zeit, das zu überlegen", sagte Bach.
Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) warnte nach dem "enttäuschenden Ergebnis" vor übereilten Entschlüssen oder Forderungen. "Da sollte jetzt keiner vorlaute Töne von sich geben. Da sollte man mal abwarten, wie die Willensbildung ist, wenn man die Dinge überschlafen hat", erklärte Ude.
Pyeongchang macht's im dritten Anlauf
Sieger Pyeongchang hatte sich bereits um die Winterspiele 2010 und 2014 zweimal vergeblich beworben und sind nun bereit für die Ausrichtung 2018. Die Infrastruktur für den Wintersport in dem etwa 180 Kilometer östlich von Seoul gelegenen Gebiet um die Kleinstadt Pyeongchang und den gleichnamigen Kreis wurde in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut. Die Vision der Südkoreaner: Das abgelegene Gebiet soll zu einem Mekka des Wintersports in Asien werden. Die Ausrichtung der übernächsten Winterspiele nach Sotschi (2014) könnte als Schrittmacher dienen, dieses Ziel zu erreichen.
Der Kreis Pyeongchang hat sich nicht nur zu einem beliebten Wintersportgebiet für die Südkoreaner entwickelt. Immer mehr Schneebegeisterte aus Südostasien finden bereits den Weg in die Region. Der Tourismusaspekt wurde bei der Bewerbung besonders groß geschrieben. Pyeongchang mit seinen 47.000 Einwohnern liegt 700 Meter über dem Meeresspiegel in der Provinz Kangwon, die im Osten an das Japanische Meer (Ostmeer) grenzt. Die höchste Erhebung in dem Skigebiet um Pyeongchang beträgt 1458 Meter.
Koreas Regierung mit Milliarden-Budget
Die 5000-Seelen-Gemeinde Pyeongchang selbst wirkt verschlafen, im Sommer verirren sich kaum Gäste in den Ort. Im Kreis Pyeongchang entstand 1975 auch das erste Wintersportgebiet in Südkorea. "Skifahren ist bis zu fünf Monate im Jahr möglich", versprach das Bewerbungskomitee. Wie schon die vorigen Anläufe wurde die dritte und erfolgreiche Bewerbung Pyeongchangs von der Regierung aktiv gefördert. Mit einem zusätzlichen Milliarden-Budget will sie unter anderem das Straßen- und Schienennetz zwischen der Hauptstadt Seoul und der mit etwa einer Million Einwohnern dünn besiedelten Region im östlichen Teil des Taebaek-Gebirges ausbauen.
Auf einer Fläche von knapp fünf Quadratkilometern steht in Pyeongchang bereits eine gewaltige Freizeit- und Sportanlage, die das Kernstück für die Winterolympiade in sieben Jahren sein wird. Im Dorf "Alpensia" sollen auch das IOC-Hauptquartier und das Olympia-Medienzentrum eingerichtet werden.
"Pyeongchang eine nationale Priorität"
"Pyeongchang 2018 ist eine nationale Priorität der koreanischen Regierung - und das schon seit zehn Jahren", hatte Staatspräsident Lee Myung-Bak betont. Unter dem Motto "Neue Horizonte" sollen die Spiele in Fernost vom 9. bis 25. Februar 2018 ausgetragen werden. Hinter der Bewerbung stehen finanzstarke Konzerne und die Politik. Nach den japanischen Metropolen Sapporo (1972) und Nagano (1998) ist Pyeongchang erst die dritte asiatische und die erste südkoreanische Stadt, die Winterspiele veranstaltet.
VIDEO: Rogge verkündet den Sieger in Durban
WINTER OLYMPIC GAMES 2018






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