Frauen-WM - "Abschütteln könnte das keine Spielerin"
Ein neuer Fall Ballack, sagten die einen, die Demontage einer Ikone die anderen. Doch beides trifft auf Birgit Prinz und ihre aktuelle Situation nicht zu. Denn auch ohne Tor war Prinz in den ersten Partien wichtig fürs Team und ihr Aussetzen gegen Frankreich mit der Bundestrainerin abgesprochen.
Aus Mönchengladbach berichtet Fabian Kunze
Als letzte Spielerin betrat Birgit Prinz zum Aufwärmen den Rasen im ausverkauften Borussia-Park von Mönchengladbach, lief sich ein wenig warm, kickte locker mit Martina Müller. Zu diesem Zeitpunkt war vielen im Stadion noch nicht klar, dass Deutschlands Rekordnationalspielerin die Nationalhymne erstmals nach 26 Spielen in Serie in der Stammmannschaft von der Bank aus erleben würde.
Erste Ahnungen gab es wohl, als sich die erste Elf im ungezwungenen Spiel weiter aufwärmte, während Prinz zehn Meter weiter die Torhüterinnen einschoss. Klarheit dann beim Verlesen der Mannschaftsaufstellungen, bei der Prinz neben Lokalmatadorin Lira Bajramaj den größten Applaus einheimste.
Ihre Rolle als Ersatzspielerin quittierte Prinz mit einem Lächeln. Viel war über sie und ihre Leistungen gesagt, gesendet und geschrieben worden - zu viel für die 33-Jährige. " Sie müssen sich die Berichterstattung anschauen, da wäre jede Spielerin mitgenommen, weil es auch nicht sehr fair ist", prangerte Kerstin Garefrekes, Prinz' Vertretung als Kapitän auf dem Feld, den Umgang der Medien mit Prinz an. "Birgit ist erfahren, und ich bin sicher, dass sie damit umgehen kann, aber einfach abschütteln könnte das keine Spielerin", so Garefrekes.
Selbst im Männer-Fußball wäre seine solche Kampagne nicht an der Tagesordnung. "Das ist allgemein unfair", sagte Garefrekes. Im Frauen-Fußball jedoch sei mit der Berichterstattung über Birgit Prinz Neuland betreten worden. Da sei es schon ungewöhnlich, "dass mit solcher Intensität Berichte über eine Spielerin geschrieben werden."
"Zeigt, wie schlecht es Birgit im Moment geht"
Prinz stand in regem Kontakt mit Bundestrainerin Silvia Neid, gemeinsam fällten sie die Entscheidung, Deutschlands Ausnahmespielerin zu schonen. Neid verriet nach der Partie, dass sie ihre etatmäßige Stürmerin vorher gefragt habe, ob sie mental in der Lage sei, zu spielen. Prinz habe mit "Nein" geantwortet. "Das zeigt, wie schlecht es der Birgit momentan geht", sagte Neid.
Für Nadine Angerer beweist Prinz auch in Zeiten sportlicher Schwäche "absolute Stärke". Sie erkenne genau, "wann sie der Mannschaft wo helfen kann", lobt die Torhüterin und ist sich ebenso wie die Bundestrainerin sicher, dass der Bankplatz gegen Frankreich nicht gleichbedeutend mit dem Karriereende der 33-Jährigen in der Nationalmannschaft ist. "Sie kann noch wichtig für uns werden, ob das nun im nächsten Spiel ist oder außerhalb des Platzes - sie ist eine absolute Führungsspielerin."
In Mönchengladbach verlebte Prinz ruhige 90 Minuten auf der Bank zwischen Martina Müller und Linda Bresonik, mit denen sie in der Halbzeit entspannte den Ball bewegte. Bei den Toren klatschte sie freudig mit ab, ansonsten blieb ihr Kopf über die gesamte Spieldauer im Plexiglas-Halbrund über der Bank versteckt - selbst dann, als sich Verena Faißt, Alexandra Popp und Müller zum Aufwärmen begaben.
"Für Birgit den Arsch aufreißen"
"Es hat ihr heute sehr viel besser getan, nicht zu spielen", sagte die Bundestrainerin, die in der Trainingsleistung ihrer Sturmführerin Bestätigung für die Entscheidung sah. "Ich habe es so empfunden, dass sie sehr viel gelöster im Training war und auch in den letzten Tagen", erklärte Neid. Weitere Planungen mit oder Prinz gebe es derzeit aber nicht. "Ob sie im nächsten Spiel spielt, schauen wir dann nach den Trainingseinheiten. Ich denke, dass wir von der Birgit bestimmt noch was sehen werden", kündigte sie an.
Was aber auch der Bundestrainerin aufgefallen sein dürfte, war der harmonische Offensivauftritt des Teams gegen Frankreich. Inka Grings meldete mit ihren beiden Treffern klar einen Stammplatz an und auch Celia Okoyino da Mbabi, Fatmire Bajramaj oder Popp scheinen aktuell noch vor der 214-maligen Nationalspielerin, die nach ihrem 128. Länderspieltor seit dem 25. November vergangenen Jahres auf einen Treffer im Nationaldress wartete - sechs Spiele oder 369 Minuten.
Als Schiedsrichterin Kirsi Heikkinen schließlich die Partie abpfiff, betrat Prinz fast ein wenig scheu das Feld, ließ sich dann aber doch von der Feierlaune des restlichen Mannschaft anstecken und machte sich mit dem Team auf zur Ehrenrunde. Später in der Mixed Zone, in der sich Journalisten und Spielerinnen treffen, fehlte Birgit Prinz - und alle hatten dafür Verständnis. So mussten andere verbal für sie in die Bresche springen. Die Mannschaft macht das gerne, denn sie weiß, was sie an Prinz hat - oder wie es Nadine Angerer sagte: "Jeder aus der Mannschaft würde sich für Birgit den Arsch aufreißen."
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