Bundesliga - Warten auf dem Abstellgleis

Eurosport - Mo 06.Jul. 19:04:00 2009

Während sich das Transferkarussell zum Saisonauftakt mal wieder in Höchsttempo dreht und viele Top-Kicker ihren Vertrag einfach mal Vertrag sein lassen, um einen Vereinswechsel zu provozieren, können andere von diesen Zuständen nur träumen - sie kämpfen darum, überhaupt einen Vertrag zu bekommen.

FOOTBALL 2009 Wessels - 0

Mirko Slomka ist nicht alleine, obwohl der ehemalige Trainer des FC Schalke 04 tagelang das Handy-Display beschworen hatte, es möge doch endlich mal aufleuchten, wenigstens eine SMS, wenn denn schon kein Anruf kommen wollte. Eine imaginäre, aber dennoch recht emotionale Reise nach Jerusalem an deren Ende Slomka ziemlich verdutzt frei im Raum stand, weil alle Trainerstühle schon wieder besetzt waren.

Jenes Schicksal der teils freiwilligen, oftmals aber unfreiwilligen Vereinslosigkeit teilt der Trainer Slomka aber auch mit einigen arbeitsuchenden Ex-Bundesliga-Profis. Nemanja Vucicevic (1. FC Köln) beispielsweise, aber auch Ervin Skela (Energie Cottbus), Delron Buckley (Mainz 05) oder auch Ali Günes (SC Freiburg) verfügen noch über kein neues gültiges Arbeitspapier. Nur einige von vielen. Europaweit.

Illustre Liste der Vereinslosen

Momentan sind sogar namhafte Kicker wie Maniche (Atletico Madird), Christian Vieri (Atalanta Bergamo), Stephen Appiah (Fenerbahce) oder auch Jorge Andrade (Juventus Turin) auf Jobsuche. Das Alter spielt dabei natürlich nicht selten eine große Rolle - Zé Roberto wollten die Bayern nur noch ein weiteres Jahr binden. Der Spieler lehnte ab, bis Hamburg ihm einen Zweijahresvertrag anbot.

Den Luxus des Vertragspokers können sich allerdings nur die Besten der Vereinslosen leisten. Für die anderen beginnen mühsame und kräftezehrende Vorstellungsgespräche bei zahlreichen Probetrainings.

In Deutschland will die Spielergewerkschaft VDV die Kollegen vom Abstellgleis holen und lässt sie auf einem eigenen Rangierbahnhof die weiteren Weichen für die Karriere stellen. Aktuell sind bereits über 50 vereinslose Profis zum VDV-Training angemeldet. In diesem speziellen Trainingscamp drehen unter anderem Thomas Cichon (VfL Osnabrück), Daniel Ischdonat (Mainz 05) und Marco Küntzel (FC Augsburg) ihre Warteschleifen.

Über Umwege zurück in den Alltag

Stefan Wessels, ehemals Nachwuchshoffnung beim FC Bayern München und zuletzt zwischen den Pfosten des VfL Osnabrück, hat nun ebenfalls eine Karrierestation erreicht, die Michael Rensing als mahnendes Beispiel dienen könnte.

Daniel Chitsulo gilt zwar als erster malawische Spieler überhaupt, der in einer europäischen Profiliga ein Tor erzielen konnte. Eine Jobgarantie war aber auch das nicht. Der ehemalige Ahlener schaut sich ebenfalls nach einem neuen Job um und hält sich derweil im VDV-Camp fit.

Die Einrichtung hat sich mittlerweile eine gute Reputation erarbeitet und ist für die Klubs der Bundesliga durchaus eine Anlaufstelle. Sie können die Liste der Camp-Teilnehmer anfordern und ihre Scouts zu den Testspielen schicken. Auf diesem Umweg konnten Profis wie Moses Sichone, Alexander Bade, Thorsten Judt oder Zlatan Bajramovic in der Vergangenheit die Handbremse lösen und ihre Karrieren wieder ins Rollen bringen.

Sollte sich für Mirko Slomka auch einige Wochen nach Saisonstart noch kein neuer Arbeitgeber finden, könnte auch für ihn das Trainingscamp der VDV interessant werden, um in Übung zu bleiben. Aktuell trainieren unter anderem Christian Hock (ehemals Trainer Wehen Wiesbaden), Henning Bürger (ehemals Trainer Carl Zeiss Jena), Stephan Paßlack und Karlheinz Pflipsen die Profis in der Warteschleife.

Michael Wollny / Eurosport

Kommentare 1 - 15 of 15

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  1. Viele Arbeitnehmer müssen auch um ihren Job zittern,­ und bei denen hängt die Existenz einer ganzen famile­ davon ab. Die Fußballer sind zumeist Träumer, träumen­ vom großen Geld und Erfolg, der sich bei vielen aber­ gar nicht erst einstellt bzw.. wenn doch - dann­ leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. Es gibt viele­ Fußbaler, die nur durchs image so erfolgreich sind oder­ waren, real sinds auch nur Kicker die auf ihre­ WASSERTRÄGER angewiesen sind, da sie sonst­ erbarmungslos untergehen würden. Profis geben viel zu­ viel Geld für ihre sogenannten Berater aus, die die­ Verträge aushecken und Millionen daran verdienen. Nur­ die wenigsten Profis sind auf sich selber gestellt,­ viele geben leichtfertig ihre Zukunft aus der hand­ indem sie solche zwielichtigen Manager bezahlen. Und­ solange es nur ums fette Geld geht, ist immer irgendwo­ ein Betrug zugange. Die Wasserträger sind diejenigen,­ die die Erfolge der Stars unterstützen, selber aber­ niemals die gleiche Chance haben und immer nur B-Profis­ bleiben werden. Und solange die das nicht kapieren,­ werden sie auch immer um einen neuen Vertrag bangen­ müssen...

    Von Brian F, am Mo 6.Jul. 21:02
  2. Tcha so ist das nun mal wenn man Jahr für Jahr am Rad­ dreht und von den Vereinen immer mehr fordert. Mal ist­ die Schraube einfach überdreht. Aber sicher kommt für­ die Meisten doch wieder ein an sich wahnsinniges­ Angebot und die Armen armen Spieler sitzen wieder im­ Boot das die dummen Zuschauer oftmals mit IHREM­ Arbeitslosengeld wieder am schwimmen halten. Gehälter­ runter für die Mitläufer das wäre mal ein Weg!!!!­ Gutes Geld für gute Leistungen - Abzüge für­ Grottenkicks!

    Von Eberhard H, am Mo 6.Jul. 18:42
  3. und schon wieder, von den meisten die hier eine meinung­ abgeben nur missgunst...viele (wohl auch von­ euch)strebten eine profilaufbahn an...manchmal kommt­ die mama oder eine verletzung dazwischen,aber die­ meisten zwischen kaka und rudi voeller werden kaum­ genug (alles relativ)verdienen um sich mit ca 25-30­ jahren auf das "altersteil" zu setzen...,wenn­ sport das hobby bzw. die berufung ist...dann versucht­ es...mit einer grossen portion glueck kann es­ klappen...alle die schon am anfang selbstzweifel­ hegen,...versucht einen "normalen"beruf

    Von Horst K, am Mo 6.Jul. 17:52
  4. shlomo4949
    falls es dir noch keiner erzählt hat.auch­ menschen die keinen deutschen pass besitzen und in­ deutschland arbeiten oder leben, zahlen hier ihre­ steuern wie jeder andere auch

    Von thomasI, am Mo 6.Jul. 16:11
  5. sie finden sicher noch einen Verein. Leute wie Wessels,­ Buckley, Cichon oder andere ohne Verein das geht doch­ nicht. Buckley ist ein hervorragender Stürmer das hat­ er ja schon in Bochum oder Bielefeld gezeigt. Viel­ glück, bei der suche nach einen neuen Verein.

    Von slipknot467, am Mo 6.Jul. 15:36
  6. Die Jungs haben mit Sicherheit alle ein Gehalt von­ 150000 pro Jahr aufwärts kassiert. Meine Familie und­ ich kommen mit wesentlich weniger und dennoch sehr gut­ klar. Ich habe allerdings noch nie ein fettes Auto­ gefahren und stets versucht, nachhaltig zu­ wirtschaften. Vielleicht sollte man genau dies den­ Jungkickern beibringen, bevor sie Kurse in­ Medienverhalten etc. belegen.

    Von birne111, am Mo 6.Jul. 14:22
  7. Mir kullern die Tränen, wenn ich das lese.
    Diese­ Spieler bekommen doch sicher in irgend einer 2. oder 3.­ Liga einen Vertrag. Vereine gibts ja auch noch im­ Ausland wo man sich wieder "hochspielen"­ kann.
    Kann halt nicht jeder Lappen, der halbwegs gegen­ den Ball treten kann, gleich 13Mille im Jahr­ kassieren.
    Vergleicht man die Gehälter der Fussballer­ mit denen von Sportlern anderer Sportarten! Dann merkt­ man sind sie bestens dran!

    Von hermse, am Mo 6.Jul. 13:39
  8. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    Anstatt die verrtragslosen Schattenboxen machen zu­ lassen, sollte die Liga denen eine Wildcard in Liga II­ geben. Als Team der Kontraktlosen unter einem­ kontraktlosen Trainer wie Slomka und Co. Teamberechtigt­ wären Spieler mit deutschem Pass, übersteigt die Zahl­ die übliche Kadergröße von 22, dann entscheidet das­ Los.

    Von shlomo4949, am Mo 6.Jul. 13:19
  9. so ist das nun mal, wie auch im normalen­ arbeitsleben....
    ps. haha hartz4 würden die erst gar­ nicht bekommen, da ihr privatvermögen einfach zu hoch­ ist

    Von , am Mo 6.Jul. 13:12
  10. @Andreas S
    Ich würde meine Mannschaft in der­ Vorbereitung nicht gegen ein solches Team von­ Arbeitslosen antreten lassen. Die Gefahr wäre mir zu­ groß, dass diese im Übereifer zu hart zur Sache gehen­ und meine "Stars" verletzen.

    Und zu dem­ Thema alle gucken nur auf die Ribery's und­ Messi's... diese Spieler sind der Grund warum­ Millionen im Fussball fließen und TV Sender und­ Sponsoren Millionen ausgeben. Wenn diese­ wassertragenden Mittelmaßsportler nebenher nix anderes­ gelernt haben als das Fussballspielen dann sind sie­ selber Schuld.

    Wenn es gut läuft verdienen die Jungs­ in der Zeit zwischen 20 und 30 (alter) extrem viel­ Geld. Da muss man mit dem Risiko leben, sollte es mal­ nicht laufen, dass man dann halt normal arbeiten gehen­ muss.

    Profisport ist nix anderes als die­ Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Nur die stärksten­ überleben!
    Nicht meine Meinung. Tatsache!

    Von Tim R, am Mo 6.Jul. 13:10
  11. Sieh mal einer an! Eurosport kennt tatsächlich noch­ andere Themen als nur den FCB.

    Dass gerade die­ Thematik "arbeitsloser Profi" aufgegriffen­ wird, finde ich gut. Es ist doch so, dass wir uns fast­ alle von den großen Namen des Sports blenden lassen und­ die Ballzaubereien eines Franck Ribery (wenn er denn­ mal geneigt ist) bewundern, dabei aber übersehen, dass­ es vielleich gerade mal 5 % der Spieler wirklich­ dauerhaft zu Ruhm und Ehren bringen. Alle anderen sind­ doch praktisch die wenn auch unentbehrlichen­ Wasserträger.

    Gedankenspiel am Rande: eine Mannschaft­ dieser Arbeitslosen, mal als Auswahl oder­ "Sparringspartner" bei den Trainingslagern­ der Vereine - wäre vielleicht mal ganz interessant. Und­ die "Arbeitslosen" hätten eine Chance, sich­ darzustellen.

    Von Andreas S, am Mo 6.Jul. 12:49
  12. Als betriebstätiger Zugführer kann ich da nur sagen,­ dass sich dieser Vergleich hinkt (wie die Spieler des­ HSV). Ausserdem ist es eine Beleidung für die ehrbaren­ Abstellgleise dieser Welt. Ich meine nur, wo wären wir­ ohne diese Helden des Alltags, den Rettern einer jeden­ Nicht-Zugfahrt.

    Von florian.schmidt, am Mo 6.Jul. 12:34
  13. ich denke manche dieser profis muessten nur mal ihre­ finanziellen ansprueche zurueckschrauben.denn wenn man­ so die namen liest,wuerden doch sicher mehrere vereine­ anfragen.aber wenn dann solche leute verdienen wollen­ wie zu ihren (bis jetzt) besten zeiten,dann klappts­ halt nicht!

    Von ichsagauchwas, am Mo 6.Jul. 12:19
  14. Sehr schön geschrieben...
    durch diesen artikel bekommt­ man eine interessante information üßber die­ vereinslosen profis.

    Von zakrzewski.stefan, am Mo 6.Jul. 12:01
  15. Die armen Jungs. Hoffentlich finden Sie noch einen Job­ und müssen nicht Hartz IV anmelden. Mein Beileid...

    Von Hans-Joachim Strutz, am Mo 6.Jul. 11:58
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