Eurosport - Mo 07.Jul. 20:34:00 2008
Einen Tag nach dem knappen 26:25-Erfolg gegen Ägypten musste die deutsche Nationalmannschaft in Hannover eine 20:22 (9:14)-Niederlage gegen den amtierenden Afrika-Champion einstecken. Der Weltmeister offenbarte vor 5.600 Zuschauern sowohl in der Defensive als auch im Angriff große Schwächen.
Bis zu den Olympischen Spiele, wo beide Teams am 14. August im Gruppenspiel erneut aufeinandertreffen, bleibt noch viel zu tun. "Man hat gesehen, dass es dort keine leichte Gruppe gibt. Es wird schwer genug, das Viertelfinale zu erreichen", kommentierte Bundestrainer Heiner Brand die beiden Auftritte zum Abschluss des kräftezehrenden Trainingslagers in der Sportschule Kaiserau. Lediglich in Sachen Effizienz konnte seine Mannschaft zumindest einmal überzeugen. In Hamm lag sie nur zweimal in Führung - beim 1:0 und beim 26:25-Endstand.
"Wir sind von Anfang an neben der Spur gelaufen. Sehr viele individuelle Fehler haben unser Spiel geprägt. Das ist nur zum Teil durch Müdigkeit zu erklären. Daraus müssen wir für Peking Lehren ziehen", kommentierte Brand die beiden Auftritte zum Abschluss des kräftezehrenden Trainingslagers in der Sportschule Kaiserau.
Bitter verhindert Schlimmeres
In Hannover kam das deutsche Spiel gegen die quirligen Ägypter lange Zeit überhaupt nicht auf Touren. In Unterzahl geriet der Weltmeister schnell mit 3:5 (10.) in Rückstand. Dank mehrerer guter Paraden von HSV-Schlussmann Joachim Bitter kämpften sich die Gastgeber noch einmal auf 9:10 heran, ehe leichte Ballverluste und zwei Lattentreffer zu einem deutlichen Fünf-Tore-Rückstand zur Halbzeit führten.
Nach der Pause deutete sich sogar ein Debakel an. Die deutsche Mannschaft, in der mehrfach gewechselt wurde, wirkte unkonzentriert, kassierte weitere Zeitstrafen und lag zwischenzeitlich mit 10:18 zurück. Torhüter Bitter, der durchspielte und bester DHB-Akteur war, verhinderte einen noch höheren Rückstand. Erst in den letzten zehn Minuten startete die Mannschaft eine Aufholjagd, wobei Linksaußen Jansen (3) und Spielmacher Michael Kraus (3) erfolgreichste Werfer waren.
"Niederlage tut überhaupt nicht weh"
"Wir haben die zweite Halbzeit gewonnen, aber unsere Abwehrarbeit hat 45 Minuten nicht funktioniert", monierte Brand. "Wir haben die letzten Wochen viel in den Bereichen Kraft und Ausdauer gearbeitet. Das hat man gemerkt. Wir wollen aber erst in sechs Wochen zum Olympia-Abschluss zufrieden sein", sagte Delegationsleiter und DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier.
"Die Niederlage tut überhaupt nicht weh. Wir sind platt, weil wir sehr gut trainiert haben", gab der Lemgoer Rechtsaußen Florian Kehrmann zu Protokoll. In Peking komplettieren Südkorea, Island, Rekord-Olympiasieger Russland und Europameister Dänemark die schwere Vorrundengruppe B mit Ägypten und der deutschen Mannschaft.
Bereits am Mittwoch beginnt für die DHB-Auswahl der nächste Vorbereitungslehrgang in Meran/Südtirol. Brand will bis dahin seinen 22-Mann-Kader reduzieren. "Darüber muss ich jetzt eine Nacht schlafen", sagte der Bundestrainer nach dem Hannover-Spiel. Als zusätzlicher Akteur stößt der reaktivierte Routinier Christian Schwarzer in Meran zur Mannschaft.
Deutschland-Ägypten im Stenogramm
Deutschland: Fritz (Rhein-Neckar Löwen), Bitter (HSV Hamburg) - Jansen (HSV Hamburg) 3, Kraus (TBV Lemgo) 3, Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) 2, Klimovets (Rhein-Neckar Löwen) 2, Zeitz (THW Kiel) 1, Preiß (TBV Lemgo) 2, Kehrmann (TBV Lemgo), Kaufmann (TBV Lemgo) 2, Köhrmann (Wilhelmshavener HV), Hens (HSV Hamburg) 2, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Müller (TV Großwallstadt) 2, Strobel (TBV Lemgo), Sprenger (SC Magdeburg) 1
Ägypten: El Sayed, Nakib Bakir, Wallid - Zaky 5/3, El Fakharany 4, Sayed 3, Hussein Mabrouk 2, Ahmar 2, Abd Elsalam 2, Ibrahim 2, Awwad 2, Hassaballa Caky, Kalloby, El Fetouh, Mahmoud Aziz
Schiedsrichter: Breto/Huelin (Spanien)
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