Silverstone (dpa) - Lewis Hamilton kletterte als Triumphator auf seinen Silberpfeil, ließ sich von 90 000 Fans bejubeln und tanzte wie ein kleines Kind auf dem Siegerpodium.
Im Regen-Chaos von Silverstone hat sich der 23-jährige Lokalmatador mit dem Sieg beim Großen Preis von Großbritannien einen Traum erfüllt und den Ferrari-Vormarsch im Formel-1-Titelrennen eindrucksvoll gestoppt. Der McLaren-Mercedes- Mann deklassierte beim ereignisreichen neunten Saisonrennen dank der besseren Reifenstrategie die WM-Konkurrenz. Dagegen verzockte die Scuderia den möglichen Sieg. Champion Kimi Räikkönen wurde immerhin noch Vierter, der als WM-Spitzenreiter angetretene Felipe Massa blieb als 13. und Letzter punktlos.
Der zuletzt glücklose BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld bestätigte indes als Zweiter trotz 68 Sekunden Rückstand eindrucksvoll seinen Aufwärtstrend und seinen Ruf als Regen-Experte. Dritter wurde völlig überraschend Honda-Routinier Rubens Barrichello (Brasilien). Hamilton und das Ferrari-Duo führen nun gemeinsam mit jeweils 48 Punkten zur Saison-Halbzeit die WM-Wertung an.
An Hamilton kam bei seinen Heim-Festspielen niemand heran. «Das ist der größte und der schönste Sieg, den ich je errungen habe», sagte der Vize-Weltmeister. Ausgelassen feierte er mit McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh, zuvor hatte er seinen Bruder Nic innig umarmt. Die Erleichterung nach der Fehlerserie der vergangenen Rennen, dem Druck und der Kritik vor dem Heimrennen war ihm deutlich anzusehen. «Es war in den letzten Wochen wirklich hart. Ich habe heute nur noch gebetet, dass ich das Rennen zu Ende fahren kann», verriet Hamilton, der den Sieg seinen Freunden widmete, die zu ihm gehalten hätten.
«Besser geht es nicht. Lewis hat einen grandiosen Sieg geschafft. Wir sind wieder zurück im Titelkampf - super», jubelte Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug. Endlich wieder Grund zur Freude hatte auch BMW-Sauber-Mann Heidfeld. «Ich bin super zufrieden. Im Rennen haben wir alles richtig gemacht», sagte der 31-Jährige, der zuletzt stets im Schatten seines Teamkollegen Robert Kubica stand. Diesmal aber drehte sich der Pole von der Strecke, der Gladbacher kam souverän durch. «Das war sehr wichtig. Nick hat mit seiner gewohnten Übersicht Nägel mit Köpfen gemacht und ein erstklassiges Rennen abgeliefert», sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.
Die Vorentscheidung für Hamilton fiel beim ersten Boxenstopp. Der in Führung liegende Silberpfeil-Pilot ging mit frischen Reifen zurück auf die Strecke, der gleichzeitig als Zweiter zum Tanken gekommene Räikkönen setzte auf die bis dahin gut funktionierenden alten Pneus. Doch damit lag Ferrari daneben. Der Regen wurde stärker und spülte alle Hoffnungen der Roten auf einen Erfolg im «Home of British Motor Racing» fort.
Zwar musste Hamilton auf dem rutschigen 5,141 Kilometer langen Kurs lange bangen und leistete sich zwei Ausflüge neben die Strecke. Doch letztlich behielt der Vize-Weltmeister kühlen Kopf und fuhr in 1:39:09,440 Stunden nach 60 Runden den erhofften Heimsieg ein. Der erstmals von der Pole Position gestartete Heikki Kovalainen steuerte den zweiten Silberpfeil auf Rang fünf ins Ziel. In der Teamwertung liegt damit Ferrari mit 92 Punkten weiter vor BMW-Sauber (82) und McLaren-Mercedes (72).
Schon beim Start war Hamilton von Rang vier auf zwei nach vorn gerast und überholte wenig später auch Teamkollege Kovalainen. Der Finne musste nach einem Dreher auch seinen Landsmann Räikkönen ziehen lassen. Der Weltmeister konnte zunächst auch Hamilton Paroli bieten, doch dann folgte die fatale Boxen-Fehlentscheidung der Scuderia. Räikkönens Rückstand wuchs kräftig, von hinten drängten Kovalainen und der nun entfesselt fahrende Heidfeld. In Runde 27 zogen beide an Räikkönen vorbei, Heidfeld ließ gleich beide Finnen stehen. Zuvor hatte der Gladbacher bei einem ähnliche Manöver bereits den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso (Renault) und Toyota-Mann Timo Glock düpiert.
Vorzeitig beendet war das Rennen wieder einmal für Toro-Rosso-Mann Sebastian Vettel, der in der ersten Runde von Red-Bull-Routinier David Coulthard von der Strecke geschoben wurde. «Wenn man hier erstmal im Kies ist, gibt es kein Rauskommen mehr», erklärte der Heppenheimer. Force-India-Mann Adrian Sutil rutschte in der elften Runde vom Kurs. «Es war Aquaplaning. Ich hatte keine Chance», sagte der Gräfelfinger. Der aus der Boxengasse gestartete Williams-Mann Nico Rosberg (Wiesbaden) verpasste als Neunter knapp einen Punkt. Der Wersauer Glock wurde Zwölfter.


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