Eurosport - Sa 06.Jun. 14:30:00 2009
Der Umsturz im Welthandball blieb aus. Mit großer Mehrheit ist der umstrittene Präsident Hassan Moustafa beim Wahlkongress in Kairo in seinem Amt bestätigt worden. 115 der 142 Kongress-Delegierten stimmten für den Ägypter, nur 25 votierten für den Gegenkandidaten Jeannot Kaiser aus Luxemburg.
Als das Ergebnis bekanntgegeben wurde, brandete tosender Applaus für den Ägypter auf, der nun bis zum Jahr 2013 amtieren kann. Das klare Votum zugunsten des 58-Jährigen, der seit 2000 IHF-Präsident ist, hatte sich bereits zu Beginn des Kongresses abgezeichnet.
"Eingefädelt und abgesprochen"
Einer seiner schärfsten Kritiker, der IHF-Generalsekretär Peter Mühlematter, ist als Generalsekretär abgewählt worden. Der Schweizer, der das Amt seit Dezember 2004 innehatte, unterlag bei einer Kampfabstimmung dem Franzosen Joël Delplanque klar. "Die Wahl gegen mich war schon vor dem Kongress eingefädelt und abgesprochen. Das hatte sich bald gezeigt. Das Votum des Präsidenten gegen meine Person zu Beginn des Kongresses erinnerte an ein Tribunal. Da hatte ich nicht den Hauch einer fairen Chance", sagte Mühlematter der "Sportinformation Zürich".
Der Berner, ein entschiedener Kritiker Moustafas, war bereits am Freitagvormittag zum Rücktritt aufgefordert worden, blieb aber im Amt. Die Kongress-Delegierten forderten Mühlematter wegen verbandsschädigenden Verhaltens mit 103 zu neun Stimmen zur sofortigen Demission auf. Dies war allerdings nach Einschätzung von Anwälten nach dem gültigen Schweizer Vereinsrecht - die IHF hat ihren Sitz in Basel - keine Abwahl, sondern nur eine "Abfrage" der Kongressmeinung gewesen.
"Die Buchhaltung arbeitet absolut sauber"
Bereits zweimal war Mühlematter zuvor vom IHF-Rat aufgefordert worden zurückzutreten. Der Rat wirft dem Schweizer vor, dem Verband durch öffentliche Beschuldigungen geschadet zu haben. Die Opposition um Kaiser und Mühlematter blieb insgesamt sehr blass beim Kongress. Weder der Luxemburger noch der Generalsekretär konnten entscheidende Punkte bei den Delegierten sammeln. Allerdings nutzte Moustafa seine Kongressleitung auch dazu aus, vor allem Kaisers Fragen von vornherein zu verhindern.
Eine entscheidende Wendung zugunsten Moustafas nahm die Versammlung beim Bericht des Revisors Jürg Steib. Der Schweizer attestierte den Finanzverantwortlichen und dem Präsidenten eine absolute intakte und erfolgreiche Arbeit. Steib konnte Mühlematters frühere Argumente widerlegen, die im Januar zur Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen Moustafa und Finanzchef Miquel Roca geführt hatten. "Die Buchhaltung bei der IHF arbeitet absolut sauber, es gibt keinerlei Unregelmäßigkeiten", sagte Steib in Bezug auf Reisespesen Moustafas und ein obskures Konto in Frankreich.
Moustafa verweist auf seine Erfolge
Obwohl der Präsident für seine Reisekosten keine Belege ablieferte, gab es nur kleine Schwankungen zu den normalen Flugpreisen - nicht zuungunsten der IHF, sagte Steib. Und das Konto in Frankreich sei eröffnet worden, um Steuern zu sparen. Zur Überraschung aller verkündete der Revisor dann, dass die Ermittlungen gegen IHF-Organe und Moustafa am IHF-Sitz Basel zu 99,9 Prozent ergebnislos vor dem Ende stünden.
Gegenkandidat Kaiser hatte im Vorfeld mehrfach versucht, die Kongressteilnehmer mit Fragen zu Finanzen auf seine Seite zu ziehen, doch den Applaus und später auch die Stimmen erhielt der Ägypter. In einem über 60-minütigen Bericht hatte Moustafa seine Erfolge in Sachen Weiterentwicklung des Handballs, Vermarktung und Fernseh-Zuschauer vorgestellt. Zum Abschluss seines Berichts richtete er harsche Kritik an Mühlematter: Der Generalsekretär habe den gesamten Handball mit seinen Äußerungen betrogen.
Am Samstag wird der Kongress in Kairo mit weiteren Wahlen und Anträgen fortgesetzt. Ein Antrag des Deutschen Handball-Bundes (DHB) fordert eine Entzerrung des Wettkampfkalenders mit weniger Welt- und Europameisterschaften.
Kommentare 1 - 2 of 2
Da hat unser Handball ein ganz entscheidendes Spiel verloren!
großartig!
Wie können die nur so dumm sein, die verkörperte Korruption wiederzuwählen? Dies zeigt deutlich wie durch und durch verfault der Handball ist.
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