Eurosport - Di 06.Mai. 23:17:00 2008
Florian Busch droht bei der Eishockey-WM in Kanada nun möglicherweise doch der kurzfristige Ausschluss. Der Weltverband IIHF kündigte eine Entscheidung über den weiteren Einsatz noch vor dem abschließenden Vorrundenspiel der deutschen Auswahl gegen Norwegen in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) an.
Somit wurde der sensationelle 4:2 (2:0, 1:1, 1:1)-Erfolg der Deutschen über Ex-Weltmeister Slowakei schon wieder in den Hintergrund gedrängt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte die IIHF aufgefordert, das Verfahren gegen den deutschen Nationalspieler neu zu eröffnen und ihn vorläufig von allen Wettbewerben zu suspendieren.
Ob der 23 Jahre alte Eisbären-Stürmer nach seinem zunächst verweigerten Doping-Test am 6. März ausgeschlossen wird, ist offen. "Dies ist Sache des IIHF", erklärte WADA-Sprecher Frederic Donzé. IIHF-Sprecher Szymon Szemberg sagte danach, die Sportabteilung des Verbandes und die WADA würden über den Fall im anderen WM-Spielort Québec beraten. Dem deutschen Team drohe bei einer Sperre für Busch kein Punktabzug, betonte Szemberg. "Ich sehe, dass eine Entscheidung gefällt wird, aber nicht, dass er gesperrt wird", sagte Sportdirektor Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es anders kommt."
Fasel: "Mehr eine rechtliche Affäre"
IIHF-Präsident René Fasel war bei einem Besuch in Halifax mittags von der WADA-Mitteilung überrascht worden. "Wir haben vor der WM mit dem Deutschen Eishockey-Bund darüber gesprochen. Es ist schwer, den Fall zu kommentieren, weil es mehr eine rechtliche als eine Doping-Affäre ist", sagte der Schweizer. Am vorigen Samstag hatte es vor dem deutschen WM-Auftakt gegen Finnland eine IIHF-Mitteilung gegeben, wonach die WADA Busch für die WM freigegeben habe. IIHF-Sprecher Szemberg sprach von schlechter Kommunikation. Busch schoss beim 1:5 gegen Finnland das deutsche Tor und bereitete die 1:0-Führung gegen die Slowakei durch Kapitän Marco Sturm vor.
"Ich weiß nicht, wer sich da auf welchen Schlips getreten fühlt", sagte Reindl zur WADA-Mitteilung, räumte aber ein, man habe im Vorfeld wegen möglicher Querelen einen Verzicht auf Busch erwogen. "Aber wenn man Klarheit hat, warum soll man den Spieler dann nicht spielen lassen?" Die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA hatte nach der milden Ahndung des verweigerten Tests von Busch durch den DEB die WADA informiert. Nach den Regeln des WADA-Codes hätte er mindestens für ein Jahr gesperrt werden müssen.
Unklarheiten zwischen WADA und DEB
"Entgegen eines Berichtes auf der IIHF-Website vom 3. Mai hat die WADA den deutschen Florian Busch nicht von einem Anti-Doping-Verstoß freigesprochen", hieß es in der WADA-Mitteilung. Gleichzeitig beklagte die Agentur die mangelnde Kooperation des DEB. Vergeblich habe man sich über die NADA bemüht, Einsicht in das DEB-Regelwerk zu bekommen, um über einen möglichen Einspruch im Fall Busch entscheiden zu können. "Die WADA wurde durch die NADA informiert, dass der DEB nicht vor Ende der WM in Kanada Fragen beantworten würde", teilte die WADA mit. Dem widersprach Reindl.
dpa / Eurosport