Bundesliga - "Pizza" ballert sich den Frust weg

Eurosport - Mo 06.Apr. 14:43:00 2009

Ein Dreierpack gegen den Frust: Claudio Pizarros drei Treffer gegen Hannover 96 waren für den Bremer Stürmer ein Befreiungsschlag nach den täglichen Negativschlagzeilen. Die Spekulationen um die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und Geldwäsche schienen an ihm abzuprallen.

FOOTBALL 2008-2009 Bundesliga Bremen Bremen-Hannover Pizarro - 0

Sein Lächeln hatte Claudio Pizarro in der letzten Zeit nur ganz selten verloren. Strahlend und typisch südamerikanisch ausgelassen lächelte Werders Topstürmer auf und abseits des Platzes fortwährend, als wäre es gerade die beste Zeit seines Lebens. Als hätte er ein reines Gewissen.

"Das ist alles Theater"

Nur wenn Journalisten um einen Kommentar zu den Schlagzeilen baten, die alltäglich in den Boulevardmedien über seine angebliche Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu lesen sind, verfinsterte sich Pizarros Miene, und er reagierte barsch oder blieb gar stumm.

Er scheint sich zu Unrecht im Fadenkreuz der Medien und der Justiz gleichermaßen zu sehen und so trübten dann auch wieder jene Fragen sein strahlendes Siegerlächeln, nachdem Pizarro drei Tore zum 4:1-Sieg gegen Hannover 96 beigesteuert hatte. "Das ist alles Theater. Ich habe nichts gemacht", echauffierte sich der Peruaner. Wie er es denn schaffe, bei all dem Trubel um seine Person, doch noch Tore zu erzielen, wollte ein Reporter wissen: "Ich bin ganz ruhig, ich versuche meine Arbeit konzentriert zu machen", stellte Pizarro klar. "Es ist auch egal, wie wir gespielt haben, denn nur der Sieg zählt", fügte er hinzu und spielte damit auf die sehr mäßige Vorstellung der Bremer besonders in der ersten Halbzeit an.

Werder stellt sich hinter Pizarro

Auf seine eigene Situation gemünzt könnte die Aussage auch lauten: Es ist egal, was geschrieben steht, nur die Wahrheit zählt. Oder aus Sicht des Vereins: Es zählt nur, ob der Fußballverband FIFA Pizarro sperren wird oder nicht. So lange der Sachverhalt nicht geklärt ist, stellen sich die Bremer demonstrativ hinter ihren ausgeliehenen Torjäger. "Wir sind der Auffassung, dass sich Claudio nicht gesetzeswidrig verhalten hat", erklärte Werders Sportdirektor Klaus Allofs: "Wir rechnen auch nicht damit, dass er nach Peru fahren muss." Mehrfach war berichtet worden, Pizarro habe eine Vorladung für Ende März erhalten und sei dann nicht erschienen. Nicht der einzige Punkt, der im Fall Pizarro Verwirrung stiftet.

Seine Mannschaftskollegen wie Spielmacher Diego zeigten sich zumindest erleichtert, dass die Schlagzeilen Pizarro den Torhunger nicht vermiest hatten: "Claudio ist ein erfahrener Spieler, der kann das sehr gut trennen." Und auch sein Trainer Thomas Schaaf freute sich: "Heute hat man gesehen: Pizarro ist wieder zurück."

Duell Wiese-Enke nur noch zweitrangig

Der Dreierpack verdrängte allerdings das Duell der beiden Keeper Tim Wiese und Robert Enke, die um die Nummer eins im Nationaltor buhlen, und deren Zweikampf eigentlich bei der Partie im Fokus stehen sollte. Es wurde ein eher ungleiches Kräftemessen, Wiese fühlte sich chronisch unterbeschäftigt ob der gerade einmal drei direkten Schüsse auf sein Tor: "Ich hatte heute nichts zu tun. Ich hätte auch meine kleine Tochter ins Tor stellen können", sagte Wiese, vergaß dabei wohl, dass er doch einmal hinter sich greifen musste. Enke dagegen parierte wacker die zehn Angriffe auf seinen Kasten, war bei den vier Treffern allerdings machtlos: "Da kriegst du wieder vier, das darfst du keinem erzählen", klagte der Hannoveraner, der damit insgesamt 56 Tore in dieser Saison kassierte.

Für den Bremer Anhang war das kleine Schützenfest in der größtenteils schwachen Partie zweier Mannschaften, die nicht ganz unberechtigt im Niemandsland der Tabelle dümpeln, ein gefundenes Fressen. "Schießbude Enke" skandierte der Grün-Weiße Fanblock geschlossen und feierte ihren eigenen Mann mit "Wiese für Deutschland"-Gesängen. Müßig darüber zu urteilen, wer bei diesem Duell zwischen den Pfosten an diesem Tag Punkte beim Teamchef sammeln konnte. Ein wenig ernster schien Wiese die Sache allerdings genommen zu haben, wie Pizarro berichtete: "Tim hat uns vorher gesagt: Ihr müsst Tore schießen, Tore schießen." Zumindest Pizarro hat brav gehorcht.

Aus Bremen berichtet Petra Philippsen / Eurosport

Kommentare 1 - 2 of 2

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  1. Das ist ja das Klägliche, hin und wieder brachte Werder­ ware Sturmläufe hintersich garniert mit Toren und­ Siegen, doch diese Saison fehlte zu oft Einstellung,­ unbedingter Siegeswille und zu letzt auch das Glück das­ man sich ´04 noch erarbeitet hatte. Trotzdem wird mich­ Werder als Fan nicht mehr los

    Von Tom2308, am Mo 6.Apr. 19:20
  2. wer das früher gekommne das werder so spielt würde man­ sagen die werden meister

    Von kromepascal, am Mo 6.Apr. 15:52
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