Bundesliga - Schaafs Drohung zeigt Wirkung

Eurosport - So 06.Apr. 13:54:00 2008

Werder-Trainer Thomas Schaaf hatte nach den Misserfolgen deutliche Worte gefunden und seinem Stammpersonal mit der Ersatzbank gedroht. Es half. Durch einen hart erkämpftes 2:1 in Berlin beendeten die Bremer vorerst ihre Krise. Doch Manager Allofs warnte: "Wir haben ein Spiel gewonnen, mehr nicht."

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Bremen Schaaf - 0

Durch das schnellste Bundesligator in dieser Saison, nach 39 Sekunden traf Rosenberg zum 1:0, und dem ersten Saisontreffer des zuletzt heftig kritisierten Tim Borowski, schafften die Hanseaten den so lang erhofften Befreiungsschlag. Doch beendet ist die Krise nach zuletzt nur einem Punkt aus vier Spielen nach Meinung von Klaus Allofs noch längst nicht: "Wir haben ein positives Zeichen gesetzt. Allerdings haben wir keinen Grund zu sagen, dass jetzt wieder alles gut ist", erklärte der Manager der Heerschar von Journalisten im Berliner Olympiastadion.

Noch kein Ende der Krise

"Die Krise ist noch nicht überwunden, wir müssen jetzt erst recht noch härter und noch konzentrierter arbeiten", erklärte der 51-Jährige weiter. Auch Trainer Thomas Schaaf übte sich in Zurückhaltung: "Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Dass wir besser spielen können, ist klar. Alles was im Moment zählt, ist das Ergebnis und die Erfolgserlebnisse."

In der Tat besteht noch lange kein Grund in Jubelarien zu verfallen. Zu durchschnittlich präsentierten sich die Werderaner in einem an Höhepunkten armen Spiel. Zudem stand das Glück den Bremern Pate. Hätte Herthas Brasilianer Andre Lima, der für den verletzten Torjäger Marko Pantelic von Beginn an auflief, in der 70. Minute bei seinem 30-Meter-Knaller gegen die Latte etwas genauer gezielt. Und hätte der kurz zuvor eingewechselte Solomon Okoronkwo den Nachschuss völlig freistehend nicht über das Gehäuse gehämmert. Wer weiß

Borowski mit Seitenhieb

Es kam wie es kommen musste. Torsten Frings zirkelte nur drei Minuten später einen langen Traumpass aus dem Mittelfeld in den Strafraum der Hauptstädter, genau in die Füße des völlig freistehenden Tim Borowski. Der fackelte nicht lange und überwand Keeper Jaroslav Drobny zum 2:1. "Mein Dank geht an Torsten. Ich hatte bereits gegen Glasgow eine ähnliche Chance, nur habe ich sie heute genutzt", so ein strahlender Borowski. Der seit der Bekanntgabe seines Wechsels zu den Bayern zum Saisonende in die Schlagzeilen geratene große Blonde konnte sich eine kleine Abrechnung mit der Presse nicht verkneifen: "Ich will den Leuten zeigen, dass es mir nicht egal ist, was hier bei Werder abläuft. Auch wenn es zuletzt manchmal nicht ganz glücklich aussah, ich habe mir nichts vorzuwerfen." Optimistisch sieht er seine eigene und die Zukunft von Werder: "Ich trainiere derzeit hart, um meine Defizite auszugleichen. Wenn es für die Euro reicht, würde ich mich riesig freuen. Aber nun gilt der Fokus dem Erreichen der Champions League mit einem kleinen Endspiel um Platz zwei nächste Woche gegen Schalke. Die Kurve zeigt bei uns eindeutig nach oben."

Für Allofs war es dagegen "noch zu früh, um von Endspielen zu sprechen." Allerdings räumte er ein, dass "Werder neben Schalke ein Kandidat auf Platz zwei sei." Bei derzeit einem Punkt Rückstand wohl kein großes Wunder.

Den Lacher des Tages hatte Hertha-Coach Lucien Favre auf seiner Seite. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel beantwortete der Schweizer die Frage eines Journalisten nach dem Kampf um die Champions-League-Plätze ausführlich, ehe er merkte, dass diese dem Kollegen Schaaf gegolten hatte.

Aus Berlin berichtet Karl Dzuba / Eurosport