UEFA Cup - Werder: Eiskalt in der Hölle von Ibrox

Eurosport - Do 06.Mrz. 20:49:00 2008

Für Werder Bremen geht es beim UEFA-Cup-Hinspiel bei den Glasgow Rangers vor allem um eins: Nicht die Nerven verlieren. Keine leichte Aufgabe, denn die aufgeheizte Atmosphäre im Ibrox Park ist legendär. Doch die Nordlichter bleiben ganz "cool".

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Thomas Schaaf setzte auf ein spezielles Entspannungsprogramm: Der Werder-Trainer besuchte am Dienstagabend in Bremen ein Konzert der Kultband Earth, Wind and Fire. Ein wenig die eigene Jugend aufleben lassen und dabei noch Dampf ablassen schien ihm vor dem "Doppelschlag" mit der Partie gegen die Glasgow Rangers und zwei Tage später beim VfB Stuttgart wohl genau das Richtige zu sein: "Nein, getanzt habe ich nicht", wehrte Schaaf gewohnt trocken ab: "Aber ich bin richtig mitgegangen."

Wie auch immer dieses "mitgehen" beim stoisch-ruhigen Trainer der Norddeutschen ausgesehen hat, er wird seiner Mannschaft jedenfalls ein ähnliches Programm empfohlen haben. Denn am Donnerstagabend heißt es für die Bremer vor allem: Nerven bewahren. Das wird keine leichte Aufgabe, geht es doch in eines der berühmt-berüchtigsten Stadien Europas. Der Ibrox Park von Glasgow, prall angefüllt mit "Leuten, die sich total reinhängen und die ganze Zeit wie verrückt schreien", wie Stürmer Markus Rosenberg anmerkte, kann für eine Gastmannschaft leicht zur persönlichen Fußball-Hölle werden.

Diego ohne Angst vor erneutem Ausrutscher

Darüber herrschte am Mittwoch vor dem Abflug in Richtung Schottland traute Einigkeit bei den Grün-Weißen. Ein "schweres Spiel" vor "aufgeheizter Atmosphäre" mit "brutalem Fußball" würde es werden, hieß es unisono. Die Vorfreude war dennoch bei den Hanseaten spürbar. "Das ist ein Gegner, wie man ihn sich wünscht", sagte Per Mertesacker. "Ich war noch nie in Schottland und das will man in so einem Stadion einfach mal erleben. Die zelebrieren Fußball, zwar mit einer gewissen Härte, aber wir werden dagegen halten." Auch der wiedergenesene Kapitän Frank Baumann befand: "Es gibt einige Stadien, in denen man als Fußballer mal gespielt haben möchte. Aber wir spielen ja nicht zum ersten Mal in so einer Atmosphäre. Wir werden uns von der Kulisse sicher nicht einschüchtern lassen."

Das gilt wohl besonders für Werders Spielmacher Diego, der nach seiner Tätlichkeit für drei Ligaspiele gesperrt wurde, im UEFA Cup jedoch dabei ist. Ein erneuter Ausrutscher darf dem quirligen Brasilianer gegen Glasgow nicht noch einmal unterlaufen, wie oft ihn der Gegner auch foult oder provoziert. "Ich bin noch nie in ein Spiel gegangen und habe mir gesagt, dass ich jetzt aufpassen muss, um keine Rote Karte zu bekommen. Es kommt eben mal vor, aber es ist auch eine Ausnahme", erklärte Diego, der die Zwangspause nutzte, um noch härter zu trainieren als normalerweise. Seine Schambeinentzündung sei inzwischen ausgeheilt.

"Werden nicht verrückt spielen"

Mit dem FC Porto hat Diego bereits erste Erfahrungen im Ibrox Park gesammelt, und zwar keine guten: "Mit dem 2:3 waren wir damals nicht zufrieden. Und auch dieses Mal zählt für uns nur der Sieg. Wir müssen ein Tor machen und diesen Vorteil dann auch mit nach Hause nehmen", sagte Diego. Intelligent spielen, nannte er es und das wird auch nötig sein, um gegen das körperbetonte und aggressive Attackieren der Gastgeber zu bestehen. "Es zeigt auch die Klasse, wenn wir in so einer hitzigen Atmosphäre kühlen Kopf bewahren. Wir werden schon nicht verrückt spielen", betonte Baumann. Und doch würde es von Schaaf zum Thema Selbstbeherrschung noch eine erneute Ansprache vor dem Anpfiff geben.

Sportdirektor Klaus Allofs konnte eigene Erfahrungen zur Diskussion beisteuern, mit seiner Kölner Mannschaft hatte er zu aktiven Zeiten mehrfach in Glasgow gespielt. "Es ist wirklich etwas ganz Besonderes dort und die Fans unterstützen ihr Team bedingungslos. Ich habe dort zwar meist verloren, aber es waren trotzdem tolle Erfahrungen", erinnerte sich Allofs.

Aus dem aktuellen Team der Schotten sei kein Einzelspieler hervorzuheben, doch das starke Kollektiv, das auch auf internationaler Bühne für Furore gesorgt hatte, sei enorm gefährlich, so Allofs. "Von Beginn an voll dagegen halten, lautete daher auch die Ansage von Defensivkraft Clemens Fritz, der aufgrund einer Knochenabsplitterung in der rechten Hand mit einer Spezialschiene spielen muss. "Ist doch super, wenn es da zur Sache geht. Und besser als die lahme Stimmung in Braga ist es sowieso."

Die Vorfreude auf die Atmosphäre wird durch personelle Probleme im Sturm getrübt: Boubacar Sanogo fällt kurzfristig aus."Er fühlt sich nicht gut und kann nicht trainieren", sagte Trainer Thomas Schaaf. Dazu sind Ivan Klasnic und Hugo Almeida noch nicht hundertprozentig fit.

Petra Philippsen / Eurosport