Bundesliga - FC Bayern: Zu lieb, zu starr, zu schwach
Mo 06.Feb. 12:22:00 2012
An der Säbener Straße schrillen die Alarmglocken. Die Tabellenspitze ist futsch, plötzlich sind alle Ziele der Münchner gefährdet. Doch wo liegen die Gründe? eurosport.yahoo.de analysiert die Problemfelder beim Rekordmeister.
Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen (twitter: @DanielRathjen)
Trainer Jupp Heynckes ist die Ruhe in Person. Die Frage ist: Wie lange noch?
Der FC Bayern stolpert in die Rückrunde: In Gladbach verloren, gegen Wolfsburg verkrampft gewonnen und beim Hamburger SV am Samstag nur 1:1 gespielt. Die Tabellenführung haben die Münchner so an die leichtfüßigen Dortmunder verloren.
Warnende Worte werden laut: "Ich bin sicher, dass das nicht reicht zum Titel", merkte Ivica Olic an. Und Sportdirektor Christian Nerlinger ergänzte: "Das ist kein optimaler Start in die Rückrunde. Wir sind jetzt unter Druck. Das sagt alles."
Die Zahlen sprechen ebenfalls für sich. Ob erzielte Tore pro Spiel (1,33), kassierte Treffer (1,33), eigene Chancen (5,67), gegnerische Möglichkeiten (3,33) oder gewonnene Zweikämpfe (49,1 Prozent) - jede Statistik ist deutlich schlechter als die der Hinrunde.
Doch woran liegt es, dass die Bayern, die so meisterhaft durch die Hinrunde marschierten, plötzlich so kriseln?
Die Einfallslosigkeit
Im Mittelfeld läuft der Ball, dann fehlt der letzte Tick, der finale Pass - der Killerinstinkt. HSV-Trainer Thorsten Fink bewies mit seinem Team, dass auch technisch unterlegene Gegner mit Einsatz und Teamgeist locker mithalten können. Die Münchner mussten sich mit einem Glückstor von Olic begnügen. Die Ballzirkulation ist kein Bayern-Problem, eher dass die Kreativität an der Strafraumgrenze fast immer ein abruptes Ende findet.
Es ist bezeichnend, dass drei von vier Treffern in der Rückrunde nach Standardsituationen fielen. Die Flügelspieler rochieren wenig, auch Mario Gomez bewegt sich im Sturmzentrum kaum. Das macht die Bayern berechenbar - und lässt sie letztlich einfallslos wirken.
Der zweite Anzug
Das Problem mit der B-Elf ist, dass es sie nicht gibt. Abwehrchef Daniel van Buyten ist verletzt, Rafinha war zuletzt gesperrt. Die erste Mannschaft steht, dahinter ist es dünn, was Franck Ribéry in der vergangenen Woche auch schon öffentlich kritisierte.
Das heißt: Auch von der Bank kommt kein Überraschungsmoment. David Alaba, bei Heynckes die erste Option für eine Einwechslung, lässt keinen Gegner vor Ehrfurcht erzittern. Anatoli Timoschtschuk musste in Hamburg rechts aushelfen und war ein Totalausfall.
Takashi Usami, Breno und Danijel Pranjic sind vollkommen außen vor, Nils Petersen scheint nicht in der Lage, genug Druck auszuüben. Und warum Ivica Olic nicht öfter eine Chance bekommt, weiß auch nur Heynckes allein.
Unabhängig davon: Nach der Absage von Marco Reus soll der Schweizer Nationalspieler Xherdan Shaqiri vom FC Basel kommen. Laut "kicker" stehen die Münchner kurz vor einem Vertragsabschluss. Die Ablösesumme soll zwischen zehn und zwölf Millionen Euro betragen.
Spekulationen um eine dringend benötigte Verstärkung für die Defensive gibt es derweil noch nicht.
Mit dem Neuzugang von Manchester City wurden große Hoffnungen verbunden. Eigentlich war er fest als Innenverteidiger eingeplant, doch viel öfter agierte er als rechter Verteidiger. "Boateng und Robben - das passt nicht", schimpfte daraufhin Ehrenpräsident Franz Beckenbauer.
Durch die ständigen Verschiebungen kann sich Boateng nirgendwo festspielen, die Konsequenz sind Stellungsfehler. Insgesamt ist der 23-Jährige noch nicht keine verlässliche Stütze.
Auf der "Zehn" ist er am wertvollsten. Das sieht er selbst so, das sieht der Trainer so und die Teamkollegen ebenfalls. Doch er musste während der Verletzung von Bastian Schweinsteiger und nun aufgrund der Sperre von Rafinha im defensiven Mittelfeld aushelfen.
Deshalb muss auch Thomas Müller Regie führen, obwohl er seine Stärken in der Hinrunde besser auf dem rechten offensiven Flügel ausspielte. Hinzu kommt, dass der WM-Held von 2010 im Formtief steckt und seine Torgefährlichkeit darunter leidet.
Die Außen
Mittlerweile weiß jedes Team, wie das System des FC Bayern geknackt werden kann. Die Außen Franck Ribéry und Arjen Robben werden konsequent gedoppelt oder sie sehen sich gar drei Gegenspielern gegenüber. Selbst der dribbelstarke Ribéry kommt nicht mehr durch. Robbens Distanzschüsse sind lange in der Luft und für gute Bundesliga-Keeper deshalb kaum problematisch.
Was kann helfen?
Heynckes muss sich klar bekennen und eine Entscheidung zwischen Müller und Robben treffen, damit Kroos wieder zurück auf die Zehn kann. Noch hält er sich öffentlich mit Kritik zurück und filtert das Positive heraus.
"Hier zählen nur Siege", weiß der 66-Jährige nur zu gut. Ein Pokalerfolg am Mittwoch beim VfB Stuttgart wäre auch für Robben der mögliche Schlüssel für die Wende zum Besseren. "Wir brauchen einfach nur 'mal wieder einen souveränen Sieg, das würde uns befreien", meint der Niederländer.
Video: BVB-Coach Klopp im Eurosport-Interview
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