Eurosport - Di 06.Jan. 18:45:00 2009
Gernot Bauer ist bei der Dakar 2009 in Argentinien und Chile als Reporter unterwegs und wirft für eurosport.yahoo.de regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen ins Fahrerlager. Heute: Biwak-Tour.
Jeden Abend bevor ich mich ins Zelt verkrieche und den Sand aus dem Schlafsack schüttel, drehe ich noch eine Runde im Biwak. Manchmal begleitet mich dabei Toby Moody, der Kommentator des Weltsignals und Eurosport-Mann bei der MotoGP.
Dabei entdeckt man den wahren Geist der Dakar, sieht die echten Helden. Nicht dass die Fahrer der Werksteams keine Helden wären. Aber bei der Dakar sind es zwei Rallyes, die parallel stattfinden. Die der Profis und die der Amateure. Dabei spielen sich immer wieder kleine Dramen ab.
Hände von Schwielen gezeichnet
So beginne ich meinen Rundgang meist mit dem "Medical tent". Dort sehen wir einen Motorradfahrer, der sich bei einem kleinen Sprung oder Stoss die Zunge in zwei Teile gespalten hat. Fast abgebissen hat er sich die Spitze. Und dass nach nur etwa 5 Kilometern. Das Blut und der enge Helm ließen seinen Hals anschwellen und er musste immer wieder anhalten um genügend Luft zu bekommen. Dennoch fährt er die Rallye weiter.
Im Essenszelt, das immer - eine alte Dakar-Tradition - um ein großes Lagerfeuer herum gebaut wird, sieht man dreckverschmierte Gesichter, gezeichnet von Staub, Öl, Dreck und kleinen Schrammen. Die Hände, die nach dem Brot greifen sind von Schwielen gezeichnet, vom Drehen an Gashahn und Bremsen. Während die Werksfahrer sich schon ins Hotel begeben, werkeln die Jungs ohne Mechaniker und Service alleine an den Bikes.
"Gerne würde ich mit Dir tauschen"
Beim Abendessen treffe ich auch Yvan Muller, amtierender Tourenwagen-Meister der WTCC. Er fährt seine zweite Dakar. Nach seinem Debüt an der Seite des Ex-Siegers Rene Metge hat er sich diesmal einen Buggy von SMG des Dakar-Veteranen Phillipe Gache gemietet. Hungrig schlingt er sein Essen hinunter, lädt mich auf einen kleinen Smalltalk in sein Camp ein. Ein Kamera-Team filmt ihn bei der Vorbereitung, geduldig bestreitet er das Interview, dann entschuldigt er sich: Zu müde und das Road Book muss er auch noch machen.
Am nächsten Tag sende ich in seinem Namen eine Email an seine Freundin Justine via Facebook. Sie stärkt ihm den Rücken von zuhause aus und schickt SMS, abends gibt es einen kurzen Anruf auf dem Satelliten-Telefon. Justine, mit der ich bei den 24 Stunden von Le Mans zusammen arbeitete, schreibt: "Gerne würde ich mit Dir tauschen."
Bevor Yvan heute Abend in seinen sandigen Schlafsack steigt, wird er wohl wieder Aufbauendes auf seinem Handy lesen. Denn die Dakar kann man nie alleine bestreiten. Rallye Raid ist ein Teamsport.
Kommentare 1 - 1 of 1
Habe auf der DAKAR website gelesen, das sich Müller nicht weiter vorbereitet hat. Gut, er hat sicher Kondition vom Tourenwagensport. Aber mal sehen, ob er das alleine durchhält. Hoffe er packt es!
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