München (dpa) - Generalprobe für Olympia, Stimmungstest für die Heim-WM und Werbung für München 2018 - Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp soll beim Deutschland-Cup gleich drei große Herausforderungen auf einmal meistern.
«Ein hartes Programm, aber ich bin mir dieser Aufgabe bewusst», sagt Krupp, auf dessen Fahrplan die Winterspiele im Februar in Vancouver absolute Vorfahrt haben: «Dieses Turnier hat für mich einen Testcharakter, denn es ist die einzige echte Vorbereitung, die wir vor Olympia haben». Der Formcheck in der Münchner Olympia-Halle beginnt am 6. November mit dem Spiel gegen die USA, die Slowakei und Erzrivale Schweiz sind die weiteren Gegner.
«Wir stehen vor einer Saison der Herausforderungen», hebt Sportdirektor Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) die Bedeutung des Traditionsturnier hervor, das erstmals nach zwölf Jahren wieder auf Münchner Eis stattfindet. Aber Krupp steht da, wo er vor viereinhalb Jahren angefangen hat. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) liegt weiter im Argen, und die Schlüsselpositionen in den Vereinen werden von Ausländern besetzt. Defizite in der Nachwuchsarbeit ärgern Krupp schon lange: «Wo sind unsere U20-Spieler? Die fahren ihr schönes DEL-Auto, sammeln aber nur die Pucks ein».
«Dieses Umfeld ist kontraproduktiv für die deutschen Spieler», moniert Krupp, der 1996 mit Colorado Avalance als bisher einziger Deutscher den Stanley-Cup in der nordamerikanischen Profiliga NHL gewann, «unter den heutigen Zuständen hätte ich nie den Sprung in die NHL geschafft.» Dass sich die DEL als international konkurrenzfähig sieht, gefällt Krupp gar nicht. «Das ist ein Problem. Wir sehen uns da, wo wir überhaupt nicht sind», kritisiert der gebürtige Kölner, der sich mit der bitteren Realität abgefunden hat: «So hart es klingt, aber bei Olympia werden wir ohne gute Vorbereitung antreten».
Doch Krupps Eishockey-Herz schlägt amerikanisch. Nicht jammern, sondern kämpfen lautet sein Motto. «Wir wollen testen, aber auch jedes Spiel gewinnen», kündigt er selbstbewusst den erneuten Anlauf auf den ersten Turniersieg seit 1996 an. Hundert Tage vor Olympia (12. bis 28. Februar) und sechs Monate vor der Weltmeisterschaft (7. bis 23. Mai) in Mannheim, Köln und dem Eröffnungsspiel vor über 76 000 Zuschauern in der Veltins-Arena auf Schalke steht Krupp unter Druck, denn schon im Dezember muss er sein vorläufiges Olympia- Aufgebot benennen.
Personalsorgen zwingen den 44-Jährigen zum Experimentieren. In Alexander Barta (Hamburger Freezers), Christoph Ullmann (Kölner Haie) und Michael Hackert (Adler Mannheim) fallen die besten Mittelstürmer verletzt aus. Mannheims Verteidiger Sven Butenschön sagte wegen eines viralen Infekts kurzfristig ab. Erstmals dabei sind Torhüter Rob Zepp von Meister Eisbären Berlin, Verteidiger Jakub Ficenec (ERC Ingolstadt) und Stürmer Thomas Holzmann (Kassel Huskies). Eine zweite Chance bekommt Thomas Greilinger aus Ingolstadt. «Auf ihn sind wir besonders gespannt», sagt Krupp über den einst als Jahrhunderttalent gepriesenen Angreifer. Eine schwere Knieverletzung warf Greilinger aus der Bahn, in der bayerischen Provinz kehrte er aufs Eis zurück und feiert nun sein Comeback im Nationaltrikot.


Bild vergrößern

Bitte melden Sie sich an.
Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos Registrieren.