Bundesliga - Punkte ohne Spielkultur

Eurosport - Mo 06.Okt. 01:07:00 2008

Der HSV hat einen fulminanten Saisonstart hingelegt und grüßt vom Platz an der Sonne. Baustellen gibt es aber genug an der Elbe, die Siege wurden eher hart erkämpft als leicht erspielt. Vor allem das zentrale Mittelfeld wirkt merkwürdig verwaist.

FOOTBALL 2008-2009 DFB-Pokal Hamburg Trochowski Yahia - 0

Als der HSV-Tross am Freitag um 13.45 Uhr in Hamburg-Fuhlsbüttel landete, war ein leises Lächeln in den erschöpften Gesichtern zu erkennen. Schließlich hatten die "Rothosen" mit einem 2:0-Sieg über Unirea Urziceni die Gruppenphase des UEFA Cups erreicht. Infolge der reichlich strapaziösen Reise ins ferne Rumänien und mit dem Erfolg im Gepäck hatte Trainer Martin Jol dann auch prompt die veranschlagte Nachmittagsschicht für erledigt erklärt. Ausschlafen und Regenerieren war angesagt, schließlich geht es am Samstag gleich weiter in den deutschen Osten, nach Cottbus, wo die Hamburger bei Energie ihre Tabellenführung behaupten wollen.

"Wir haben in Cottbus zuletzt nicht gut ausgesehen", erinnert HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer daran, dass die Hanseaten in den vergangenen fünf Partien nur zwei Punkte aus der Lausitz mit nach Hause nehmen konnten. Trainer Martin Jol bläst dennoch zur Attacke. "Wir wollen gewinnen, haben nichts zu verschenken", fordert er. Beim Stichwort Tabellenführung hält sich der Niederländer aber zurück. "Es geht um 16 Punkte auf dem Konto und nicht darum, Erster zu sein", beschwichtigt der clevere Coach.

Charakterstarke Mannschaft

Wenn Jol überhaupt etwas lobt, ist es der Charakter und ein felsenfester Wille, der seine Mannschaft prägt. Dies offenbarte sich auch nach der bitteren 0:3-Pleite beim VfL Wolfsburg, die tapfer weggesteckt wurde. In der Folge schlugen drei wichtige Siege zu Buche, der Achtelfinaleinzug im DFB-Pokal und die nun genommene UEFA-Cup-Hürde waren der verdiente Lohn. In der Liga gab es zuletzt dann ein schmuckloses 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach, der den Hamburgern den Platz an der Sonne bescherte.

Doch der Traditionsklub an der Elbe befindet sich in der noch jungen Saison in einem intensiven Selbstfindungsprozess auf hohem Niveau. Ausruhen will sich beim HSV niemand, der erste Rang wird als positive Momentaufnahme bewertet, mehr nicht. Auch Jol ist nicht entgangen, dass es spielerisch noch viel Luft nach oben gibt. So musste sein Team in den ersten vier Saisonspielen dreimal einem 0:2-Rückstand hinterher rennen. Zähneknirschend stabilisierte der Trainer die Defensive. "Wir müssen organisierter spielen, weniger Tore kassieren", kritisierte er den attraktiven aber risikofreudigen Hurrastil seiner Mannschaft. Drei Spiele ohne Gegentor waren die Konsequenz einer nun strengeren taktischen Ordnung.

Petric Mann der Stunde

Dass es vorne trotzdem für die nötigen Treffer reicht, ist vor allem dem Mann der Stunde in Hamburg, Mladen Petric, zu verdanken. Der kroatische Nationalspieler trifft am Fließband, die letzten fünf Tore in drei Partien gingen allesamt auf das Konto des Neuzugangs. Auch Marcell Jansen fügt sich immer besser in die Mannschaft ein. Dafür müssen die beiden brasilianischen Neuverpflichtungen, Thiago Neves und Alex Silva, momentan auf der Bank schmoren. "Wir haben von vornherein gesagt, dass es dauert", mahnt Jol Geduld an und ergänzt: "Dass wir noch nicht komplett eingespielt sind, liegt vor allem daran, dass van der Vaart spät gegangen ist und wir erst danach auf dem Transfermarkt handeln konnten."

Der Niederländer trumpft gerade bei Real Madrid furios auf und schickt sich an, seinen tollen drei Jahren beim HSV den nächsten Sprung in die absolute Weltklasse folgen zu lassen. Moralisch wurde der Weggang des sympathischen Ausnahmekönners umgehend und professionell kompensiert, spielerisch hinterlässt er eine große Lücke.

Ohne echten Zentralspieler

Denn zwischen Diskussionen um Ordnung im Abwehrverbund und einer frechforschen, mitunter vogelwilden Offensive wird oft übersehen, dass vor allem das Hamburger Zentralspiel merkwürdig verwaist wirkt. Auch wenn Piotr Trochowski bisher eine tolle Saison gespielt hat, er ist eher ein Halbfeldspieler als ein Regisseur. David Jarolim und Nigel de Jong sichern zwar konsequent das Mittelfeld ab, zündende Ideen und inspirierende Aktionen gehen aber auch von dem oft in die Zentrale vorstoßenden Jarolim zu selten aus.

Eben für diesen Posten ist Neves geholt worden, quasi als 1:1-Ersatz für van der Vaart. Nun wartet nicht nur Jol auf die schnelle Integration und eine dem Punktestand entsprechende blühende Spielkultur. "Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen", sagt der HSV-Trainer und schickt schmunzelnd hinterher: "Aber auf einem guten Weg dahin."

Martin Sonnleitner / Eurosport

Kommentare 1 - 11 of 11

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  1. p.s. aktuallisiert mal eure vereinsseite des hsv.....das torverhältnis stimmt nicht und als trainer führt ihr immer noch huub stevens....soviel zum thema sachkenntnis....

    Von detlef s, am Di 7.Okt. 0:58
  2. schickt euren vernagelten reporter......oder was immer er glaubt zu sein.....endlich in die wüste.....
    unsere jungs haben den besten saisonstart seit ...ich glaube über 10 jahren hingelegt... und ihr seid nur am meckern.....
    lieber durchwachsen spielen und gewinnen als, wie in der vergangenheit, schön spielen und verlieren.....
    ich glaube, eure durch die vereinsbrille schauenden reporter können nur nicht ertragen, wo die arroganten bayern und bremer zur zeit herumdümpeln.....

    Von detlef s, am Di 7.Okt. 0:55
  3. Leute Leute Leute , ich verstehs manchmal echt nicht .

    Ja die deutschen Sportmedien schreiben viel über den FC Bayern München , oder Schalke 04 . Und ja sie schreiben nicht ganz soviel über Kickers Emden und Eintracht Braunschweig .

    Aber schauen wir mal nach Spanien , da gibts ja sicher noch jede Menge mehr Sportmedien wie bei uns ,zumindest gefühlte "grins" .Und über was berichten die hauptsächlich ?

    Bingo Real Madrid und dem FC Barcelona . Und ich glaube , und bin mir ziemlich sicher, da polltert auch keiner los wenn Osasuna oder Numancia weniger Medienaufmerksamkeit hat wie die Aushängeschilder.

    Und wenn man sich die Nachrichten von Eurosport durchliesst ist doch wirklich jede Menge auch über andere Clubs zu lesen und nicht nur Bayern . Bayern bleibt aber halt mal das Aushängeschild in Deutschland selbst wenn se mal 11. sind .

    Und ob man die Bayern nu mag oder nicht ,ganz nüchtern betrachtet haben sie sich das ja auch irgendwo verdient . Die sammeln die Meisten Titel , basteln an den meisten Skandalen und haben auch überwiegend die intressantesten Köpfe dort spazieren (ok das kann man negativ oder possitiv sehen "grins")

    Von Divon, am Mo 6.Okt. 9:36
  4. naja, Bayern ist halt einer der 'beliebtesten' und gleichzeitig meist gehassten Vereine in Deutschland. Da lohnt es sich einfach für Eurosport viel darüber zu berichten. Ich würde auch gern über Eintracht Braunschweig lesen, aber ich verstehe auch, daß eurosport nach der größe der potentiellen Leserschaft gehen muß.

    Von Volker Armin H, am So 5.Okt. 19:45
  5. naja, Bayern ist halt einer der 'beliebtesten' und gleichzeitig meist gehassten Vereine in Deutschland. Da lohnt es sich einfach für Eurosport viel darüber zu berichten. Ich würde auch gern über Eintracht Braunschweig lesen, aber ich verstehe auch, daß eurosport nach der größe der potentiellen Leserschaft gehen muß.

    Von Volker Armin H, am So 5.Okt. 18:13
  6. nachtrag......wenn darauf verwiesen wird, das aufgrund des Sitzes München aus erster Hand berichtet wird....wo sind dann bitte ...die gleiche Anzahl und in der selben ausführlichkeit ....Berichte über den TSV 1860 München ?

    Von montebaracho, am So 5.Okt. 14:49
  7. Was allerdings nichts daran ändert,das es hier immer mehr den Anschein hat, das dieSeite hier mehr und mehr zur Bayern München Reklamelittfasssäule verkommt.Was das DSF im Fernsehen , ist Yahoo/Eurosport im Internet------ eine reine Bayern München Werbeveranstaltuung.

    Von montebaracho, am So 5.Okt. 14:45
  8. Liebe User,
    die Tatsache, dass wir sehr häufig Bayern-Artikel auf unserer Seite haben, hat nichts mit einer generellen Bevorzugung des FC Bayern München zu tun, sondern schlicht mit der Tatsache, dass sich die Eurosport-Redaktion Deutschlands in München befindet und die Redakteure dementsprechend oft beim FCB "vor Ort" sein und damit aus erster Quelle berichten können.

    Viele Grüße,
    Eurosport-Redaktion

    Von Eurosport-Redaktion, am So 5.Okt. 11:33
  9. Es wird ja auch mal zeit das sich der HSV stabilisiert. Nach den jahren mit Doll und Stevens, die an Konstanz doch stark zu wünschen übrig ließen. Nach einer guten Phase, kammen immer wieder Phasen, in denen es fast zum Abstieg gereicht hätte. Die Frage st nicht ob die Mannschaft Meister wird, sondern ob sie sich endgültig da oben auf jahre oben festsetzten können. Den Fakt ist, wenn es beim HSV mal nicht läuft, gehts meistens steil bergab. Und wenn dann die Brasilianer nicht integriert sind, werden sie schnell zu Millionengräbern. Die Mannschaft hat auf dem Papier die chance Meister zu werden und das muß verdammt nochmal auch ihr anspruch sein und da wäre ein 2.Platz schon eine Verfehlung des Saisonziels. Schalke hat gezeigt, dass es sehr schwer ist Meister zu werden, genauso wie Stuttgart gezeigt hat das man es schaffen kann wenn wirklich alles stimmt. Na dann viel Glück HSV... gönnen würde ich es euch.

    Von sebastian.steinberg, am Sa 4.Okt. 17:11
  10. Kann dir nur zustimmen!
    Außerdem: Wir gewinnen jetzt schon, OBWOHL die Mannschaft nicht eingespielt ist. In nem halben Jahr, wenn alles in geordneten Bahnen läuft. gibt das richtig Schlach in Nacken.

    Von luetjesteffen, am Sa 4.Okt. 14:08
  11. Man sollte vielleicht keine Bremer und Bayern mehr die HSV Artikel schreiben lassen...das sind wohl die einzigen die bei einer Tabellenführung noch rummeckern und alles schlecht machen.

    Wie man nach oben gelangt ist, ist am Ende vollkommen gleichgültig, man steht oben, Punkt.

    Bayern hat die Hälfte ihrer Meisterschaften mit gruseligem Graupenfussball geholt und trotzdem steht da jetzt kein Sternchen hinter diesen Meisterjahren, mit der Anmerkung, dass sie aber eigentlich gar nich so gut gespielt haben...denn am Ende ist ein Sieg ein Sieg und eine Meisterschaft eine Meisterschaft.

    Von bzbub, am Sa 4.Okt. 13:52
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