Nürnberg (dpa) - Die Olympia-Hoffnungen Robert Harting, Ariane Friedrich und Betty Heidler haben ihre Titel bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften zwar verteidigt, doch «Aufsteiger» gab es im Stadion des Bundesliga-Absteigers 1. FC Nürnberg nicht.
Bezeichnend für die eher durchschnittlichen Leistungen: Ausgerechnet ein Ehrengast kassierte den größten Beifall der rund 14 500 treuen Fans. Der fünfmalige Diskuswurf-Weltmeister Lars Riedel wurde drei Tage nach seinem Rücktritt nun auch offiziell vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) aus der Nationalmannschaft verabschiedet.
Einer von Riedels «Erben», Vizeweltmeister Harting (Berlin), war erneut der Chef im Ring: Mit 66,26 Metern setzte sich der selbst ernannte Olympia-Medaillenkandidat vor dem Wattenscheider Michael Möllenbeck durch, der mit 62,98 Metern die für Peking geforderte zweite Normerfüllung (64,50) erneut verpasste.
Die nächste Ein-Frau-Show lieferte Hochspringerin Ariane Friedrich, die beim Einspringen böse stürzte. «Ich hab mich da flach gelegt und auf einmal den Boden geküsst. Ich weiß immer noch nicht, warum», sagte die Frankfurterin nach dem Wettkampf mit schmerzverzerrtem Gesicht und kühlte sich ihre dicken Knie mit Eisbeuteln. Dennoch spielte sie mit der Konkurrenz: Mit einem weiteren Zwei-Meter-Sprung verfehlte Friedrich ihre Saisonbestleistung vom Europacup in Annecy nur um drei Zentimeter.
Trotz ihres vierten Titels in Serie war Nürnberg für Hammerwurf-Weltmeisterin Heidler eine weitere Enttäuschung. «Schlechte Weite, schlechter Wettkampf. Ich bin mit viel Vorfreude und Optimismus hergekommen und konnte überhaupt nicht umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte», meinte die 24-Jährige von der LG Frankfurt/Main nach der ersten Entscheidung, die sie mit nur 68,64 Metern vor ihrer Vereinskollegin Andrea Bunjes (64,00) gewann.
Bereits im Vorlauf hatten sich die besten 800-Meter-Läufer geschworen: Diesmal packen wir die Norm! Chef-Bundestrainer Jürgen Mallow engagierte den Dortmunder Steffen Co sogar als Tempomacher - doch es wurde wieder nichts: René Herms (Braunschweig), Olympiasieger Nils Schumann (Erfurt) und Nachwuchsmann Robin Schembera (Leverkusen) verpassten die Richtzeit von 1:45,50 Minuten um mehr als eine Sekunde. Herms: «Man hat gemerkt, dass alle wollen. Aber irgendwie klappt's nicht.» Schumann blieb als «alter Hase» gelassen: «Wenn man's drauf hat, macht man's einfach.»
Ex-Europameister Ingo Schultz hat das 400-Meter-Finale und damit seine letzte olympische Staffelchance klar verpasst. Der 32-Jährige von Bayer Leverkusen musste sich im Vorlauf mit schwachen 47,12 Sekunden und Platz 11 begnügen. Kurzkommentar: «Ich sag' dann mal Tschüss.»



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