Bundesliga - Die Krisensaison geht zu Ende

Eurosport - Fr 05.Jun. 12:49:00 2009

Insolvenzen, Betrugsvorwürfe, sportliche Eintönigkeit: Mit dem Souverän THW Kiel im Zentrum beschließt die Bundesliga am Wochenende eine Krisen-Spielzeit. "Das war keine einfache Saison", bilanzierte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL.

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"Es gab wirtschaftliche Turbulenzen bei einigen Clubs, was unter anderem zur Verschärfung der Lizenzbedingungen geführt hat, die Manipulationsaffäre ist vom Himmel auf uns gefallen und sportlich war die Saison nicht von riesiger Spannung geprägt."

Nur die Krönung blieb versagt

So früh wie keine Mannschaft zuvor hat sich der THW Kiel den Titel gesichert, den die Spieler um Kapitän Stefan Lövgren am Samstag auf dem Rathausplatz mit den Fans ausgiebig feiern wollen. Schon nach 29 von 34 Spieltagen stand das Team von Trainer Alfred Gislason zum 15. Mal als Meister fest.

"Die Art und Weise dieses Titels war schon beeindruckend", erkannte Lövgren an. Anschließend krönte sich der Rekordmeister mit dem sechsten Pokalsieg auch zum Rekordcupsieger. Auf der Grundlage des Startrekords von 28 Meisterschaftsspielen ohne Niederlage verbesserte der Branchenprimus auch den Punktrekord (62:6) und sammelte als erste Mannschaft mindestens 63 Zähler. Nur die Krönung blieb versagt: Das Endspiel der Champions League und damit das zweite Triple nach 2007 ging verloren.

Manipulationsaffäre nicht ausgestanden

"Es war eine überragende Saison. Schade, dass sie es nicht geschafft haben. Bis auf das Endspiel waren sie über jeden Zweifel erhaben", sagte Bohmann. Doch überschattet waren die glanzvollen Leistungen der Kieler um ihren scheidenden Welt-Star Nikola Karabatic von der weiterhin schwelenden Manipulationsaffäre. Noch immer stehen die unbewiesenen Vorwürfe im Raum, der THW hätte inklusive des gewonnenen Finales 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt zehn Champions-League-Spiele durch Schiedsrichter-Bestechung manipuliert.

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug gegen den ehemaligen Manager Uwe Schwenker und wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Untreue gegen den ehemaligen Trainer Zvonimir Serdarusic. Beide weisen die Vorwürfe zurück, doch weiter ungeklärt ist der Verbleib von 152.000 Euro aus dem Bestand des THW Kiel.

Auch wenn der Deutsche Handballbund (DHB) nach Befragung aller seiner Schiedsrichter den Referees für die letzten drei Jahre national eine weiße Weste attestierte, hat die HBL Anti-Korruptions-Maßnahmen erarbeitet, die auf der Mitgliederversammlung am 27. Juni beschlossen werden und von nächster Spielzeit an gelten sollen.

Lizenzierungsbedingungen verschärft

Dagegen greifen die verschärften Lizenzierungsbedingungen als Reaktion auf die Insolvenzen der Erstligisten HSG Nordhorn und TuSEM Essen bereits. Der VfL Gummersbach, der HSV Hamburg und der SC Magdeburg, der Stralsunder HV und Zwangsabsteiger HSG Nordhorn sowie Zweitligist Concordia Delitzsch hatten am 20. Mai die Spielgenehmigung für die kommende Saison nur unter Vorbehalt bekommen.

Alle sechs Vereine reichten bis zum Donnerstag fristgerecht Unterlagen nach und müssen nun auf der Ergebnis der Prüfung durch die Lizenzierungskommission warten. Diese will bis spätestens Mitte nächster Woche eine Entscheidung über die Lizenzvergabe fällen.

"Das dicke Ende mag noch kommen"

Trotzdem schätzt Bohmann die wirtschaftliche Arbeit in den Vereinen als seriös ein. "Es ist keine akute Misswirtschaft festzustellen. Es ist nur schwerer, Geld zu verdienen. Der überwiegende Teil der Vereine hat sich den wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst und versucht, auf die Bremse zu treten", urteilte der HBL-Geschäftsführer, warnte aber vor Euphorie: "In einem schweren Umfeld ist die wirtschaftliche Entwicklung positiv, auch wenn das dicke Ende noch kommen mag."

dpa / Eurosport

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