Bundesliga - Olic: "Treppensteigen war schon schwer"
Ivica Olic hat den FC Bayern im wahrsten Sinne des Wortes im Sturm erobert, doch seit seinem Knorpel- und Meniskusschaden im November 2010 muss der Kroate zuschauen und sich mit Reha-Maßnahmen herumplagen. Im Interview gewährt der 31-Jährige Einblick in sein Seelenleben und seine Hoffnungen.
Am 9. Spieltag haben Sie beim 0:0 gegen den HSV Ihr letztes Spiel bestritten, es folgte eine mehrmonatige Zwangspause. Wie geht es Ihnen jetzt?
Ivica Olic: Meine Verletzungszeit dauert bald ein halbes Jahr, und es wird langsam langweilig. Um ehrlich sein, ich hatte auch wenig Geduld. Aber in den vergangenen zwei Wochen konnte ich gut trainieren, habe schon erste Läufe abseits des Laufbandes gemacht. In einer Woche möchte ich dann auch wieder draußen trainieren.
Ist so ein langer Ausfall doppelt bitter, wenn man beim FC Bayern spielt? Die Konkurrenz ist ja größer als bei den meisten anderen Vereinen.
Olic: Das habe ich nicht so empfunden. Egal wo du spielst, es ist immer schwer und die Konkurrenz ist da - wenngleich sie bei Bayern noch ein Tick größer ist als anderswo. Für mich zählt aber in erster Linie, dass ich gesund werde und wieder 100 Prozent bringen kann. Wenn ich dann meine Einsatz-Minuten bekomme, werde ich zeigen, was ich kann.
Haben Sie Ihre vielen Reha-Stunden eigentlich gezählt?
Olic: Nein, aber am Anfang war es sehr schwer, denn ich musste da in dieser Bewegungsmaschine liegen. Das war die schlimmste Zeit. Acht Stunden am Tag, zwei Monate am Stück.
Acht Stunden pro Tag? Wie haben Sie die rumgebracht?
Olic: Puuh! Ich habe mir im Fernsehen die Spiele der 1. Liga angeschaut, der 2. Liga und auch der 3. Liga. Du sieht alles, jedes Spiel und jeden Film - und dann ist das Ganze immer noch nicht vorbei gewesen. Am Ende konnte ich nichts mehr sehen oder lesen. Aber das liegt jetzt zum Glück hinter mir und ich kann wieder Sport machen.
Gibt es einen Plan wie es weitergehen soll und wann Sie wieder spielen wollen?
Olic: Wenn die Mannschaftskollegen in den Urlaub gehen, werde ich weiter trainieren. Mein Ziel ist es, dass ich die Vorbereitung für die kommende Saison komplett und vom ersten Tag an mitmachen kann.
Also ist der Sommerurlaub für Sie gestrichen?
Olic: Ich muss trainieren, soviel steht fest. Und ich habe damit auch überhaupt kein Problem. Das habe ich schließlich früher auch schon mal gemacht. Es kann aber sein, dass sich meine Frau da mehr Gedanken macht (lacht).
Wie läuft das ab, bleiben Sie den Sommer in München oder sind Sie mit einem Privattrainer unterwegs?
Olic: Bis zum 10. Juni will ich in der Stadt bleiben und dann noch zwei Wochen woanders hin - aber ich muss unbedingt mein Programm durchziehen und dranbleiben. Zum Trainingsauftakt will ich dann voll da sein. Im Moment habe ich ein gutes Gefühl - und die Kraft ist auch wieder da.
Haben Sie noch Schmerzen?
Olic: Nein, nicht mehr. Daher konnte ich auch in den vergangenen drei Wochen meinen Trainingsplan mit hoher Intensität durchziehen.
Gab es in den vergangenen Monaten auch den Moment an dem Sie an ein Karriere-Ende gedacht haben?
Olic: Sagen wir mal so: Es gab gute und schlechte Tage in diesen sechs Monaten. Am Anfang hatte ich so meine Probleme. Da hatte ich permanent Schmerzen, mal hier, mal da. Und dann denkst du auch ein paar Tage lang negativ, aber wenn es dann vorangeht, ändert sich das. Zu Beginn war ja schon das Treppensteigen schwer. Als es dann wieder ging, war ich so glücklich wie sonst nach einem Tor. Man freut sich in solchen Situation über ganz andere Dinge. Die Hoffnung war aber stets da und ich wollte immer mehr machen - und dann bekommst Du auch neue Lust.
Weniger Lust dürfte Ihnen Ihre Rolle als Zuschauer gemacht haben. Aber wie bewerten Sie aus dieser Perspektive heraus den Saisonverlauf des FC Bayern?
Olic: Na ja, mit dieser Spielzeit ist keiner zufrieden hier. Wir haben keinen Titel geholt und darüber hinaus müssen wir auch noch um Platz drei kämpfen. Das entspricht nicht unserem Niveau und unseren Erwartungen.
Eine Titelmöglichkeit ist noch da. Mario Gomez kann die Torjäger-Kanone holen. Schafft er das?
Olic: Ja, ich denke schon. Mario hat eine gute Serie hingelegt und unsere Mannschaft trifft häufig. Zuhause sind wir zwar torgefährlicher als auswärts, aber ich hoffe, dass wir am Samstag beim FC St. Pauli unsere Treffer machen - und dann wird auch Mario seine Chancen bekommen.
TV-Tipp:
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