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Für uns Letten ist Eishockey alles

Mo 05 Mai, 20:23 Uhr


Seit Jahren sind sie ein wahres Phänomen bei internationalen Eishockeyturnieren. Gerade, weil sie nicht nur bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land, sondern vor allem in Austragungsorten wie Moskau und schließlich auch dieses Jahr Halifax für die beste Stimmung sorgen: Die lettischen Fans. Insgesamt 1000 Anhänger aus dem baltischen Staat sind zur 72. IIHF-Weltmeisterschaft in Kanada gekommen.

Welche Bedeutung Eishockey für einen Letten hat, erklären Roland und Maris, die auch in diesem Jahr mit der lettischen Nationalmannschaft nach Nova Scotia gereist sind, um ihre Jungs anzufeuern. Roland ist erst 22 Jahre alt und arbeitet bereits als Anwalt; Eishockeyfan ist er, seit er denken kann. Na gut, so richtig wohl erst, seit ich sechzehn bin, gesteht er schließlich ein. Zusammen mit seinem Freund Maris und zwanzig anderen Bekannten aus Riga hat er die Reise nach Halifax selbstständig geplant. Wir waren fast zwei Tage unterwegs, weil wir unseren Anschlussflug verpasst haben, erklärt Maris, der in Lettland in der Kommunikationsbranche arbeitet. Selbstverständlich haben sich alle extra Urlaub genommen, um hier her nach Kanada zu kommen. Die meisten von uns haben etwa vier Wochen Urlaub pro Jahr drei davon nehmen wir im Sommer, eine nur für die Eishockey- Weltmeisterschaft, verrät Maris nicht ohne ein bisschen stolz darauf zu sein, dass die feierfreudigen lettischen Fans bei allen internationalen Turnieren voller Begeisterung empfangen werden. Für uns Letten ist Eishockey alles, besonders zu dieser Zeit im Jahr. Frühling ist Eishockeyzeit. Wie erklären die beiden sich die Begeisterung, die gerade die Nationalmannschaft Lettlands bei den Fans auslöst? Lettland ist ein sehr kleines Land mit nur wenigen professionellen Eishockeyspielern. Ich denke, es ist das Gefühl, dass ein so kleines Land gegen die großen Nationen dieser Welt mithalten kann, dass uns so begeistert, analysiert Roland. Er kennt sogar einige ehemalige Nationalspieler Lettlands persönlich, Artus Irbe, den einstigen Stargoalie der Letten, zum Beispiel.

In Kanada gefällt es den beiden bisher sehr gut. Maris ist besonders angetan von der Freundlichkeit der Kanadier und Roland verrät dabei gleich etwas über die eigene Mentalität: Für gewöhnlich gelten wir Letten eher als ruhig und kühl, aber wir selbst sehen uns überhaupt nicht so. Und das kann sicherlich auch niemand, der die lettischen Eishockeyfans schon einmal live erlebt hat. So viel Stimmung und Freude verbreitet wohl keine andere Eishockeynation in den WM-Stadien.

Was aber trauen die beiden der lettischen Mannschaft in Halifax zu? Wir gewinnen natürlich, was wären wir denn für Fans, wenn wir etwas anderes glaubten?, sagt Roland voller Überzeugung, obwohl die Letten bereits das erste Spiel mit 0:4 gegen die USA verloren haben. Die lustige Gruppe aus Riga hat ihren Urlaub in Halifax wohl auch aus weiser Voraussicht nur für die Vorrunde gebucht, danach geht es weiter nach Toronto. Vor allem auf die Hall of Fame freuen sie sich schon, aber auch auf touristische Attraktionen außerhalb der Eishockey-Welt wie etwa den CN-Tower.

Auch die 0:7-Niederlage der aufopferungsvoll kämpfenden Letten gegen die Kanadier am Abend kann die lettische Feierlaune nicht dämpfen. Bis zum Spielende erklingt aus hunderten Kehlen das gewohnte Sarauj, Latvia, was auf Deutsch so viel heißt wie Auf gehts, Lettland und wir sind uns sicher: Auch bei der Weltmeisterschaft in Deutschland in 2010 werden wir uns - so denn Lettland mit dabei ist - wieder über zahlreiche gutgelaunte und eishockeyverrückte Letten freuen können. Auch Roland und Maris werden gern wieder eine Urlaubswoche für die Eishockey-Zeit einplanen.

Leona Malorny 

(Hockeyweb.de)