Bereits zum 72. Mal tragen die besten Nationen der Welt in diesem Jahr die Weltmeisterschaft aus: Die besten sechzehn Mannschaften kämpfen in Quebec und Halifax um den Titel. Passend zum 100. Jubiläum der International Ice Hockey Federation (IIHF) findet das Turnier zum ersten Mal im Mutterland des Eishockeys statt. Für die Kanadier zählt wie in jedem Jahr nur eins: Die Goldmedaille. Alles andere, so sind Spieler, Offizielle und Fans sich einig, wäre eine Enttäuschung. Während Kanada auf dem Papier sicherlich beste Chancen hat, den Titel zu gewinnen, sprechen die Statistiken gegen die Männer mit dem Ahornblatt auf der Brust: Seit die Sowjetunion das Turnier in 1986 in Moskau für sich entscheiden konnte, ist es keinem Gastgeberland mehr gelungen den Pokal im eigenen Land zu gewinnen.
Friedlicher Patriotismus wird im diesjährigen Gastgeberland der IIHF-Weltmeisterschaft groß geschrieben; wo immer es möglich ist, weht eine Flagge mit dem Ahornblatt oder das blau-weiße Banner der Provinz Nova Scotia. Halifax empfängt aber auch seine Gäste aus den acht Nationen der Gruppen B und C in den jeweiligen Nationalfarben: Die Straßen in Richtung Metro Centre sind gesäumt mit Plakaten der Teilnehmerländer, die überdimensionalen Player-Cards ähneln; das Eisstadion selbst ist geschmückt mit den Nationalflaggen aller WM-Teilnehmer. Das Metro Centre in Halifax wurde bereits 1978 eröffnet und gehört so eher zu der Kategorie altehrwürdige Eisstadien.
Zum Eröffnungsspiel der diesjährigen WM forderten die Gastgeber Slowenien heraus: Ohne größere Überraschungen gewann das Team von Trainer Ken Hitchcock gegen den Weltranglisten-Achtzehnten souverän mit 5:1. Von der ersten Sturmreihe der Kanadier um Dany Heatley, der allein drei Tore erzielen konnte, dürfte man bei diesem Turnier wohl noch einiges zu sehen bekommen.
Wer bei den Spielen der Weltmeisterschaft in Kanada jedoch Stimmung wie in vielen europäischen Stadien erwartet hat, wird bereits nach dem Eröffnungsspiel enttäuscht gewesen sein. In Nordamerika aber sind Fangesänge, Trommelwirbel und Anfeuerungsrufe geradezu nicht vorhanden. Da helfen auch die Versuche die Zuschauer mit Botschaften über den Videowürfel zum Lärmmachen zu animieren nur kurzzeitig. Auch sonst scheint in Halifax von kanadischer Seite noch keine echte Euphorie aufzukommen. Fans und Spieler werden aber weiterhin nicht müde die besondere Bedeutung des Turniers zu betonen. Katy, Eishockeyfan aus Halifax, redet voller Begeisterung von der Weltmeisterschaft, sie jubelt am liebsten für die Nationalmannschaft, nicht für eines der NHL Teams. Paul, ebenfalls aus Halifax, freut sich darüber, dass die WM endlich einmal in Kanada ausgetragen wird. Er weiß zwar, dass sie hinter den Stanley-Cup-Play-Offs zurückstehen muss, betont aber dennoch den Erfolgsdruck, der auf der kanadischen Mannschaft lastet: Sollte Kanada in der Vorrunde verlieren, hat dieses eine Spiel plötzlich eine enorm große Bedeutung. Stürmer Ryan Getzlaf, einer von Kanadas neusten Hoffnungsträgern, erklärt, dass die Weltmeisterschaft im eigenen Land eine große Möglichkeit ist, das Ansehen der WM in Kanada zu stärken. Für uns Spieler hat das Turnier bereits eine sehr große Bedeutung. Es dürfte allerdings ein offenes Geheimnis sein, dass auch er lieber weiter um den Stanley Cup spielen würde, auch, wenn ihm die Spiele im Nationaltrikot sicherlich gefallen. Zudem waren selbst bei den Spielen der Kanadier bisher noch viele Plätze leer, wahrer Enthusiasmus von Seiten der Fans sieht also auch anders aus.
Anders sieht es da bei den mitgereisten Fans aus den Gastländern aus: Sowohl die lettischen als auch die deutschen Anhänger haben ihrer Feierlaune in Halifax bereits unter Beweis gestellt. Während die Letten ihre Mannschaft wie gewohnt auch bei hohen Niederlagen feiern, als hätten sie den Titel gewonnen, ließen es sich die deutschen Anhänger vor dem ersten Spiel des DEB-Teams nicht nehmen, das Fanfest im Metro Centre zu bevölkern. Bei original kanadisch-bayrischer Blasmusik und kanadischem Bier gelang ihnen die Einstimmung auf das Match gegen Finnland besonders gut; von dieser Stelle schicken sie viele Grüße nach Deutschland. Auch hier war das Ergebnis von 4:1 für Finnland am Ende nebensächlich. Letten und Deutsche sind offensichtlich wieder mal nur zum feiern hier und da können die Kanadier noch einiges lernen.
Leona Malorny, Carina Mihr



